Neubau prüfen

Zukunft der Bonner Oper völlig offen

Bröckelnder Beton, veraltete Technik, mangelhafter Brandschutz - die Instandsetzung der Oper wird in den kommenden Jahren viele Millionen kosten. Über die Summe lassen sich Stadt und Theater noch nicht aus.

Bröckelnder Beton, veraltete Technik, mangelhafter Brandschutz - die Instandsetzung der Oper wird in den kommenden Jahren viele Millionen kosten. Über die Summe lassen sich Stadt und Theater noch nicht aus.

Bonn. Wie geht es mit der Bonner Oper weiter? Die Ratsmehrheit will einen Neubau prüfen lassen. Oberbürgermeister Ashok Sridharan spricht sich gegen einen Standort am Landesbehördenhaus aus.

Jetzt wird es spannend: Wird es möglicherweise einen Opernneubau geben? Und wenn ja, wo könnte er stehen? Was geschieht mit den Kammerspielen in Godesberg? Und was ist mit dem Standort des heutigen Operngebäudes? Kommt der Standort der sanierungsbedürftigen Godesberger Stadthalle, wie ihn CDU-Fraktionschef Klaus-Peter Gilles favorisiert, für einen Opernneubau überhaupt in Frage, weil die Stadthalle unter Denkmalschutz steht?

All diese Fragen muss die Stadtverwaltung nach dem Ratsbeschluss vom Donnerstagabend beantworten. Das Ergebnis, so legte es eine breite Mehrheit aus CDU, SPD und FDP fest, soll spätestens zum Sommer 2018 vorliegen. Sicherheitsrelevante Mängel in der Oper und den Kammerspielen sollen umgehend behoben werden.

Die Verwaltung hatte eine Instandsetzung von Oper und Kammerspielen vorgeschlagen und dafür vom Münchner Planungsbüro thea.pro eine Kostenprognose ermitteln lassen, die aktuell bei 109 Millionen Euro liegt. Starten sollten die Instandsetzungsarbeiten nach bisherigem Stand 2021.

Ob es dazu kommt, hängt davon ab, was der nun beschlossene Prüfauftrag ergibt. Ein Beschluss, der die Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP auf eine harte Probe stellt. Denn die Grünen haben sich klar gegen den Prüfauftrag positioniert und mit Linken, Bürger Bund Bonn (BBB) sowie Sozialliberalen und Allianz für Bonn (AfB) gegen entsprechende Änderungsanträge von SPD und CDU votiert. Da half kein Argument seitens der Bündnispartner.

„Mit dem Prüfauftrag erweitern wir doch nur unsere Entscheidungsgrundlage“, hatte Gilles erklärt. Werner Hümmrich (FDP) zeigte sich gar verwundert, „dass die Verwaltung angesichts der Instandsetzungskosten nicht von selbst auf die Idee gekommen ist, die Alternativen zu prüfen“. Doch die Grünen blieben bei ihrem Kurs: Mit einem eigenen Änderungsantrag versuchten sie, die Ratskollegen umzustimmen und forderten, das Opernhaus samt Werkstattbühne und Kammerspielen für die nächsten zehn Jahre zu ertüchtigen und erste Maßnahmen zur Instandsetzung bereits ab 2018 in Angriff zu nehmen.

Doch der Grünen-Antrag kam erst gar nicht zur Abstimmung

„Das Operngebäude hat eine prägende Wirkung auf die Stadt und ihre Silhouette. Dieses Haus dürfen wir, selbst wenn es nicht unter Denkmalschutz gestellt wird, nicht opfern“, sagte Fraktionssprecher Hartwig Lohmeyer. Doch der Grünen-Antrag kam erst gar nicht zur Abstimmung. Auch der Änderungsantrag des BBB nicht, der sich ebenfalls für die Instandsetzung der Oper aussprach und dafür eine Spielzeit lang das Opernhaus komplett schließen lassen wollte.

Einem am Freitag bekannt gewordenen Vorschlag aus der Bonner Kulturszene, auch das Areal des ehemaligen Landesbehördenhauses an der B 9 als Standort für einen Opern-Neubau mitzuprüfen, erteilte Oberbürgermeister Ashok Sridharan eine Absage. Das Areal sei ein wertvoller Bürostandort und sicher nicht für ein Opernhaus geeignet, ließ er über Stadtsprecherin Monika Hörig erklären. Vom Tisch ist auch die Überlegung, das einst für ein Festspielhaus reservierte Grundstück am Erzbergerufer in den Prüfauftrag einzubeziehen.

Wie der GA erfuhr, drohten dann der Stadt möglicherweise Regresskosten von bis zu 250 000 Euro. Wie berichtet, soll auf dem Areal neben der Beethovenhalle ein Hotel errichtet werden; 14 Investoren haben sich auf die Ausschreibung beworben.

„Ich bin sehr zufrieden mit dem Prüfauftrag“, sagte Sridharan dem GA am Freitag. Die zeitliche Vorgabe sei „sportlich“, aber die Verwaltung werde bis Sommer 2018 eine Machbarkeitsstudie mit Kostenschätzung vorlegen. Das Städtische Gebäudemanagement, das Kulturamt und die Spitze des Theaters Bonn sollen in der kommenden Woche das weitere Vorgehen abstimmen.