Stadt fordert Schadensersatz: Ärger mit der Temperatur in der Bonner Feuerwache

Stadt fordert Schadensersatz : Ärger mit der Temperatur in der Bonner Feuerwache

Massive Temperaturschwankungen durch eine defekte Anlage sind schon 2012 im damaligen Neubau der Feuerwache I am Lievelingsweg aufgefallen. Die Stadt verklagt nun die Planer auf eine Million Euro.

Feuerwehrleute in Bonn leiden abwechselnd unter Gluthitze, dann wieder unter arktischer Kälte. Nicht etwa bei ihren brandgefährlichen Einsätzen, sondern in den Räumen der Feuerwache I am Lievelingsweg. Seit fast sechs Jahren besteht dort laut Stadt das Klima-Chaos in der integrierten Leitstelle und macht der Belegschaft massiv zu schaffen. Schuld an dem unhaltbaren Zustand sei die mangelhafte technische Ausrüstung der Feuerwache – und dafür verantwortlich ein Ingenieurbüro aus Siegen.

Mit einer Millionenklage vor dem Bonner Landgericht fordert die Stadt Bonn nun von dem Büro die Beseitigung der gravierenden Mängel in der Feuerwache I. Auf den Cent genau sind es 982.798,35 Euro, so die Schadensberechnung des Städtischen Gebäudemanagements, aber das könnte erst der Anfang sein.

Die Stadt hatte das Büro im Jahr 2009 mit der Planung der gesamten Gebäudetechnik beauftragt. Der Auftrag habe die Planung der gesamten technischen Ausrüstung der neuen Feuerwache 1 beinhaltet, wozu Elektrotechnik, Heiz- und Raumlufttechnik sowie Gas- und Abwassertechnik gehörten. 2012 wurden die Arbeiten dann für verschiedene Gewerke ausgeschrieben und der Feuerwachen-Neubau entsprechend ausgestattet.

Schon kurz nach der Abnahme des Auftrags im Jahr 2012 wurden erste Störungen an der Anlage festgestellt. Ein Jahr später, so die klagende Stadt, seien die Probleme chronisch geworden: extreme Klimaschwankungen, Temperaturen, die nicht reguliert werden konnten, Überdruck beim An- und Abschalten der Lüftungsanlage oder auch extreme Kondensbildungen, die vor allem die Computertechnik im Serverraum regelmäßig bedroht. Täglich hätte literweise Wasser entsorgt werden müssen. Manchmal helfe nur, die Fenster zu öffnen.

Der Krankenstand in der Wache steigt

„Was da an Luft rauskommt, ist nicht der wahre Segen”, formulierte es Rechtsanwalt Sebastian Thierau am Donnerstag im Gütetermin vor der 1. Zivilkammer. Wenn es draußen friere, kühle die Anlage sibirisch nach, wenn es brüllend heiß werde, gebe sie noch Wüstenwind dazu. Schließlich würde es manchmal erbärmlich stinken, auch sei die gesamte Anlage viel zu laut. Bei den in der Feuerwehr Arbeitenden gebe es eine deutliche Zunahme von Krankschreibungen.

Die Stadt wirft dem Ingenieurbüro nach Einholung eines privaten Gutachtens vor, dass die Ausführungsplanung gänzlich „ungeeignet“ gewesen sei. Die beklagte Firma jedoch hält dagegen: Schuld an der Misere seien die falschen Planungsvorgaben der Stadt, an denen sie sich orientiert habe. Aber die Stadt lässt den Einwand nicht gelten: Das Ingenieurbüro habe den Auftrag bekommen, die Ausrüstung so zu planen, dass sie auch funktioniere.

„Interims-Maßnahmen“ oder Nachbesserungen habe es in den vergangenen Jahren nur dann gegeben, wenn die Ausfälle massiv gewesen seien, erklärte die Stadt auf richterliche Nachfrage. Aber diese Kosten seien noch nicht in der Millionenklage eingeflossen. Schließlich zeichnete der städtische Rechtsvertreter im Prozess ein noch viel dramatischeres Szenario: Wenn es wirklich zum Umbau „mit großem Besteck“ käme, dann ginge das nicht bei laufendem Betrieb. Dann müsste das Gebäude stillgelegt und eine weitere Feuerwache gebaut werden. „Da wäre die Million noch vergleichsweise wenig“, sagte Thierau. Am Ende haben die Parteien immerhin signalisiert, dass sie sich für eine Problemlösung – vielleicht ein Workshop – in Verbindung setzen wollten.

(AZ: LG Bonn 10 147/17)

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