Bonner Kopf: Abschied nach 40 Jahren Ehrenamt im Albert-Schweitzer-Tierheim

Bonner Kopf : Abschied nach 40 Jahren Ehrenamt im Albert-Schweitzer-Tierheim

Monika Linden verabschiedet sich nach 40 Jahren vom Albert-Schweitzer-Tierheim. Den frechen Dackel Peggy wird sie nie vergessen.

Wer beim Abschied von Monika Linden (74) dabei sein wollte, musste erst einmal an einigen aufgeregt kläffenden Hunden vorbei, die in den Auslaufzwingern des Albert-Schweitzer-Tierheims nur durch stabile Käfiggitter davon abgehalten wurden, den Besucher zur fluchtartigen Umkehr zu bewegen. Etwa 20 ehrenamtliche Mitarbeiter waren gekommen, um Monika Linden, die sich seit 40 Jahren ehrenamtlich für das Bonner Tierheim in der Nordstadt engagiert, feierlich zu verabschieden. „War für Hase oder Meerschwein kein neuer Besitzer zu finden, wurd‘s von dir schnell gelöst: Dann hießen sie Linden!“, dichtete Renate Dyrbusch (81) auf die Geehrte, der bei den vielen Dankesworten, Herzlichkeiten und Geschenken, Tränen der Rührung in den Augen standen.

Unzählige Geschichten

Jetzt saß Monika Linden inmitten der ebenfalls ehrenamtlich tätigen Mitarbeiterinnen des Tierheims, das für Jahrzehnte so etwas wie eine Familie für sie geworden ist. Neben ihrem Mann, der Schwester und ihrer Schwägerin hatte sie alle dazu gebracht, sich dort für die Tiere in Not zu engagieren. Unzählige Geschichten fallen ihr ein, die sie von verwahrlosten oder nicht artgerecht gehaltenen Tieren erzählen kann. Besonders wehmütig erinnert sie sich an Dackel Peggy, der Anfang der 1980er Jahre ins Tierheim kam und sich durch seine Bissigkeit gehörigen Respekt verschaffte. Zur Verwunderung aller sprang Peggy allerdings in bester Absicht Linden auf den Schoß und schien dabei der gutmütigste Dackel des Heims zu sein. Kaum jedoch war Linden außer Reichweite, lehrte der kleine Wadenbeißer wieder allen das Fürchten.

So galt er für das Tierheim als unvermittelbar und lebte fortan in Holzlar. Dorthin hatte es Linden durch ihren zweiten Mann verschlagen, nachdem sie sich bereits als 18-Jährige von ihrem ersten Mann getrennt hatte, mit dem sie neun Monate verheiratet war. „Das war ein Fehler“, sagt sie heute und ist froh, das so früh erkannt zu haben. Heute lebt sie glücklich mit ihrem Mann im eigenen Haus mit Garten und einigen Ställen in Holzlar.

Flohmarktladen vor 13 Jahren eröffnet

Direkt neben ihr konnte Tochter Martina einziehen, was ihrer Mutter das Glück bescherte, die drei (inzwischen erwachsenen) Enkel Sandra, Sascha und Pascal ganz in ihrer Nähe zu haben. Da Oma Monika auch immer irgendwelche Tiere besaß oder pflegte, kam ein Besuch bei ihr dem eines Streichelzoos gleich. Meist waren immer ein rundes Dutzend Meerschweinchen, Hasen oder auch Rennmäuse die Attraktion bei Lindens. Noch heute ist Monika Linden allerdings in Peggy verliebt. Obwohl der Dackel schon vor über mehr als 20 Jahren 16-jährig gestorben ist, erinnert sie sich immer wieder gerne an ihn. Auch wenn auf Peggy schnell Bernhardiner Puschka folgte, der ebenfalls wegen seiner schlechten Erfahrung als Welpe für unvermittelbar galt. Als nach elf Jahren mit der erst acht Wochen alten Paula eine Nachfolgerin für Puschka ins Haus kam, dann jedoch schon mit sieben Jahren aufgrund epileptischer Anfälle starb, sah Monika Linden das als Strafe dafür an, dass sie Paula nicht aus dem Tierheim gerettet, sondern von einem Züchter übernommen hatte.

Vor 13 Jahren eröffnete Monika Linden den ersten Flohmarktladen des Tierheims, der auch heute noch in der Kasernenstraße zu finden ist. Der Laden, der sich schnell vergrößerte, wurde zum Lebensinhalt für sie. Sie liebte es, dort mit den Kunden ein Schwätzchen zu halten und so ganz nebenbei viel Gutes für das Tierheim zu tun. Kollegin Dyrbusch fasste es in Verse: „Unzählige Flohmärkte von dir organisiert; war’s auch manchmal stressig, es lief wie geschmiert“, und sie bedankte sich damit auch für das Engagement Lindens außerhalb des direkten Kontakts mit Tieren. Ihre Nachfolgerin Elisabeth Sarkissian wäre froh, wenn sich bald noch mehr Freiwillige fänden, die das Tierheim durch ihre ehrenamtliche Arbeit in dem Laden unterstützen würden (Telefon für Interessierte 01 57/82 96 46 69).

Bönnsches Mädche und tierlieb von Anfang an

Tierlieb war Monika Linden schon, seit sie denken kann. Geboren in der Bonner Altstadt ist sie stolz darauf, ein echt bönnsches Mädche zu sein. Sie erinnert sich daran, dass sie schon, „als ich noch ganz klein war – da wohnte sie bereits mit Mutter, Bruder und Schwester in Kessenich –, immer mit Tieren zusammen sein wollte. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt. Er starb bei ihrer Geburt im Krieg. Die Mutter ging arbeiten, und Klein-Monika war so oft wie möglich in der Natur, pflegte Käfer und Kanarienvögel und vermittelte streunende Hunde („Wir waren arm, aber glücklich“).

Nach dem Besuch der Nikolausschule ging sie bei Cläre Becker in die Lehre, einem heute längst nicht mehr existierenden Hutladen in der Bonngasse, arbeitete danach in einem Kaffeegeschäft und weitere 21 Jahre als Disponentin „beim Globus“. Immer verbinden sich ihre Lebensphasen auch mit Tiergeschichten.

„Aber man muss auch die Menschen gernhaben“, sagt sie aus voller Überzeugung. Darum lädt sie gerne ein und kocht für ihre Freundinnen. „Am liebsten Sauerbraten“, verrät sie und hat dabei ein schlechtes Gewissen, keine Vegetarierin zu sein. Wie zur Entschuldigung fügt sie hinzu, „aber man muss wissen, wo das Fleisch herkommt. Niemals aus Massentierhaltung“.