Erdige Klänge und Krokodilsteaks mit Kochbananen: Afrika-Orient-Kulturfestival in Bonn gestartet

Erdige Klänge und Krokodilsteaks mit Kochbananen : Afrika-Orient-Kulturfestival in Bonn gestartet

Bereits zum vierten Mal findet das Afrika-Orient-Kulturfestival mit Vorträgen, Workshops, Konzerten und einem Basar in der Bonner Innenstadt statt. Neu in diesem Jahr ist der Münsterplatz als zusätzlicher Veranstaltungsort.

Schon von weitem kündigt sich das Afrika-Orient-Kulturfestival den Besuchern in der Bonner Innenstadt an. Trommellaute hallen über Bottler- und Friedensplatz. Saliou Mbaye kniet neben einer Trommel und demonstriert die unterschiedlichen Schlagtechniken. Einige Laute klingen heller, andere dumpfer. Zwei Mütter bleiben mit ihren Kindern stehen.

Mbaye winkt sie heran, sie sollen die Trommeln ruhig einmal ausprobieren. An seinem Stand auf dem Bottlerplatz bietet Mbaye Instrumente aus dem Senegal oder von der Elfenbeinküste an. „Wir haben auch Trommeln aus Ghana, die klingen erdiger“, erklärt er und präsentiert eine kleinere Trommel. Zum Vergleich schlägt er den Rhythmus auf beiden Instrumenten.

Mbaye ist einer von rund 50 Ausstellern des Afrika-Orient-Basars, der im Rahmen des Festivals Kunsthandwerk, Kleidung und Kulinarisches aus Afrika anbietet. Insgesamt sind 35 afrikanische Länder auf dem Markt vertreten, der sich vom Friedensplatz über Bottlerplatz bis hin zum Münsterplatz erstreckt. Bereits zum vierten Mal findet das Kulturfestival statt, in diesem Jahr unter dem Motto „Interkulturelle Begegnung öffnet Welten“ – und mit einer Neuerung. Erstmals ist der Münsterplatz als Veranstaltungsort hinzugekommen.

Herzstück ist das dort platzierte Kulturzelt, in dem Vorträge, Workshops und Diskussionsrunden rund um die Themen Migration und Integration, Rassismus und Deradikalisierung angeboten werden. „Wir versuchen mit dem Festival eine Brücke zu bauen und eine Erklärung der orientalisch-afrikanischen Kultur zu liefern“, sagt Organisator Fouad El Hasnaoui vom Verein „Vielfalt verbindet“. Kooperationspartner sind in diesem Jahr die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW, „AfroPort“, „Souk du Maroc“, die Deutsch-Maghrebinische Gesellschaft und die Stadt Bonn.

El Hasnaoui lebt seit sieben Jahren in Bonn. Wegen seines Jurastudiums kam er aus Marokko nach Deutschland. „Ich fühle mich als Bonner“, sagt er. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, Souad El Hasnaoui hat er das Festival geplant. „Es ist ein Highlight, so eine Veranstaltung auf dem Münsterplatz platzieren können“, sagt sie. Als Trainerin für interkulturelle Kompetenz moderiert sie die Beiträge und leitet zwei Workshops während des Festivals. Die Seminare seien „überraschend gut angenommen worden“. Bisher hätten sich viele Interessenten angemeldet, auch kommunale Integrationsvereine aus anderen Städten.

Abgerundet wird das Programm mit Musik- und Comedydarbietungen auf der Bühne am Bottlerplatz. Bereits kurz nach der Eröffnung am Freitagmittag sitzen die ersten Gäste auf den Bänken vor dem Beethovendenkmal und probieren Samosa, ostafrikanische Teigtaschen. Wer mutiger ist, lässt sich Krokodilsteak mit Kochbananen aus Kamerun schmecken. Ein paar Meter weiter verkauft Driss Himoud Produkte aus seiner Heimat Marokko. Die mit Fischmustern verzierte Keramik stammt aus dem Küstenort Safi, die leuchtend bunten Lederschuhe aus Marrakesch. „In Marokko färbt man noch auf traditionelle Weise – ohne Zusätze wie Chrom“, erzählt seine Ehefrau Anja Schmidt.

Im vergangenen Jahr zählte das Festival rund 35.000 Besucher. Für dieses Jahr rechnen die Veranstalter mit bis zu 50.000 Gästen an den drei Tagen. Auch für El Hasnaoui gibt es noch Neues zu entdecken: „Ich habe bisher noch nie Afghanisch gegessen“, sagt er und deutet auf den gelb-roten Pavillon: „Das möchte ich auch probieren.“