Boom Festival in Bonn

Studentengruppen setzen sich ein

Bonn. 23 Bonner Hochschulgruppen stellen sich beim Boom Festival in der Campusmensa vor. Studenten berichten von ihren Aktivitäten.

Studierende und junge Leute beobachten Politik und Gesellschaft, sehen Missstände und engagieren sich, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Und das nicht erst sei Greta Thunberg. Vor 100 Jahren gründeten Studierende in Bonn den Verein Studentenwohl, aus dem das Studentenwerk Bonn entstand.

Über 90 studentische Gruppen listet der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) heute auf. Gemeinsam mit dem Studentenwerk organisiert der AStA jedes Jahr das Boom Festival und bietet Hochschulgruppen und Initiativen eine Plattform, um ihre Projekte vorzustellen. 23 Gruppen, die sich für Umwelt, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Bildung engagieren, kamen dieses Mal vor der Campusmensa Poppelsdorf zusammen.

Seit 2014 ist Silke Wahle Mitglied im Verein Arbeiterkind. Junge Leute. die als erste in der Familie ein Studium beginnen, bekommen dort Unterstützung. Bildung hängt in Deutschland noch immer von der Herkunft ab, davon ist Wahle überzeugt. Die Tochter von selbstständig arbeitenden Eltern ohne Studienabschluss bekam schon auf dem Gymnasium heftigen Gegenwind. „Mir wurde gesagt, ich würde nur so tun, als sei ich intelligent. Ich habe eingeredet bekommen, dass ich nicht studieren könnte“, erzählte sie.

Studenten setzen sich die Bildung anderer ein

Wahle trotzte dem Widerstand und den eigenen Zweifeln. Sie begann ein Jurastudium. Doch die soziale Ungleichheiten blieben für sie auch an der Universität weiter spürbar. „Vieles ist weniger selbstverständlich, wie zum Beispiel ein Auslandssemester. Man muss sich Dinge erkämpfen und sehr motiviert sein, um das zu schaffen“, so Wahle. Sie steht nun kurz vor dem Abschluss.

Die 21-Jährige Leonie Molitor ist noch ein Neuling im studentischen Engagement. Vor wenigen Wochen sprang sie auf den Gründungszug der Hochschulgruppe „mary's meals“ auf. Die Organisation setzt sich dafür ein, dass Kinder in ärmeren Ländern eine warme Mahlzeit in der Schule bekommen. Überall auf der Welt zeigt diese Maßnahme bereits Wirkung und Eltern schicken ihre Kinder in die Schule statt zum Arbeiten auf das Feld. Molitor findet, dass jedes Engagement von den Studierenden auch von der Uni und den Dozenten wertgeschätzt und unterstützt wird.

„Die freuen sich, wenn sie sehen, dass die Studierenden auch einen politischen Blick auf die Welt mitbringen“, so Molitor. In den nächsten Wochen besucht sie mit ihrer Gruppe Schulen in der Region. Gemeinsam mit Schülern schicken sie dann vollgepackte Schultaschen in Länder wie Malawi und Indien.

Studenten unterrichten Schüler ehrenamtlich

Jonathan Grunke ist erst 21 Jahre alt, aber bereits im Bundesvorstand des Vereins Studenten bilden Schüler. Er selbst war als Studienanfänger der Physik in Bonn zufällig auf die deutschlandweite Organisation aufmerksam geworden. Grunke begann, ehrenamtlich Schüler zu unterrichten, deren Familien sich die Gebühr für Nachhilfe nicht leisten konnten.

40 Studenten sind alleine in Bonn als Nachhilfelehrer für den Verein unterwegs. „Es war eine Herausforderung und hat Spaß gemacht, sich in junge Leute reinzuversetzen. Ihnen etwas zu erklären, bis sie es schließlich verstehen“, erzählte er. Oft sei die Nachhilfe der Ausschlag, damit Schüler doch noch das Klassenziel erreichen oder den Abschluss schaffen. „Wir sind nicht selten, so bekommen wir von Eltern erzählt, die letzte Rettung. Die Familien sind dafür wirklich sehr dankbar“, so Grunke.

Sich zu engagieren sei eine Möglichkeit, um praktische Erfahrungen zu sammeln und sich weiterzuentwickeln, sagte Lisa Oordt vom Kulturausschuss des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). Beim Boom Festival sollen sich auch die Gruppe untereinander kennenlernen und reinschnuppern, was der andere macht.