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Ärger um Besuchsverbote in Bonner Altenheimen

Bonner Altenheime werben um Verständnis : Ärger um Besuchsverbot in Seniorenheimen

Viele Seniorenheime haben für die meisten Besucher nicht mehr geöffnet. Einrichtungsleiterinnen werben im Kampf gegen Infektion mit dem Coronavirus bei Angehörigen um Verständnis.

Unschöne Szenen spielen sich zurzeit in Seniorenpflegeheimen ab. Denn viele Häuser haben bereits über den bisherigen NRW-Erlass hinaus überhaupt nicht mehr – bis auf wenige Ausnahmen –  für Besucher geöffnet. Das stößt nicht bei allen Angehörigen von Bewohnern auf Verständnis. Sie machen ihrem Unmut laut Luft und legen sich sogar mit dem Pflegepersonal an, berichten Einrichtungsleiterinnen dem GA.  Laut Landeserlass sollte pro Tag jeder Bewohner wenigstens noch eine Stunde von einer Person besucht werden dürfen.

Das ist vielen Heimen jedoch zu gefährlich. Ein Besuchsstopp herrscht zum Beispiel in allen städtsichen Seniorenheimen, im Perthes-Heim in der Weststadt, im Haus Sankt Agnes an der Graurheindorfer Straße und im Augustinum an der Römerstraße. Lediglich dort, wo ein Besuch für die Bewohner unabdingbar ist, etwa zur Sterbebegleitung, machen die Häuser Ausnahmen.

Besuchsverbot stößt nicht bei allen auf Akzeptanz

  „Gerade ältere Menschen sind bei Infektionen mit dem Coronavirus hochgradig gefährdet“, erklärt  Anja Groth, Leiterin des Perthes-Heims. Deshalb habe sie zum Schutz der Bewohner, aber auch der Mitarbeiter in Rücksprache mit dem städtischen Gesundheitsamt zunächst bis zum 31. März ein generelles Besuchsverbot verhängt. „Die meisten Angehörigen und alle Bewohner akzeptieren das und zeigen Verständnis. Aber einige eben nicht“, sagt Groth. Harte Worte hat sie sich seither anhören müssen, doch die Leiterin bleibt bei ihrer Haltung. Anders ließe sich die Infektionskette nicht unterbrechen. „Wir kümmern uns alle sehr um unsere Bewohner. Niemand muss sich Sorgen machen“, versichert sie. Ziel aller müsse sein, den exponentiellen Anstieg der Fallzahlen in den Griff zu bekommen. Natürlich verstehe sie alle, die ihre Angehörigen gerne sehen wollten. „Deshalb werden wir so schnell wie möglich ein Skype-Angebot herstellen.“ Und telefonieren gehe selbstverständlich immer.

In dasselbe Horn stößt Sabine Gärtner vom Haus Sankt Agnes, in dem 80 Bewohner betreut werden. „Wir geben uns alle Mühe, die Infektionsgefahr so gering wie möglich zu halten“, sagt die Leiterin. Doch täglich haben sie sie und ihre Mitarbeiter mit der „Ignoranz“ von Besuchern und auch Lieferanten zu kämpfen.  Jetzt ist die Eingangstür zum Haus verschlossen. Wer rein will, muss sich anmelden oder klingeln. „Wir hatten kürzlich einen Mann, der sich im Dunkeln in das Haus geschlichen hat und plötzlich im Zimmer eines Angehörigen stand.“ Als eine Mitarbeiterin ihn bat, das Haus zu verlassen, habe er protestiert. „Für die Zukunft müssen wir uns überlegen, ob wir in solchen Fällen Anzeige erstatten.“

Indes: Auch bei ihr zeigten das Gros der Angehörigen und alle Bewohner Verständnis. „Überhaupt kein Problem haben wir mit Angehörigen, die regelmäßig ins Haus kommen.“ Es seien vor allem die Besucher, die eher selten kämen, die mit Unverständnis reagierten. Natürlich gebe in Sankt Agnes wie in allen Häusern Ausnahmen von der strikten Regel: „Wir haben eine demenziell erkrankte Bewohnerin, die ihre Tochter dringend als Bezugsperson braucht. Sie muss natürlich kommen.“ Ebenso Bewohner, die palliativ betreut würden, dürften von ihren engsten Angehörigen besucht werden. Das seien zurzeit etwa vier bis fünf Personen.

Das Augustinum informiert auf seiner Webseite über ein generelles Besuchsverbot. „Möglich sind lediglich nicht verschiebbare Besuche von engsten Angehörigen sowie medizinisch oder seelsorgerlich notwendige Besuche.“