Bonner Bürgerdienste: Ärger über Wartezeiten auf Termin im Bonner Stadthaus

Bonner Bürgerdienste : Ärger über Wartezeiten auf Termin im Bonner Stadthaus

Die Reisezeit steht vor der Tür, das spüren auch die Bonner Bürgerdienste. Wer in den vergangenen Wochen versuchte, einen Termin zu buchen, bekam als frühestmöglichen Zeitpunkt den Monat September genannt.

„Was ist wieder im Stadthaus, dem Bürgerzentrum los?“, fragte GA-Leser Walter Zerwas. Wegen mehrerer Operationen habe er seinen neuen Personalausweis nicht rechtzeitig beantragen können. Jetzt müsste er eigentlich bis zum Herbst warten. „Das kann doch wohl nicht wahr sein. Wir zahlen hier in Bonn sehr hohe Steuern für fast alles, aber die Verwaltung bekommt ihren Service nicht annähernd in den Griff“, findet Zerwas. Immerhin hat sich die Stadt nun bei ihm gemeldet und will den Termin vorverlegen.

Am Brückentag wartete Heiko Piecha im Stadthaus darauf, dass seine Terminnummer auf dem Display erscheint. Schon im März habe er diesen Termin geblockt. „Das ist schon eine lange Wartezeit, wenn man sich überlegt, dass man früher bei einem Anliegen einfach vorbeikommen konnte.“ Einige der Wartenden haben allerdings noch am Morgen erfolgreich einen Termin ergattert, denn um 7.45 Uhr gibt die Stadt auf ihrer Internetseite stornierte Buchungen tagesaktuell frei. Enver Sahin nutzt das regelmäßig und findet, die Wartezeiten hätten sich im Vergleich mit dem alten System des Markenziehens wesentlich verbessert.

Wartezeiten vor Ferienzeit besonders lang

Wer an diesem Freitag über die Internetseite der Stadt versuchte, einen Termin für Führerschein-, Passantrag oder Autozulassung zu bekommen, konnte immerhin im Juli aus einer ganzen Reihe von Vorschlägen wählen. Unterm Strich räumt die Stadt ein, dass die Wartezeiten vor der Ferienzeit verhältnismäßig lang sind – und begründet das laut Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann mit „einer außergewöhnlich hohen Personalfluktuation“.

Durch erfolgreiche Bewerbungen und Versetzungen innerhalb der Verwaltung sei eine Vielzahl von Stellen freigeworden, etwa durch Wechsel von der Sachbearbeiterebene in Führungspositionen. Diese freien Positionen seien zwar neu besetzt worden, aber „ein Teil des neuen Personals befindet sich noch in der Einarbeitung“, erklärte Hoffmann. Zeitweise seien es zwölf neue Kräfte gewesen, derzeit seien es sieben neue Mitarbeiter. Sie fehlten in der Bürgerbedienung, und dadurch sei das Terminangebot eingeschränkt. In der Vergangenheit hätten die Grippewelle sowie gewachsene Aufgaben durch Änderungen des Meldegesetzes und der Fahrzeugzulassungs-Verordnung für Verzögerungen gesorgt.

In dringenden Fällen gibt es schnelle Termine

Hoffmann weist darauf hin, dass Bürger in dringenden Fällen schneller Termine bekommen. Sollten online oder telefonisch keine Zeiten verfügbar sein, können Bonner mit Belegen über eine bevorstehende Reise ohne Anmeldung im Bürgerzentrum vorbeikommen, erhielten möglicherweise aber erst am Folgetag einen Termin. Womit man per se einen zweiten Urlaubstag für einen Ämtergang einkalkulieren darf.

Die neu eingestellten Kräfte hat man, so Hoffmann, besonders für Ausweisanträge geschult, um den Ansturm vor der Urlaubszeit besser bewältigen zu können. Nach dieser Zeit erwartet die Verwaltung eine spürbare Verbesserung. Künftig hofft die Stadt, lange Vorlaufzeiten nicht nur durch die dann eingearbeiteten Neuzugänge verhindern zu können. Gerade testet sie im Zuge der Digitalisierung ein Bürgerterminal, an dem Bürger Führungszeugnisse, Meldebescheinigungen und Anwohnerparkausweise über den neuen Personalausweis (Elektronische-Identitäts-Funktion) beantragen können. Online können Bürger unter anderem einfache Meldebescheinigungen anfordern.

Mit dem neuen Personalausweis können auch einige Bürgerdienste online erfolgen, für die eine Unterschrift notwendig ist. Über technische Voraussetzungen informiert die Stadt. Bei Personal- oder Reisepässen sei die persönliche Vorsprache indes „zwingend erforderlich“. Nicht nur die Unterschrift, sondern auch die Aktualität des Passfotos müsse ein Sachbearbeiter prüfen.

Terminvereinbarungen sind im Internet oder unter Tel. 02 28/77 66 77 möglich.

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