Gesperrtes Museum in Bonn: Antike Sammlung im Kunstmuseum bald wieder betretbar

Gesperrtes Museum in Bonn : Antike Sammlung im Kunstmuseum bald wieder betretbar

Das Akademische Kunstmuseum der Universität im Bonner Hofgarten ist für die Öffentlichkeit gesperrt worden. Grund sind Statikschäden. Die antike Sammlung soll aber bald wieder betretbar sein.

Die Verantwortlichen im Akademischen Kunstmuseum sind zuversichtlich, ihr Haus vor einer langfristigen Schließung bewahren zu können. Wie in unserer Samstagsausgabe berichtet, hatten Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) und Universität am Freitag die sofortige Sperrung als Notmaßnahme bekannt gegeben, weil die Statik eines Zwischengangs derzeit nicht mehr gewährleistet sei. Die Gefahr soll mittels einer Gerüstkonstruktion provisorisch gebannt werden, ein Datum für das Ende der Sperrung vermochte der BLB am Freitag nicht zu nennen.

Ergänzend teilte Museumskustodin Kornelia Kressirer dem General-Anzeiger am Wochenende mit, durch das einzubauende Schutzgerüst würden die Zugänge zu den Fluchttüren und in die Originalsammlung im Rotundenbau wieder zugänglich werden, "so dass wir nach Abschluss des Gerüstaufbaus das Museum wieder für die Öffentlichkeit öffnen können, was hoffentlich noch vor Ende unserer aktuellen Sonderausstellung 'Göttliche Ungerechtigkeit?' geschieht, damit unsere Besucher diese noch besichtigen können". Über den genauen Zeitpunkt, so Kressirer, werde das Haus so bald wie möglich informieren. Ein nahtloser Übergang der "Notmaßnahme" in die ohnehin seit Jahrzehnten geplante Generalsanierung, deren Planungen ja erst laufen, sei dagegen nicht geplant. Somit besteht für alle Interessenten Hoffnung, die antike Sammlung in absehbarer Zeit wieder betreten zu können.

Die Hiobsbotschaft, dass das Akademische Kunstmuseum an der Stirnseite des Hofgartens mit seiner antiken Sammlung wegen eines maroden Dachs ab sofort geschlossen bleibt, gab es am Freitag. In einer eilends versandten Pressemitteilung benutzen die Verantwortlichen den Begriff „Notmaßnahme“.

Wer allerdings bereits den drohenden Einsturz des klassizistischen Baus am südlichen Ende der Hofgartenwiese vor Augen hat, dessen Fantasie bietet deutlich mehr Spielraum als die Lagebeurteilung der Experten. Ihnen zufolge liegt das akute Problem in einem vergleichsweise kleinen Durchgang, der den nach Plänen des Universitätsarchitekten Friedrich Waesemann sowie unter Mitwirkung des preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel entstandenen Bau mit dem rückwärtig liegenden Mitteltrakt verbindet.

Probleme mit der Tragfähigkeit

Am Dach jenes Zwischenbaus stellten Gutachter in Vorbereitung der ohnehin geplanten Gesamtsanierung des fast 200 Jahre alten Gebäudes jetzt Probleme mit der Tragfähigkeit fest. Eigentümer des Museums ist die Universität Bonn, die Verkehrssicherungspflicht liegt beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes Nordrhein-Westfalen. Beide entschieden: Zwischengang und Ausstellungsbereich im Mitteltrakt müssen sofort gesperrt werden.

Gegenüber dem General-Anzeiger skizziert BLB-Pressesprecher Frank Buch die Gefahr: „Theoretisch ist es denkbar, dass in dem Zwischenbau Teile der Decke herunterkommen“, sagt er. Aus Sicherheitsgründen sei auch der angrenzende Mitteltrakt gesperrt worden. Weil der Durchgang zudem den einzigen Fluchtweg aus dem Kuppelbau darstellt, habe auch der gesperrt werden müssen – de facto also die gesamte Ausstellungsfläche, auf der sich 300 Statuen und 200 Reliefs drängen.

Ende der Sperrung nicht absehbar

„Um die Dachkonstruktion zu sichern, ist es erforderlich, ein Raumgerüst einzubringen. Derzeit wird mit Hochdruck eine Lösung erarbeitet, die sowohl die wertvollen Kunstobjekte als auch die Gebäudesubstanz schützt“, sagt Buch.

Bereits seit den 1990er Jahren wird die Generalsanierung des Akademischen Kunstmuseums ins Auge gefasst, geriet im Finanzierungsgerangel zwischen Bund, Land, Stadt und Uni mehrfach unter die Räder. Nun aber scheint es so weit zu sein. Um die Dachkonstruktion der Rotunde, in der einst die klinischen Vorlesungen der Anatomie gehalten wurden, müssen sich die Arbeiter dann – mutmaßlich – nicht mehr kümmern: Das Dach hat erst vor wenigen Jahren neue Kupferbahnen und schmuckvolle Zapfen an der Spitze einer neue Vergoldung erhalten – was offenbar nicht länger aufzuschieben gewesen war. Zuvor war das Dach so stark vom Holzwurm befallen, dass es von einer Gerüstkonstruktion gestützt werden musste. Die Kosten lagen seinerzeit bei fünf Millionen Euro.

Genug Stoff für Metaphern

In der griechischen Mythologie ist es bekanntlich Atlas, der das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern trägt. Der allerdings ist in der antiken Sammlung am Hofgarten gar nicht zu finden. Wohl aber Laokoon, der vergeblich vor dem Trojanischen Pferd warnt und ungerechterweise mit dem Tod bestraft wird. Stoff für Metaphern, auch zur Gebäudesituation in Bonn, bietet das Museum also weiterhin. Spätestens nach der Sanierung.

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