Von Floerke

Polizei kontrolliert David Schirrmachers Waffen

Von-Floerke-Gründer David Schirrmacher.

Von-Floerke-Gründer David Schirrmacher.

Bonn. Der Bonner Jungunternehmer David Schirrmacher hat sich mit seiner Firma von Floerke vom Wunderknaben zum Enfant Terrible der Start-up-Szene entwickelt. Drastische Verkaufsshows mit Alkohol und Waffen sollen den Umsatz ankurbeln. Das rief nun die Polizei auf den Plan.

David Schirrmacher hat fast jeden Abend Tausende Zuschauer. Online, im sozialen Netzwerk Facebook. Während er im Live-Stream vor der Kamera sitzt, betrinkt er sich mit Wein und Hochprozentigem, packt seine Waffen aus. Er redet über Investor Frank Thelen, der ihn im Stich gelassen haben soll. Er gibt Einblicke in sein Unternehmen von Floerke, spricht offen über eine drohende Insolvenz. Er beschimpft aber auch eine Bloggerin, die aus seiner Sicht eine „Feministin“ ist und ermuntert seine Zuschauer, ihr „Nachrichten zu schicken“. Um das Geschäft anzukurbeln, gibt es dann noch einen Rabatt in seinem Online-Shop: mit dem Gutschein „Schlampe40“.

Die abendlichen Dauerwerbesendungen sind Schirrmacher aber nun zum Verhängnis geworden: Am Donnerstagmittag durchsuchte die Bonner Polizei seine Wohnung – weil er in einem Video wiederholt mit echten Waffen hantiert hatte. Kriminalpolizisten und Mitarbeiter der Waffenbehörde kontrollierten nach GA-Informationen, ob eine Gefahrenlage für die Öffentlichkeit bestehe. Schirrmacher wurde zwar nicht persönlich angetroffen. Das Recht, die Waffen zu überprüfen haben die Beamten dennoch.

Auslöser war eine Anzeige bei der Bonner Polizei, die ein Bürger gestellt hatte, nachdem dieser Schirrmachers Videos gesehen hatte. „Alles war angemeldet und der Waffenschrank verschlossen. Die Berechtigung zum Führen der Waffen ist vorhanden“, sagt Polizeisprecher Robert Scholten. Man habe keine Verstöße gegen das Waffenrecht feststellen können. Allerdings werde man nun prüfen, ob die „waffenrechtliche Zuverlässigkeit“ noch gegeben sei.

Denn auch wenn viele von Schirrmachers Zuschauern die Sendungen bejubeln, gibt es auch solche, die sich sorgen. „Als Bonner Bürger ist mir nicht wohl bei dem Gedanken, dass eine derart labile Person im Besitz von Schusswaffen ist“, schreibt der Anzeigensteller in einem Brief an die Polizei, der dem General-Anzeiger vorliegt. David Schirrmacher selbst bezeichnet seine Unterhaltungsshows als Guerilla-Marketing – immer auch mit einer gewissen Ironie. Als sein Unternehmen in Schieflage geraten war – unter anderem wegen ausbleibender Lieferungen an seine Onlinekunden – verabschiedete er sich provokant: am Flughafen, mit der Andeutung, sich nun abzusetzen. Dazu gab es wie immer einen Rabattcode. So wie auch am Mittwochabend, als er eine Handfeuerwaffe reinigte und sich Waffenöl in den Drink träufelte. Mit der Ginflasche am Mund feuerte er mehrmals mit der ungeladenen Pistole in die Luft. „Colt38“ brachte den Kunden 38 Prozent Rabatt ein.

Nach Schirrmachers Angaben laufen die Geschäfte „gut“. Die Sendungen sorgen angeblich für Umsatz, auch wenn die Zuschauerzahlen des Von-Floerke-TV-Shoppings abnehmen, je länger sie dauern. Er bleibt kreativ und lenkt die Aufmerksamkeit mit immer neuen Ideen auf sich: Seinen teilfinanzierten, roten Porsche Cayman GTS Sportwagen verkauft Schirrmacher als „Insolvenzretter“ bei Ebay, Startgebot 59.000 Euro. Für 10.000 Euro mehr kann man ihn sofort kaufen.

Nach demselben Schema sind im Onlineshop „Supportboxen“ erhältlich, in denen verschiedenen Waren enthalten sind. Mal heißen sie „Insolvenzbox“, mal „Peta Supportbox“ (in der Fleisch enthalten ist) oder auch „Frank Thelen muss raus-Box“. Vor allem auf Thelen hat Schirrmacher sich eingeschossen. Neben Fotomontagen von Filmplakaten, in denen Schirrmacher Thelen beispielsweise in einem Rollstuhl herumfährt, hat er sogar ein Raplied veröffentlicht. Der Inhalt: Thelen lüge und solle endlich das Unternehmen Von Floerke verlassen. Zumindest das hat Schirrmacher nun erreicht. Ob er mit seiner aggressiven Marketingstrategie seiner Firma das Überleben ermöglicht oder der Marke von Floerke den endgültigen Todesstoß versetzt, darüber gibt es in Branchenkreisen höchst unterschiedliche Einschätzungen.