Fernbushaltestelle in Bonn: Abgelegen und ohne Wetterschutz

Fernbushaltestelle in Bonn : Abgelegen und ohne Wetterschutz

Betreiber und Bundeskunsthalle sind unzufrieden mit dem Fernbushalt an der Museumsmeile. Die Haltestelle sei zu abgelegen, habe keinen Wetterschutz und sei schlecht ausgeschildert.

Wer eine Fahrt mit dem Fernbus ins Bonner Zentrum gebucht hat, der kennt sich hoffentlich gut aus. Überwiegend abends und in den frühen Morgenstunden endet die Fahrt seit Mitte Mai auf einem Parkplatz hinter der Bundeskunsthalle zwischen Bahnlinie und Parkhaus. Drei mobile Toilettenhäuschen sind hier seit Kurzem der einzige Luxus. Kein Wegweiser führt in die drei Kilometer entfernte Innenstadt oder zur Haltestelle Heussallee der Stadtbahn. Sitzgelegenheiten, ein Wetterhäuschen oder gar einen Getränkeautomaten gibt es nicht.

„Die Verlegung der Haltestelle weg vom Hauptbahnhof hat die Haltestellensituation für Bonner Fernbusnutzer leider nicht verbessert“, bilanziert André Schwämmlein, Gründer des Marktführers Flixbus aus München auf GA-Anfrage. In einer Fahrgastbefragung habe jeder zweite Gast (52 Prozent) Sitzgelegenheiten, ordentliche Sanitäranlagen (50 Prozent) beziehungsweise einen Wetterschutz (46 Prozent) vermisst. Der Standort an der Museumsmeile sei für Fernbus-Reisende maximal als Interimslösung akzeptabel, zumal für Einwohner und Gäste der Stadt sehr unkomfortabel, ergänzt der Pressesprecher von Flixbus, Martin Mangiapia.

Ähnlich sieht es der zweite größere Anbieter Dein Bus aus Offenbach. „Die Stadt wollte schon vor einem halben Jahr für eine richtige Ausschilderung sorgen“, sagt Geschäftsführer Christian Janisch. Man versuche, den Mangel mit Wegbeschreibungen zu kompensieren. Janisch kann das Verhalten der Verwaltung nicht verstehen. Die Investitionen seien schließlich gering. „Und kein seriöser Fernbusanbieter würde sich einer finanziellen Beteiligung entziehen.“

Nach einem Intermezzo sieht es derweil nicht aus. Eine Rückkehr in die Nähe des Hauptbahnhofs sei nicht vorgesehen. Die Stadtverwaltung habe erst für das Jahr 2020 einen Prüfauftrag, ob der Haltepunkt nicht alternativ ins Umfeld des Bahnhofs Beuel passt, berichtet Markus Schmitz aus dem Presseamt. Vor 2021 oder 2022 werde sich mithin gewiss nichts ändern. In der Nähe der Stadtbahn und des neuen DB-Haltepunktes UN-Campus in direkter Nachbarschaft, der Ende des Jahres in Betrieb gehen soll, sei der Busparkplatz an der Joseph-Beuys-Allee hinter der Museumsmeile der am besten angeschlossene geprüfte Standort gewesen.

Im Detail verspricht Schmitz Verbesserungen. Eine Ausschilderung von und zur Stadtbahn solle als erstes erfolgen. Wann das geschehe, sei nicht bekannt. Mittelfristig sollten auch Bänke und ein Warteraum folgen. Auch wenn nicht alle Busse die vorgesehene Marie-Kahle-Allee zur Anfahrt der Haltestelle nutzen, sind Verkehrsbeschränkungen an der Walter-Flex-Straße nicht angedacht, so das Presseamt. Anwohner hatten sich über die Lärmbelastung durch teilweise nach Mitternacht ankommende Busse beklagt.

Auch in der Bundeskunsthalle ist man weiterhin unzufrieden mit der Lösung. Geschäftsführer Bernhard Spies hatte schon in einem Brief im letzten Frühjahr die wegfallenden Parkmöglichkeiten für Reisebusse beklagt. Weder am Haus der Geschichte noch am Kunstmuseum Bonn oder an der Bundeskunsthalle gibt es andere Abstellmöglichkeiten. „Und die versprochenen Ersatzparkbuchten an der Emil-Nolde-Straße hat die Stadt bis heute nicht geschaffen“, sagt Spies. Darüberhinaus kursiere das Gerücht, Reisebusfahrer sollten dort mit Gebühren zur Kasse gebeten werden. „Dafür hätte ich überhaupt kein Verständnis.“ Oberbürgermeister Ashok Sridharan, der Bonn zusammen mit der Bundeskunsthalle Anfang März auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin vertritt, müsse entscheiden, ob er Reisegruppen in der Stadt wolle oder nicht.

Bei allem Ärger sieht man bei Flixbus, wo inzwischen 80 Prozent des Fernbusgeschäfts gemacht wird, durchaus großes Potenzial für die Bundesstadt. Die Zahl der Fahrgäste aus und nach Bonn habe im Jahr 2016 um 60 Prozent zugenommen. Gemeinsam mit der Stadt hoffe man, mittelfristig die Rückkehr der Haltestelle ins Stadtzentrum möglich zu machen, so Flixbus-Chef Schwämmlein.

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