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Angriff auf Polizisten in Supermarkt: Razzien in Bonn und Troisdorf

Mutmaßlicher Reichsbürger-Angriff in Troisdorf : SEK stellt Beweismittel nach Angriff auf Polizisten sicher

Nachdem bei einer Kontrolle in einem Troisdorfer Supermarkt zwei Polizisten verletzt worden sind, haben Einsatzkräfte des SEK am Mittwoch Wohnungen der Verdächtigen durchsucht und Beweismittel sichergestellt. Es soll Hinweise in die Reichsbürger-Szene geben.

In der Heerstraße in der Bonner Altstadt hat ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei am Mittwochnachmittag eine Razzia durchgeführt und eine Wohnung durchsucht. Auch in Troisdorf lief eine Durchsuchung. Beide Aktionen stehen im Zusammenhang mit dem Vorfall in einem Supermarkt in Troisdorf, bei dem zwei Polizisten verletzt wurden, wie Sebastian Buß, Pressesprecher der Bonner Staatsanwaltschaft, dem GA bestätigte.

In der Wohnung in der Heerstraße waren mehrere Beamte im Einsatz. Angetroffen wurde dort niemand. Wie der GA erfuhr, könnte einer der Tatverdächtigen Bezüge zur Szene der sogenannten Reichsbürger haben. Er galt in einem früheren Verfahren als Verdachtsfall.

Wie Buß von der Staatsanwaltschaft weiter mitteilte, wurde Beweismaterial sichergestellt, das nun ausgewertet wird. Im Mittelpunkt des Interesses der Beamten habe auch die Kamera gestanden, mit der einer der Tatverdächtigen den Vorfall in Troisdorf gefilmt habe. „Eine Auswertung steht noch aus“, sagte Buß. Es gehe etwa um einen möglichen strafbaren Persönlichkeitsverstoß, da das Video im Supermarkt ungepixelt hochgeladen und ins Netz gestellt wurde. Zu etwaigen Festnahmen machte Buß zunächst keine Angaben.

Bei der Durchsuchung in Troisdorf sei der Beschuldigte, anders als in Bonn, in der Wohnung angetroffen worden. Die Polizei habe ihn aber nicht festgenommen. „Eine Festnahme findet nur dann statt, wenn er in Untersuchungshaft müsste“, sagte Buß. Dafür gebe es zurzeit keinen Anlass. Was auf die beiden zukomme, müssten die Ermittlungen zeigen: „Es kann später zu einer Anklage und dann zu einem Prozess kommen.“

Jetzt sei ein Ermittlungsverfahren anhängig. „Wir werden das Beweismaterial sichten und auswerten“, sagte Buß dem GA. Ob die Täter zu der Szene der Reichsbürger zählten, dazu wollte Buß sich nicht äußern, denn: „Die Klassifizierung Reichsbürger ist eine, die die Polizei gemacht hat.“ Er könne zu den beiden Verdächtigen nur sagen, dass einer eine doppelte (deutsch-osteuropäische) und der andere eine rein osteuropäische Staatsbürgerschaft habe. Die beiden Männer sind 35 und 37 Jahre alt.

„Ich hoffe, dass wir jetzt ein bisschen Ruhe kriegen“, so Buß. „Wir müssen auch noch schauen, was bei der Geschichte im Supermarkt geschehen ist.“ Eventuell können noch Zeugenaussagen dazu beitragen, den Vorfall zu klären. Ebenso erhofft sich Buß Aufklärung durch mehr Videomaterial als das bisher ins Netz gestellte.

In dem knapp fünfminütigen Video (GA berichtete) ist zu sehen, wie sich zwei Männer mit der Polizei in einem Supermarkt unterhalten. Einer der beiden Männer, der in dem Video gebrochenes Deutsch und Russisch spricht, filmt den Vorfall mit einer Kamera, die an seiner Brust angeheftet ist. Der Polizeibeamte bittet ihn, die Kamera auszuschalten, worauf dieser nicht eingeht. Im Laufe des Gesprächs erteilt der Polizeibeamte dem anderen einen Platzverweis. Der Filmende behauptet daraufhin, er brauche ihn als Übersetzer. Später eskaliert die Situation, in deren Folge zwei Polizeibeamte schwer verletzt wurden.

Eine Bewohnerin, die in dem Haus lebt, in dem der Bonner Verdächtige seine Wohnung hat, beschreibt den gesuchten Mann als sehr ruhig. „Ehrlich gesagt, dachte ich, er sei bereits ausgezogen“, sagte sie. Viel habe sie von ihm nicht mitbekommen. „Ich habe ihn auch seit gut einem Jahr nicht mehr gesehen.“ Laut ihrer Aussage sei das bereits das dritte Mal innerhalb der vergangenen zwei bis drei Jahre, dass die Polizei wegen ihm anrücken musste. Einmal sei er unter Drogeneinfluss nach Hause gekommen und habe Passanten mit einem Messer bedroht. Dass er möglicherweise im Verdacht steht, zur Reichsbürgerszene zu gehören, habe sie auch erst über die Zeitung erfahren. Anzeichen dafür habe sie bei ihm nicht bemerkt.

(dpa)