Nächste Eskalationsstufe bei Nichteinigung: Ab Dienstag droht ein Streik in allen städtischen Kitas

Nächste Eskalationsstufe bei Nichteinigung : Ab Dienstag droht ein Streik in allen städtischen Kitas

Schon das Wetter Mittwochmorgens machte deutlich: Die Zeichen stehen auf Sturm. Rund 100 Erziehungskräfte und Pädagogen aus städtischen Kindertagesstätten und offenen Ganztagsschulen hatten dieses Mal in Tannenbusch und Dransdorf ihre Arbeit niedergelegt und sich vor der Kita Ostpreußenstraße versammelt.

Am Donnerstag werden wohl die meisten städtischen Kindergärten in Bonn geschlossen bleiben. Denn dann wollen die städtischen Erziehungskräfte mit rund 3000 Kollegen aus ganz NRW in der Bonner Innenstadt bei einer Demonstration ab 10 Uhr ihren Forderungen vor allem nach einer besseren Bezahlung lautstark Nachdruck verleihen. Die Polizei geht von starken Verkehrsbehinderungen aus.

Und sollten sich die Parteien nicht einigen, dann wird der Streik voraussichtlich nächste Woche fortgesetzt, machte der Bonner Komba-Chef Christoph Busch bei der Demo in der Ostpreußenstraße deutlich. Starker Wind und Regen drohte währenddessen das Zelt vor der Kita umzuwerfen, unter dem viele der Streikenden Schutz gesucht hatten. Vereinzelt waren auch Erzieher aus anderen Stadtteilen zur Kundgebung gekommen, um sich mit den Demonstranten aus dem Bonner Norden zu solidarisieren. Das Gros der Erziehungskräfte ist bei der Komba-Gewerkschaft organisiert, aber auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) war gut vertreten.

"Ich freue mich sehr, dass die Kollegen von der GEW auch gekommen sind", sagte Busch, "denn die Gewerkschaften müssen unbedingt gemeinsam agieren, um zum Ziel zu kommen." Dabei erklärte er, dass man sich bisher auf einen wellenartigen Streik verständigt habe, weil sich die Gewerkschaften einen Vollstreik als nächste Eskalationsstufe vorbehalten wollten.

Wie berichtet, waren die Kitas bisher mit Ausnahme am Montag vor einer Woche und heute nur stadtteilweise bestreikt worden. "Die Bereitschaft für einen Vollstreik ist groß", sagte Busch. Er kündigte an, dass die Streiklokale der Komba ab Dienstag - sollte der Streik fortgesetzt werden - im Büro der Komba im Stadthaus sowie in dem dort ebenfalls gelegenen Kindergarten eingerichtet würden.

Das Argument der Arbeitgeberseite, für eine höhere Bezahlung fehle den Kommunen das Geld, bezeichnete Busch als "Totschlagargument". Eine Wertschätzung der Berufe im Erziehungs- und Sozialdienst sehe anders aus, kritisierte er.

Am Beispiel der Stadt Bonn machte er deutlich, dass er diesem Argument nicht folgen könne. "Für eine 60 Millionen Euro teure Sanierung der Beethovenhalle ist das Geld da", meinte er. Oder für die Führungspersonen in der Stadtverwaltung und den städtischen Gesellschaften. "Da werden 150.000, 200.000, ja auch schon mal 250.000 Euro an Jahresgehältern bezahlt und damit begründet, dass diese Personen ja Verantwortung tragen", sagte Busch. Dabei trügen die Erziehungskräfte ebenfalls eine hohe Verantwortung für die Kinder und ihre frühkindliche Bildung, bei einem Monatseinkommen, das je nach Alter und Berufsjahren im Schnitt bei 2500 bis 3000 Euro brutto liege.