Softwareumstellung bereitet Probleme

Universität Bonn kann Lieferanten nicht bezahlen

Die Bonner Universität muss wegen einer Software-Umstellung Rechnungen teilweise händisch begleichen und kommt mit dem Bezahlen nicht hinterher.

Die Bonner Universität muss wegen einer Software-Umstellung Rechnungen teilweise händisch begleichen und kommt mit dem Bezahlen nicht hinterher.

Bonn. Eine Software-Umstellung und Personalmangel führen zu Zahlungsschwierigkeiten der Universität Bonn. Ein Dienstleister wartet auf sein Geld und ist verärgert. Wie er sagt, ist er nicht der Einzige.

Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität ist zurzeit in Zahlungsschwierigkeiten. Grund ist allerdings nicht eine knappe Kassenlage: Die Universität schafft derzeit eine neue digitale Grundlage für die Verwaltung ihrer sämtlichen Ressourcen – vom Personal über die Anschaffung von Gütern bis hin zu den Finanzmitteln. Doch die SAP-Umstellung der Softwaresysteme seit Anfang des Jahres führt zu größeren Probleme als anfangs gedacht. Deswegen müssen viele Lieferanten seit Wochen auf ihr Geld warten. Das hat zu zahlreichen Beschwerden geführt, räumt Uni-Sprecher Andreas Archut auf Nachfrage des General-Anzeigers ein.

Rechnungen werden nicht beglichen

Ein Lieferant, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, berichtete dem GA, dass seine Rechnungen trotz mehrfacher Anfragen bislang nicht beglichen worden seien. Er wisse auch von zahlreichen weiteren Lieferanten und Dienstleistern, die ebenfalls schon seit Monaten auf ihr Geld warteten. „Bei manchen geht es richtig an die Existenz“, sagte der Mann. Was ihn obendrein ärgert: „Mahngebühren und Verzugszinsen zahlt die Universität ebenfalls nicht.“ Wenn vehement mit einem gerichtlichen Verfahren gedroht werde, zahle sie zwar, doch Verzugszinsen und entstandene Mahnkosten müssten eingeklagt werden, weiß er von anderen Firmen. „Es ist in der Tat so, dass solch eine Systemumstellung schwierig ist. Aber nun geht das ein halbes Jahr schon schief“, klagt der Unternehmer.

„Grundsätzlich ist die Universität dafür bekannt, dass sie ihre Rechnungen stets pünktlich und zuverlässig begleicht“, sagte Archut dem GA. Wegen des nicht reibungslosen Verlaufs der Software-Umstellung und obendrein eines Personalengpasses in den vergangenen Wochen gebe es jetzt in der Tat einen erheblichen Rückstau bei den Rechnungen, mithin werde nicht in der gewohnten Frist gezahlt.

Uni bittet um Verständnis

„Es stimmt, das ist natürlich für alle sehr ärgerlich“, sagte Archut. Die Universität habe aber alle betroffenen Firmen angeschrieben und um Verständnis gebeten. „Wir arbeiten die Rückstände mit Hochdruck auf, teilweise händisch und mit externer Unterstützung“, sagte der Uni-Sprecher. „Das Problem ist die Geschwindigkeit, nicht der Wille.“ Archut verwies darauf, dass die Universität aus diesem Problem auch kein Geheimnis mache. „Wir haben alle Mitarbeiter über die Probleme der Umstellung informiert, sie kriegen schließlich den Ärger der Firmen als Erste ab.“

Außerdem habe die Universität auf ihrer Homepage ein Interview mit Uni-Kanzler Holger Gottschalk veröffentlicht, in dem er offen diese Probleme benenne und um Verständnis werbe. Auf die Frage, ob Mahngebühren und Verzugszinsen gezahlt würden, antwortete Archut, dass die Universität all ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen werde. „Wir hoffen, dass sich die Lage in den kommenden Wochen deutlich entspannt.“

Einem Rundschreiben Gottschalks zufolge, das die Universität an die betroffenen Lieferanten und Dienstleister Anfang März verschickt hat, werden die Firmen mit dem Hinweis auf die Softwareproblematik gebeten, die Universität vorübergehend „aus den automatisierten Mahnstufen in Ihrem System“ zu nehmen und von Mahnungen abzusehen. Insgesamt hat die Uni laut Archut ein Haushaltsvolumen von 625 Millionen Euro im Jahr (ohne Medizinische Fakultät). Der größte Teil ist für die Personalkosten bestimmt, die allerdings vom Landesamt für Besoldung ausgezahlt werden. Ein dreistelliger Millionenbetrag stehe für Auftragsvergaben zur Verfügung.