Bundespräsident

Steinmeier diskutierte mit Schülern in Bonn

Bonn. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist in diesen Tagen zu Gast in Bonn. Am Mittwoch war er unter anderem im Robert-Wetzlar-Berufskolleg an. Dort diskutierte Steinmeier mit Schülern über Bildung und Ausbildung.

Für diesen Tag hat sich Ahmad (22) extra in Schale geworfen: weißes Hemd und Anzug. „Den hat mir mein Deutschlehrer ausgeliehen“, sagt der junge Syrer und lacht. Ahmad ist ziemlich nervös. Gleich darf er mit Mitschülern des Robert-Wetzlar-Kollegs in der Schulaula vor Publikum und laufender Fernsehkamera ein Gespräch mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier führen. Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender sind auf Bonn-Besuch und machen am Mittwoch auch im Kolleg an der Kölnstraße Station, um mit jungen Erwachsenen – darunter viele mit Migrationshintergrund – über Bildung und Integration zu diskutieren.

Schon früh am Morgen wird klar: Es muss etwas ganz Besonderes in dem Kolleg stattfinden. Bewohner der benachbarten Mietshäuser stecken ihre Köpfe neugierig aus den Fenstern. Auf dem Schulhof parken jede Menge Polizeiautos. Im Gebäude sind die Beamten mit Spürhunden unterwegs. Wer in den Trakt der Aula Einlass finden will, wird vorher auf Herz und Nieren geprüft, und Polizeihunde stecken ihre Nase in jede Tasche. Ob Schüler, Lehrer oder Journalisten, herein kommt man nur, wenn man ein farbiges Bändchen am Handgelenk trägt – sozusagen als Nachweis, dass man vertrauenswürdig ist.

Schulleiterin Birgit Hufnagel ist aufgeregt und erfreut zugleich. „So einen hohen Besuch haben wir schließlich nicht alle Tage in unserem Kolleg“, sagt sie, als Bundespräsident Steinmeier mit seiner Frau und Oberbürgermeister Ashok Sridharan die Aula betritt. Einige der etwa 50 ausgewählten Schüler, die in den Zuhörerreihen sitzen, beäugen mit großem Interesse die Bodyguards, die mit Knopf im Ohr und wachsamen Augen sich in der Aula verteilen. „Das möchte ich auch mal machen“, flüstert einer der Jungen seinem Nachbarn ins Ohr.

„Ich bin gerne an diese Schule gekommen, weil ich weiß, dass hier sehr engagiert an der Integration von Menschen gearbeitet wird, die zu uns als Zuwanderer und Flüchtlinge gekommen sind“, sagt Steinmeier. Und weiter: „Eine Berufsausbildung ist die beste Grundlage, sich eine Zukunft in unserem Land aufzubauen.“ Elke Büdenbender sieht sich aufgrund ihres eigenen Lebenslaufs als Botschafterin der Dualen Ausbildung. Sie, die zunächst nur den Hauptschulabschluss erwarb, nutzte alle Weiterbildungsmöglichkeiten und arbeitete zuletzt als Verwaltungsrichterin, erzählt sie.

WDR-Journalistin Isabel Schayani moderiert

Im Gespräch mit Steinmeier und seiner Frau unter der Moderation der WDR-Journalistin Isabel Schayani kommt auch Hadis zu Wort. Der 19-Jährige ist mit seinem Bruder vor drei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet und erzählt im beinahe perfekten Deutsch über seine Ausbildung als Koch.

Dieses Video gehört zu einer Kooperation von GA und WDR.

Die Ausbildung ist kein Zuckerschlecken, aber sie macht ihm großen Spaß. Seine große Sorge: „Was geschieht mit mir, wenn ich fertig bin? Als nicht anerkannter Asylbewerber droht mir die Abschiebung.“ Steinmeier und Elke Büdenbender räumen ein, ja, diese Situation sei für viele Flüchtlinge bedrückend. „Aber wenigstens haben wir heute die Regelung, dass die Betroffenen eine Ausbildung machen können und auch danach noch zwei Jahre auf jeden Fall vor einer Abschiebung geschützt sind“, antwortet Steinmeier einer jungen Frau aus dem Publikum, deren Frage in die selbe Richtung zielt.

Kaffeetrinken mit Bürgern in der Villa Hammerschmidt

Ahmad absolviert eine vollschulische Ausbildung zum Kinderpfleger. „Warum das?“, fragt Büdenbender erstaunt. „Weil da Männer vermisst werden“, antwortet der 22-Jährige schlagfertig in ebenso gutem Deutsch wie Hadis. Sprache, macht OB Sridharan, deutlich, sei das A und O, um sich eine gute Zukunft aufbauen zu können. „Das gilt für alle“, sagt er und lobt das Berufskolleg für seine „hervorragende Arbeit“. Das Lob freut Hans Jürgen Böhme, Abteilungsleiter der Internationalen Klassen am Kolleg. „Allerdings müssen wir den Schülern immer wieder klar machen, es dauert, bis man die Sprache einigermaßen beherrscht“, sagt er. Ganz still wird es, als Ahmad auf die Frage Steinmeiers, was er sich am meisten wünsche, antwortet: „Ich möchte meine Eltern wiedersehen.“ Sie leben in Damaskus und halten mit ihren Söhnen seither nur übers Handy Kontakt.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen in der festlich eingedeckten Schulmensa, wo Rinderbraten mit Kartoffelbrei aufgetischt wird, geht es für den Bundespräsidenten und seine Frau weiter: Kaffeetrinken mit Bürgern im Bonner Amtssitz Villa Hammerschmidt steht auf dem Programm. Am Morgen hatte Steinmeier im Haus der Geschichte mit Studenten über 70 Jahre Grundgesetz diskutiert.