Haltestelle Ollenhauerstraße

Tempo 50 auf der B9 in Bonn soll Schüler schützen

Bonn. Eltern des Friedrich-Ebert-Gymnasiums fürchten die Haltestelle Ollenhauerstraße. Sie haben jetzt erreicht, dass die Stadt dort das Tempolimit für Autofahrer reduziert hat.

Es bimmelt, zwei gelbe Leuchten gehen an, und schließlich fährt die Stadtbahn in die Haltestelle Ollenhauerstraße ein. Was für die Behörden als ausreichende Sicherung gilt, wird von denjenigen, die die Haltestelle regelmäßig nutzen, stark kritisiert.

„Es ist ein gefährlicher Bahnübergang, den täglich mehrere Hundert Schüler nutzen“, sagt Elisabeth Koch. Sie hat an einer erfolgreichen Initiative des nahe gelegenen Friedrich-Ebert-Gymnasiums mitgewirkt. Ergebnis: Das Tempo auf der B 9 ist von 70 auf 50 Stundenkilometer gesenkt worden. Zudem lassen die Stadtwerke den Übergang vergrößern.

Elisabeth Schnietz kann sich noch gut an den Tag vor rund zwei Jahren erinnern. Kurz vor Weihnachten war sie auf dem Weg von ihrem Büro nahe der Ollenhauerstraße nach Hause. „Da war dieser Junge, der am Übergang anhielt und nur nach rechts schaute“, erzählt sie.

Die von links anfahrende Bahn habe er gar nicht wahrgenommen. „Er machte einen Schritt nach vorne, ich konnte ihn gerade noch an der Jacke packen.“ Der Bahnfahrer klingelte und fluchte in seinem Führerhaus. Hätte Schnietz den Schüler nicht zurückgezogen, wäre er wohl von der Bahn erfasst worden.

„Hier wird wieder etwas Schlimmes passieren"

Als sie das erzählt und auf die gerade einfahrende Linie 66 blickt, bricht ihre Stimme für einen kurzen Moment. „Hier wird wieder etwas Schlimmes passieren, so wie mit dem Radfahrer, der gestorben ist.“ Im Mai war nach Rhein in Flammen ein junger Mann von der Bahn angefahren worden und erlag seinen schweren Verletzungen.

Es gibt viele Kritikpunkte bezüglich des Bahnübergangs. Einer davon ist die Signalwarnanlage. „Wenn die Autos an der Ampel stehen oder vorbeifahren, hört man das Piepen gar nicht mehr“, sagt Schnietz. Die gelben Warnleuchten, die abwechselnd aufblinken, seien leicht zu übersehen. Der Gleisübergang selbst ist zwar rot markiert, „aber das bringt bei der derzeitigen Ampelschaltung nichts“, erklärt sie.

Vor allem Ortsunkundige würden denken, dass sie, wenn die Fußgängerampel über die B 9 grün zeige, auch ohne Bedenken die Gleise queren könnten. „Es kommt aber regelmäßig vor, dass dann eine Bahn einfährt.“ Schnietz und andere halten deshalb eine Fußgängerschranke am Bahnübergang für sinnvoll, was laut den Bonner Stadtwerken aber den Bahnbetrieb verzögern würde.

Das Problem ist das Fassungsvermögen des Übergangs

Die Eltern der Friedrich-Ebert-Schüler haben bei Ortsbegehungen mit Stadt, Stadtwerken und Polizei noch eine andere Gefahr ausgemacht: Das Fassungsvermögen des Übergangs. „Bei mehr als zwei Fahrrädern und drei Personen mit Taschen, die die Straße und Bahn überqueren wollen, gibt es keine Sicherheit zur Bahnseite hin“, sagt Elisabeth Koch. Zumindest zur Straße hin sorgen Geländer für „Teilsicherheit“. Ist der Bereich zwischen Geländer und Bahnübergang voll, stauen sich die Passanten bis auf die Straße.

„Es ist bekannt, dass der Bahnübergang Ollenhauerstraße/B 9 (Stadtbahn) gerade zu Stoßzeiten sehr stark frequentiert ist“, heißt es von der Stadt Bonn. Er gilt – trotz des Unfalls nach Rhein in Flammen – nicht als Unfallhäufungsstelle. Im Mai hieß es deshalb, dass er „aktuell weder von der Stadt Bonn noch von den Stadtwerken weiter überprüft“ werde.

Es hatte wegen Beschwerden bereits Ortstermine mit der Bezirksregierung, der technischen Aufsichtsbehörde und den Stadtwerken gegeben. „Als Folge wurde das Geländer auf der Bergseite gekürzt und der zweite, nicht barrierefreie Zugang an der Bergseite geschaffen.“ Dann habe man den Verkehr wieder beobachtet: „Es wurden keine gefährlichen Situationen festgestellt.“ Bei einer weiteren Ortsbegehung im Juni sah es dann aber ganz anders aus. Zu Stoßzeiten sei der Aufstellbereich „völlig überfüllt“, einige Schüler hätten durch das Gedränge sogar die Straße betreten.

Tempolimit soll Verkehrsfluss nicht einschränken

Um die Situation zu entschärfen, hat die Stadt nun das Tempo an der B 9 auf 50 Stundenkilometer reduziert. Es gilt für einen Abschnitt von etwa 150 Metern rund um die Haltestelle, montags bis freitags zwischen 7 und 17 Uhr. Auf den Verkehrsfluss soll das kaum Auswirkungen haben. „Maßgeblich für die Frage, ob eine Grüne Welle funktioniert oder nicht, ist weniger die gefahrene Geschwindigkeit sondern der Abstand der Ampeln untereinander“, heißt es. Hinzu komme, dass die gefahrene Geschwindigkeit in verkehrsstarker Zeit ohnehin geringer sei, als die zulässige Höchstgeschwindigkeit.

Bald wollen die Stadtwerke mit einer weiteren Maßnahme nachziehen. Für rund 16.000 Euro wird laut Veronika John die Stellfläche auf der Rheinseite entlang der Gleise erweitert. „Dadurch ist zu den Stoßzeiten doppelt so viel Platz.“