Ein Besuch

So lebt es sich auf dem Hochbunker in Poppelsdorf

Bonn. Seit 13 Jahren lebt Ira Storck auf dem Hochbunker an der Trierer Straße. Zwei Stollen führen in den Kreuzberg hinein. Eine Bestandsaufnahme.

„Wir haben schon endlos viele Konzepte vorgestellt“, sagte Ira Storck, die seit 2006 eines der beiden Häuser auf dem Hochbunker an der Trierer Straße bewohnt. Mit ihrem Mann, sechs Katzen, einem Hund und einer Schildkröte ist sie jedoch überaus glücklich, hoch über den Dächern Poppelsdorfs, mit weitem unverbaubarem Blick über Bonn zu wohnen. „Es fehlt nur noch das Meer zum Paradies“, sagt Storck. „Die Entscheidung haben wir zu keinem Moment bereut“. Obwohl die Eventmanagerin, Haus- und Bunkerbesitzerin mit ihren vielen Vorschlägen, wie man die 850 Quadratmeter brachliegende Bunkerfläche nutzen und öffentlich zugänglich machen könnte, immer wieder am Denkmalschutz oder an städtischen Einschränkungen gescheitert ist.

Ein mehr als drei Jahre dauernder Prozess lenkte Storck jedoch von ihren Zukunftsplänen ab. „Das hat nicht nur Zeit und viel Geld, sondern auch Nerven gekostet“, sagte sie: Das Flachdach ihres knapp 200 Quadratmeter großen, zweigeschossigen Bungalows wurde undicht. „Beim Entfernen des Unkrauts auf dem mit elf Tonnen Kies belegten Dach stellte mein Mann fest, dass es sich irgendwie schwammig anfühlte“, so Storck. Das vermeintliche Betondach war aus Holz gezimmert, das langsam vor sich hin moderte. Der Bauträger hatte sich aus „statischen Gründen“ für eine leichtere Dachkonstruktion entschieden. Eine zehn Zentimeter klaffende Lücke in einer Folienabdichtung ließ jahrelang Wasser ins Gebälk laufen. Doch „Ende gut, alles gut“: Storck gewann den Prozess, das Haus erhielt ein neues Dach.

So ging es wieder darum: „Was machen wir mit dem Bunker?“ Eine EDV-Firma, die zuletzt ein Rechenzentrum in den 44 Meter tief in den Kreuzberg getriebenen Stollen untergebracht hatte, war wieder ausgezogen. Alle Versuche, mit Kunstausstellungen oder Aktionen, als Eventlocation oder Escape-Room die bezugsbereiten Räumlichkeiten zu nutzen, schlugen fehl. Entweder wurde befürchtet, dass der Publikumsverkehr die Anwohner der Trierer Straße stören könnte, oder die Planungen wurden mangels Brandschutz oder fehlender Fluchtwege abgelehnt. Der mit Poppelsdorf vielfach verbundene Architekt Ralph Schweitzer brachte es auf den Punkt: „Der Bunker ist eine gigantische Mausefalle.“ Es gibt nur die beiden Eingänge zur Straßenseite. Ansonsten ist der Bau mit seinen bis zu 4,70 Meter dicken, stahlarmierten Betonwänden nahezu undurchdringlich. „Das hat bisher sogar Einbrecher abgeschreckt“, so Storck. Auch die vermeintlichen Geheimgänge, die den Kreuzberg durchdringen und zu unbekannten Ausgängen führen sollen, sind noch nicht gefunden. Baupläne zum Bunker existieren nicht.

Der Hochbunker als Männer-WG

Eine erste Bestandsaufnahme hat Schweitzer angefertigt. Für ihn die Basis, seine Planungen von zwei luxuriösen Eigentumswohnungen in dem Bunker realisieren zu können. Mit Spezialfirmen sollen Lichtöffnungen in die Wände gesägt werden und Glaskuben auf dem Eingangsvorbau für viel Licht im Inneren sorgen. Interessenten gibt es bereits. Lage und Aussicht sind exklusiv. Nicht ganz so exklusiv wurde der Hochbunker ab 1948 für einige Jahre als studentische Männer-Wohngemeinschaft genutzt. Man lebte in Ein- oder Zweibettzellen in den Stollen. Heute macht das Innere einen gepflegten Eindruck. „Besenrein“ hat das Technische Hilfswerk die Anlage nach jahrzehntelanger Nutzung verlassen. Während sich vom Eingang aus zwei leer geräumte Stollen in den Berg bohren, erreicht man über ein Treppenhaus die beiden darüber liegenden Stockwerke, in denen unzählige mit Türen versehene Räume zu finden sind. Strom, Wasser und die gigantischen Lüftungsanlagen funktionieren noch. Bei Stromausfall kann die Belüftung über Handkurbeln garantiert werden.

Ältere Poppelsdorfer werden sich noch an notwendige Aufenthalte in dem Bunker erinnern können. Heute gehört er Storck und ihren Nachbarn. „Doch mehr als die laufenden Kosten zahlen zu müssen, haben wir im Moment nicht davon“, sagte sie. Gerne würde sie auch dafür sorgen, dass die besprayte Fassade ansehnlicher wird: „Es ist nicht schön, täglich mit den Penissen an der Fassade konfrontiert zu sein.“ Sie resigniert davor, dass man ihr jegliche Verschönerung verbietet, die nicht dem ursprünglichen sandfarbenen Grundton entspricht.

Interessenten für die Bunkernutzung können sich an Ira Storck wenden: storck@storck-event.de, 0228/ 2803580.