Kommentar zu den Hofgartenkonzerten

Nicht professionell

Werbung für Beethoven 2020 bei der ITB in Berlin.

Werbung für Beethoven 2020 bei der ITB in Berlin.

Nach einem überraschenden Personalwechsel an der Spitze musste sie jetzt auch noch eine Ausschreibung für die Hofgartenkonzerte im kommenden Jahr aufheben. Das läuft alles nicht professionell, meint GA-Redakteur Dylan Cem Akalin

Zuversicht, das ist, was wir in Bonn brauchen. Vertrauen in die Zukunft, dass alles schon irgendwie gut ausgehen wird. Wünschenswert wäre indes mehr Professionalität. Und es geht ausnahmsweise nicht um die Sanierung der Beethovenhalle, sondern um die Ausrichtung eines besonderen Geburtstages. Beethoven wird 250 Jahre alt, und Bonn bekommt es nicht hin, die Geburtstagstorte rechtzeitig auszuliefern. Das wäre (wieder mal) eine Riesenschlappe und ein Imageverlust, den sich die Bundesstadt nicht leisten kann.

Zurzeit sieht es so aus, als würden zwar eine ganze Reihe von Veranstaltungen so irgendwie funktionieren. Man gibt sich auch Mühe, ohne die Beethovenhalle als Konzertsaal auszukommen, erwägt sogar die Nutzung des trockengelegten Viktoriabads für das Beethovenfest. Aber was ist mit dem „Feuerwerk“, von dem der Oberbürgermeister so gerne spricht? Wo sind die zündenden Ideen, um aus dem Jubiläumsjahr für einen der größten Komponisten unserer Zeit auch ein Fest für alle zu machen? Schade, dass Freddie Mercury und Montserrat Caballé nicht mehr unter uns weilen. Sie hätten sich ein Duett geschnappt und Bonn in Grund und Boden gesungen.

Genau ein Jahr ist noch Zeit, um auf dem Hofgarten acht geplante Großereignisse auf die Bühne zu bringen. Und Sponsoren wie die Telekom gibt es auch, um Weltstars nach Bonn zu holen – „sofern die Rahmenbedingungen stimmen“, sagt der Sponsoringchef bei der Telekom. Diesen Teilsatz hören wir auch bei anderen Veranstaltern und Interessenten, die namentlich nicht genannt werden wollen.

Versemmeln die Stadt und die Jubiläumsgesellschaft das nächste Projekt? BTHVN 2020 sei keine kommunale Einrichtung, sagt Ashok Sridharan, sondern eine Tochtergesellschaft der privaten Stiftung Beethoven-Haus. Mag sein. Aber da werden immerhin 30 Millionen Euro Steuergelder für den Jubiläumsreigen verwaltet. Wie kann es sein, dass offenbar die Ausschreibung für Bühne und Logistik so mangelhaft waren, dass sie aufgehoben wurde? Man wolle jetzt die Auswirkungen „sondieren“, heißt es. Wie peinlich.

Es sei dahingestellt, ob Christian Lorenz der richtige Mann für den Posten des künstlerischen Leiters war. Aber was qualifiziert den Leiter des Beethovenhauses, solch ein Megaereignis zu planen? Hoffentlich werden wir eines Besseren belehrt.