Neue Rettungskräfte für das Rheinland: Angehende Notärzte legen in Beuel praktische Prüfung ab

Neue Rettungskräfte für das Rheinland : Angehende Notärzte legen in Beuel praktische Prüfung ab

45 angehende Notärzte haben in Beuel ihre praktische Prüfung abgelegt. Dafür wurden sie mit einem realistischen Einsatzszenario konfrontiert.

Qualm steigt aus der Motorhaube eines Kleinwagens. Auf dem Fahrersitz ist ein Mann gerade noch zu erkennen. „Und hier drinnen ist immer noch alles in Ordnung“, kommentiert der Mann durch ein Megaphon. Albert Lehmann, Personalchef der Feuerwehr, zeigt 45 angehenden Notärzten, wie lange es dauert, bis ein Auto wirklich brennt. Eine Woche lang, täglich zehn Stunden, haben die Teilnehmer das theoretische und praktische Rüstzeug für ihren Einsatz in Vorträgen, Fallbesprechungen und Praktika auf der Feuer- und Rettungswache in Beuel erlernt. Zum 32. Mal schließen Ärzte aus dem Kammerbezirk Nordrhein ihre Ausbildung zum Notarzt ab.

„Der Notarzt muss in allen Fachbereichen zurechtkommen“, erklärt Andreas Bartsch, Anästhesist und Kursleiter. Deshalb sei das Programm sehr vielfältig: Von Geburtshilfe über Herzinfarkt bis zu großen Verkehrsunfällen muss ein Notarzt immer richtig reagieren können. „Die Herausforderung bei Unfällen mit vielen Verletzten ist zu unterscheiden: "Wer ist ein Patient und wie schnell muss er behandelt werden“, so Bartsch. Das Sichten und Kategorisieren in unterschiedliche Dringlichkeitsstufen wurde in diesem Jahr zum ersten Mal mit in den Lehrgang aufgenommen.

„In solchen Fällen ist auch die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr extrem wichtig“, betont Bartsch. Einsatzleiter der Feuerwehr und Notarzt müssten gemeinsam entscheiden, wie schnell eine Person geborgen werden muss. „Wenn jemand eingeklemmt ist, er sich aber wohl fühlt, ist es besser, langsam und extrem behutsam vorzugehen“, sagt Bartsch. Sei die Person jedoch in den nächsten Minuten möglicherweise tot, ist sehr schnelles handeln angebracht – auch wenn dadurch mögliche Verletzungen zum Beispiel an der Wirbelsäule entstehen könnten. „Die gute Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Notarzt kann lebenswichtig sein“, so der Ausbilder.

Notärzteprüfung in Beuel

Die praktischen Übungen wurden von der Berufsfeuerwehr, der Freiwilligen Feuerwehr und der Beueler Jugendfeuerwehr durchgeführt. „Die Leute der Jugendfeuerwehr spielen Verletze“, erklärt Bartsch. Eine tiefe Bauchwunde, die Gedärme sichtbar werden ließ, zeigt das Können einer Gruppe vom Kollegium Josephinum, die sich auf die realistische Darstellung von Verletzungen spezialisiert hat.

Vor 32 Jahren fragte die Kammer Nordrhein bei Bartsch an, ob er den Lehrgang realisieren könne. Damals stimme er zu. Vor 15 Jahren stieß dann der ärztliche Leiter des Bonner Rettungs- und Notarztdienstes, Ulrich Heister, zum Team dazu. „Zu Beginn hatten wir etwa um die 100 Teilnehmer“, erinnerte sich Bartsch. Nach und nach gab es jedoch weitere Anbieter – zum Beispiel auch an Urlaubsorten wie Sylt. „Es ist so ein anstrengender Kurs, da hat man nichts von der Nordsee“, findet Bartsch. Der Arzt ist jedoch zufrieden mit den geringeren Teilnehmerzahlen: „Die Betreuung ist so besser möglich.“

Im nächsten Jahr wird es den Notärzten nicht mehr möglich sein, in dieser Form die Fachkunde Rettungsdienst zu erwerben. „Es geht um eine Qualitätsverbesserung“, verdeutlicht Bartsch die Lage. Zur Zulassung als Notarzt werden nun zwei Jahre Praktikum und eine Prüfung verpflichtend. Einen neuen Mangel an Notärzten befürchtet er jedoch nicht. „In Bonn haben wir genug Notärzte“, versichert der Kursleiter. Durch das neue Gesetz werde es auch in ländlicheren Regionen wie etwa im nördlichen Rheinland-Pfalz nicht zu einer Verschlechterung der Situation kommen. „Bereits zugelassene Notärzte dürfen ja weiterhin praktizieren“, so Bartsch.