Gutachten soll Zukunft klären: Abriss des Bonner Stadthauses nicht ausgeschlossen

Gutachten soll Zukunft klären : Abriss des Bonner Stadthauses nicht ausgeschlossen

Erneut hat die Stadt Bonn ein Gutachten für das Stadthaus am Berliner Platz in Auftrag gegeben. Es soll klären, ob die Sanierung oder ein Neubau die wirtschaftlichere Variante ist.

Das Städtische Gebäudemanagement lässt erneut ein Gutachten für die Zukunft des Stadthauses erstellen. Es geht nach wie vor um die Frage, ob der an vielen Stellen marode Verwaltungsbau aus den 1970er Jahren grundsaniert oder letztlich abgerissen werden und es an derselben Stelle oder anderswo einen Neubau geben soll. Eine Frage, die Politik und Verwaltung seit Jahren umtreibt und der ein externes Unternehmen deshalb 2011 schon einmal auf den Grund gegangen war. Das Ergebnis damals: Die Sanierung sei die wirtschaftlichste Variante.

Die Kosten für die Sanierung wurden 2011 inklusive einer Arrondierung des Areals auf rund 200 Millionen Euro geschätzt. Das Gutachten verschwand angesichts der schlechten Haushaltslage wieder in der Versenkung. Allerdings soll die Analyse, die damals unter Beteiligung der NRW-Bank erarbeitet wurde, nicht vergebens gewesen sein, erklärte nun Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann. Die neu durchzuführende Untersuchung soll auf der vorhandenen Expertise aufbauen. Laut Hoffmann habe es sich damals lediglich um „eine erste Voruntersuchung“ gehandelt. Diese beruhte auf verschiedenen Annahmen, die zum damaligen Zeitpunkt nur grob geschätzt werden konnten.

Seit 2016 hätten sich in Bezug auf das Stadthaus nunmehr konkretere Fragestellungen für eine allumfassende Analyse ergeben. Darauf aufbauend solle nun die vertiefte Untersuchung durchgeführt werden.

Externer Berater ist bereits beauftragt

Inzwischen sei ein Beratungsunternehmen mit der Erstellung einer vergleichenden Wirtschaftlichkeitsuntersuchung für Instandsetzungs- und Neubauoptionen sowie der Ermittlung der Investitionskosten befasst. Damit solle „eine möglichst breite Entscheidungsgrundlage“ erarbeitet werden, die den politischen Gremien sodann mit einem Vorschlag der Verwaltung vorgelegt werden könne. „Mit Ergebnissen ist im ersten Halbjahr 2019 zu rechnen.“ Stadtkämmerin Margarete Heidler hat deshalb vorsorglich in der Haushaltsplanung für 2019/20 Planungskosten von 10,5 Millionen Euro eingestellt, in der mittelfristigen Haushaltsplanung für das Jahr 2021 sind noch einmal 12,5 Millionen Euro an Planungskosten sowie ab 2022 bis 2030 jeweils 20,6 Millionen Euro pro Jahr für das Stadthaus vorgesehen.

Angesichts dessen gehen die Grünen laut Fraktionsgeschäftsführer Tom Schmidt davon aus, dass die Zeichen nach wie vor auf Sanierung stehen. Das sieht Werner Hümmrich (FDP) ebenso. „Wir brauchen keine weiteren Untersuchungen.“ Angesichts laufender Unterhaltungsarbeiten im Stadthaus, wie etwa die Erneuerung der Rolltreppen für 800 000 Euro, sei die Zeit längst reif für eine Entscheidung. „Wie bei allen baulichen Maßnahmen ist sorgfältig zu prüfen und abzuwägen, ob Sanierung oder Neubau die zutreffende Option ist“, sagte CDU-Fraktionsgeschäftsführer Horst Gehrmann. „Wenn es der Sache dient, haben wir nichts gegen ein neues Gutachten, um noch einmal aktuelle Zahlen zu bekommen““, sagte Angelika Esch (SPD). Die SPD spreche sich aber seit langem für Abriss und Neubau aus. „Wir hoffen, dass mit der neuen Prüfung endlich die von uns seit langem gewünschte Plausibilisierung herbeigeführt werden kann“, so Marcel Schmitt (BBB).

Sanierungsarbeiten in der Stadthausgarage

Sanierung hin, Abriss und Neubau her: Nicht mehr aufzuschieben waren die Arbeiten in der Stadthausgarage, für die die Stadtwerke Bonn (SWB) als Miteigentümerin der Bonner City-Parkraum GmbH (BCP) verantwortlich zeichnen. Durch undichte Fugen floss seit Jahren immer wieder Wasser in das zum Teil darunter liegende Stadtarchiv. Die Sanierung sei überfällig gewesen, erklärte SWB-Sprecher Werner Schui. Zur Kritik von Anwohnern über Lärmbelästigung durch die Arbeiten und von SPD-Ratsherrn und BCP-Aufsichtsrat Herbert Spoelgen über das „hohe Ausmaß und den Umfang der Arbeiten“, die angeblich nicht genügend mit den Aufsichtsratsmitglieder kommuniziert worden seien, sagte Schui: „Aufgrund der wichtigen Funktion, die die Stadthausgarage im Zentrum der Innenstadt hat, wird im laufenden Betrieb saniert.“ Die Baufirmen seien bemüht, so geräuscharm wie möglich zu arbeiten. Belästigungen und Einschränkungen seien aber nicht immer zu vermeiden.

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