Zahl potenzieller Terroristen verdoppelt sich

Zahl islamistischer Gefährder im Großraum Bonn steigt rasant

Um Jugendliche vor islamistischen Demagogen zu schützen, sind Präventionsexperten zufolge mehr Beratungsangebote erforderlich.

40 als gefährlich eingestufte Salafisten leben in Bonn.

Bonn. Die Zahl der islamistischen Gefährder in Nordrhein-Westfalen ist im vergangenen Jahr erneut rasant gestiegen. Eine Hochburg bleibt der Großraum Bonn. Hier leben mit rund 40 von 211 knapp ein Fünftel aller in NRW als gefährlich eingestuften Salafisten.

Mit den jüngsten Zahlen, die in Sicherheitskreisen auf Anfrage des General-Anzeigers bestätigt wurden, müssen die Sicherheitsbehörden die Zahl der Gefährder einmal mehr nach oben korrigieren. Für das jahr 2015 war ihre offizielle Zahl in NRW noch mit 161 angegeben worden und ist somit binnen Jahresfrist um ein Drittel angewachsen. Besonders extrem fällt dabei der Zuwachs in Bonn und den umliegenden Landkreisen Umgebung aus.

Hier hat sich die Zahl der besonders radikalen Salafisten in einem Jahr von etwa 20 auf nunmehr 40 verdoppelt. Hinzu kommen noch 105 so genannte relevante Personen in NRW, davon etwa 15 in Bonn. Dies geht aus einem vertraulichen Lagebericht des Landeskriminalamtes (LKA) hervor. Das LKA wollte dazu keine offizielle Stellungnahme abgeben.

Bonn trauriger Spitzenreiter

Neben Bonn bilden Duisburg mit 27, Essen und Düsseldorf (je 16) sowie Köln (13) die weiteren Hochburgen im größten Bundesland. Wie die Zahlen belegen, hat sich die Zahl der erfassten Gefährder seit 2012 versiebenfacht. Etwa 60 Prozent von ihnen besäßen die deutsche Staatsbürgerschaft. Allerdings bedeutet die Zuordnung zu einem Polizeipräsidium nicht zwangsläufig, dass sie sich auch tatsächlich dort aufhalten. Einberechnet sind auch Personen, die derzeit im Ausland sind. Anhaltspunkte für Kontakte des Attentäters vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, in die Bonner Islamistenszene gibt es offenbar weiterhin nicht.

Der mutmaßliche Islamist, der vor wenigen Tagen in Essen festgenommen worden war, befindet sich unterdessen weiter in Untersuchungshaft. Der 32 Jahre alte Konvertit steht im Verdacht, möglicherweise einen Anschlag geplant zu haben, und wurde von den Sicherheitskräften beobachtet. Als er im Begriff war, sich Waffen zu besorgen, schritt die Polizei ein und nahm ihn fest.