Festival in der Innenstadt: Afrikas Herz schlägt mitten in Bonn

Festival in der Innenstadt : Afrikas Herz schlägt mitten in Bonn

Ein Glas Zuckerrohrsaft oder einen Becher heißen Datteltee? Dazu eine Portion Kamelgulasch oder lieber Couscous mit Gemüse? Der Duft Afrikas erfüllt seit Freitagnachmittag die Bonner City. Unter dem Motto „Wir sind Afrika“ findet an diesem Wochenende das Afrika-Orient Kulturfestival in der Innenstadt statt. An mehr als 30 Ständen stellen die Teilnehmer Handwerk, Kunst und Spezialitäten ihrer Heimatländer vor.

„Wir wollen ein anderes Bild von Afrika vermitteln“, erklärte Fouad El Hasnaoui, Vorsitzender des Vereins „Vielfalt verbindet“. Afrika sei mehr als Armut, Hunger und Korruption. „Wir müssen uns zeigen und die Vielfalt präsentieren. In Afrika gibt es 155 Länder und es werden mehr als 2000 verschiedene Sprachen gesprochen.“ Deshalb wünscht er sich, dass sich viele Menschen aus Bonn und der Region von dem abwechslungsreichen Angebot angesprochen fühlen. „Denn nur so können wir eine Brücke von Afrika nach Europa bauen.“

Während noch bis Sonntagabend auf der Bühne am Bottlerplatz Musik und Gesang im Mittelpunkt stehen, gibt es im Kulturzelt auf dem Friedensplatz Diskussionsrunden, Workshops, Vorträge und Lesungen. Natürlich spielen Flucht und Fluchtursachen eine besondere Rolle. „Dieses Thema hat uns im vergangenen Jahr alle berührt. Deshalb werden wir uns intensiv mit den verschiedenen Fluchtgründen auseinandersetzen“, sagte Souad El Hasnaoui, die mit ihrem Mann das Fest organisiert hat.

Wie die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt gelingen kann, das zeigten die IHK und das CSR-Kompetenzzentrum gleich zu Beginn des Festes im Kulturzelt. Carmen Martinez Valdés vom Verein „Ausbildung statt Abschiebung“ stellte Ghulam Qasimi vor. Vor drei Jahren ist der 19-Jährige aus Afghanistan nach Deutschland geflohen. Nachdem er in Bonn seinen Realschulabschluss gemacht hat, wird er im August eine Ausbildung im Bereich Kaufmännisches Büromanagement beginnen.

„Es ist uns wichtig, dass wir als Unternehmen Verantwortung übernehmen“, erklärte Regina Götte-Lorenz, die für die Azubis bei der Firma Tarent verantwortlich ist. Bevor Ghulam Qasimi seinen Arbeitsvertrag unterzeichnete, hatte er zunächst ein Praktikum absolviert. „Dabei haben wir schnell erkannt, dass er aufgeschlossen und mit Freude bei der Arbeit ist. Außerdem ist er wirklich ein Sprachtalent. Er wird ganz sicher seinen Weg gehen“, ist Götte-Lorenz zuversichtlich.

Immaculata Mukamugema heizte ihren Grill am Bottlerplatz an. Dort gibt es nicht nur Kamelgulasch, sie bietet auch Spieße mit Zebra- und Krokodilfleisch an. Von nebenan schwappt der Duft von aromatischen Kräutern herüber. Am Grill, den das Café Madame Negla aufgebaut hat, gibt es Safranhähnchen. „Die sind mit Gewürzen verfeinert, die es nur in unserer Heimat gibt“, versprechen die beiden Grillmeister.

Etwas weiter probieren Hannah und Christine Nus Sommerkleider in leuchtenden Farben an. „Das ist genau das Richtige für den Urlaub“, sind sich Mutter und Tochter einig. „Diese Farben strahlen pure Lebensfreude aus.“ Gesagt, getan – die beiden Kleider landen im Koffer und reisen nächste Woche mit nach Spanien.