Niedrigwasser in Bonn und der Region

So eingeschränkt sind Ausflugsschiffe auf dem Rhein

Event an Bord der MS RheinEnergie in Bonn.

Event an Bord der MS RheinEnergie in Bonn.

Bonn. Das Niedrigwasser im Rhein wirkt sich seit Wochen auch in Bonn und der Region aus, unter anderem auf die Ausflugsschifffahrt. Damit der Pegel wieder auf Normalniveau kommt, müsste es regnen - und zwar nicht zu knapp.

Die Hauptsaison ist für die Schifffahrt auf dem Rhein Ende Oktober zwar zu Ende gegangen - doch die Probleme, die das Niedrigwasser den Schiffen seit Monaten bereitet, sind vielfach geblieben: Anlegestellen sind wegen des niedrigen Pegelstandes nicht anfahrbar, Fahrten müssen umstrukturiert werden, manche fallen gar ganz aus. Eines ist allen Schifffahrtsgesellschaften in Bonn und der Region gemein: die Hoffnung auf Regen - und zwar viel davon.

Hart getroffen hat das Niedrigwasser die Bonner Fähr- und Fahrgastschiffahrt (BFF), die Rheinfahrten mit der Moby Dick anbietet und zudem die Rheinnixe zwischen Bonn und Beuel betreibt. Letztere kann schon seit Anfang August nicht mehr fahren, was für die BFF laut Geschäftsführer Max Dornau "enorme Einbußen" bedeutet. "Wir mussten deswegen leider bereits Personal kündigen", sagte Dornau dem GA. Er hofft auf eine bessere Wintersaison, denn in der fährt die Moby Dick nur ihre Rundfahrten zwischen Bonn und Königswinter, wo sie nicht anlegt. "Da haben wir also zum Glück keine weiteren Einschränkungen", so Dornau.

Walter Schmitz arbeitet im Sommer mit der Bonner Personenschifffahrt (BPS) und befährt im Winter mit seiner eigenen Firma Bonntourist Personenschiffahrt Schmitz mit der Poseidon den Rhein. "Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir Niedrigwasser in Bonn haben", sagt Schmitz mit der Gelassenheit des erfahrenen Kapitäns, räumt jedoch ein: "Dass es so lange in den Herbst hineingeht, ist schon ungewöhnlich."

Auch die Personenschifffahrt Siebengebirge (PSS) führt ihre Rundfahrten nach wie vor trotz des Niedrigwassers durch. Der Grund: Ihre Schiffe gehen nicht so tief ins Wasser wie etwa die der Köln-Düsseldorfer, nur 1,20 Meter statt 1,60 Meter. "An den kritischen Stellen, wo das Wasser besonders niedrig ist, fahre ich dann eben langsam und vorsichtig", erklärt Bernd Münz, der im Aufsichtsrat der PSS sitzt und unter anderem die MS Godesia über den Rhein steuert. Im Sommer habe es bereits deutliche Einbußen durch das Niedrigwasser gegeben.

Kabinenschiffe können nicht mehr in Bonn anlegen

Einige Stellen in Bonn und der Region können seit Wochen nicht mehr angefahren werden: Bernd Münz nennt das Bundeshaus, Plittersdorf, Dollendorf, Mehlem und Bad Honnef. Die Gesellschaften weichen deshalb auf andere Anleger wie die Kennedybrücke oder Bad Godesberg aus. Die BPS kann laut Sprecherin Andrea Vogel von Bonn aus normal fahren, nur ein Charter musste zum Brassertufer verlegt werden.

Erhebliche Einschränkungen muss jedoch bereits seit dem Sommer die Kabinenschifffahrt hinnehmen: Bis auf eine kurze Phase, als der Rheinpegel kurzfristig wieder angestiegen war, können die Kabinenschiffe nicht mehr an Anleger Nr. 17, der Beethovenhalle in Bonn, anlegen. "Das ist für uns ein Totalausfall", so Vogel. "Und es dürfte sich auch auf die Besucherzahlen auf dem Weihnachtsmarkt auswirken", glaubt sie: Viele Passagiere nutzen normalerweise die Gelegenheit, dort vorbeizuschauen. Stattfinden könne hingegen die Silvesterfahrt: "Da können wir die Anlegestelle innerhalb Bonns von der Beethovenhalle zum Brassertufer verlegen", erklärt die Sprecherin.

Nicht ablegen wiederum können derzeit viele Schiffe der Köln-Düsseldorfer (KD): Sie führt bis auf Weiteres alle Veranstaltungen in Köln nur noch "liegend" aus, das heißt die Schiffe legen nicht ab. "Bei unserem Adventsprogramm steht aber das Entertainment im Vordergrund und nicht die Rundfahrt", betont Sprecherin Nicole Becker gegenüber dem GA. Weil die nächtliche Rundfahrt entfallen muss, dürfen die Gäste aktuell eine Stunde länger feiern. In Bonn und der Region bietet die KD kein Adventsprogramm an. Der Sommer war für die Köln-Düsseldorfer alles andere als unerfreulich verlaufen, wie Becker sagt: "Durch das anhaltend schöne Wetter hatten wir deutlich mehr Gäste als im Jahr zuvor."

Dann wird es noch schlimmer werden

Statt auf schönes Wetter hoffen die Schifffahrtsgesellschaften nun aber auf Regen - und zwar möglichst viel davon, so Bernd Münz von der Personenschifffahrt Siebengebirge: "Wenn jetzt nicht bald viel Niederschlag kommt, sehe ich für kommendes Jahr schwarz: Dann wird es noch schlimmer werden."

So dürfte ihn der Blick aus dem Fenster aktuell erfreuen, denn die Wetterexperten haben für die kommenden Tage in Bonn und der Region Regen angekündigt. Am Freitag lag der Rheinpegel in Bonn jedoch bei nur 90 Zentimetern. Bis Mitte Dezember bleibt das Niedrigwasserextrem noch erhalten. In den nächsten Wochen muss es laut Bundesanstalt für Gewässerkunde demnach viel Regen geben, damit im Januar zumindest kurzzeitig ein einigermaße normaler Pegel erreicht wird.

Die genauen, notwendigen Regenmassen lesen Sie hier.