Moslems in Bonn

Neues Bonner Bad soll Vorhang für Musliminnen bekommen

Eine Schülerin im Ganzkörper-Badeanzug: In Bonn gibt es spezielle Badezeiten für muslimisches Frauenschwimmen.

Eine Schülerin im Ganzkörper-Badeanzug: In Bonn gibt es spezielle Badezeiten für muslimisches Frauenschwimmen.

Bonn. Die Stadt will auch im neuen Bad in Dottendorf das geschlechtergetrennte Angebot fortführen. Bisher trainiert der Verein Al Hilal samstags im Frankenbad.

Auch im neuen Schwimmbad in Dottendorf soll es muslimisches Frauenschwimmen geben. Das bestätigte die Stadtverwaltung jetzt auf eine Einwohnerfrage, die am kommenden Dienstag in der Bezirksvertretung Bonn auf der Tagesordnung steht. Muslimisches Schwimmen gibt es in Bonner Bädern bereits seit einigen Jahren, angeboten wird es bislang in Kooperation mit dem Sportverein Al Hilal samstags nachmittags bis abends im Frankenbad. Der Andrang der Besucherinnen ist hoch.

Im neuen Schwimmbad würden Vorkehrungen getroffen, um die Glaswände zwischen Familienbad und Schul- und Sportbad sowie dessen Glasfassaden temporär mit Vorhängen versehen zu können, heißt es seitens der Stadt. Noch im November hatte eine andere Einwohnerfrage unter Verweis auf die transparente Architektur des neuen Bades die These aufgeworfen, die muslimischen Gruppen würden Alternativen in der Region suchen. Im Franken- und im Kurfürstenbad hatte das männliche Badpersonal während des Frauenschwimmens andere Arbeiten verrichtet. Die Aufsicht übernahmen derweil Vertreter von Al Hilal. So könnte es auch künftig sein.

Weite Teile der Kommunalpolitik unterstützen die Fortführung im Wasserland. Als exemplarisch kann die Aussage von Werner Hümmrich (FDP) angesehen werden: „Wir wollen keine Gruppe von der Schwimmbadnutzung ausschließen und uns damit auch den gesellschaftlichen Anforderungen stellen.“ Das Schwimmbad werde extra so gestaltet, dass ein geschlechtergetrenntes Schwimmen angeboten werden kann. Dies, so Hümmrich, sei eine politische Anforderung gewesen.

Ähnlich äußert sich Wolfgang Maiwaldt, Chef der CDU-Bezirksfraktion: „Unser neues Schwimmbad soll und wird ein Schwimmbad für alle sein.“ Für die Sozialdemokraten sagt deren Fraktionssprecher Michael Maser: „Die SPD-Fraktion erwartet, dass die Schwimmangebote im neuen Zentralbad nicht hinter denen von Kurfürstenbad und Frankenbad zurückbleiben. Daher begrüßen wir die Maßnahmen der Verwaltung.“ Und auch die Grünen zeigen sich aufgeschlossen. Unter Umständen, so gibt Ratsfrau Angelika-Maria Kappel zu bedenken, könnte aber auch eines der alten Bäder genutzt werden.

Bürger Bund Bonn lehnt geschlechtergetrenntes Schwimmen ab

Der Bürger Bund Bonn (BBB) hingegen lehnt geschlechtergetrenntes Schwimmen klar ab. „Die religiös intendierte Abgrenzung von Frauen steht deren Teilhabe am gesellschaftlichen Leben im Wege, ist vor allem mit Blick auf deren Kinder nicht sinnvoll“, sagt Fraktionssprecher Marcel Schmitt. Er frage sich, wie man die gerichtlich bestätigte (zwingende) Teilnahme am Schulschwimmen für islamische Mädchen rechtfertigen wolle, wenn man die Abgrenzung von Frauen unterstützte, so Schmitt. „Eine Förderung von Parallel- oder Konträrgesellschaften über städtische Schwimmangebote sollte in der Bundesstadt nicht stattfinden“, sagt er.

Doch Bonn ist bei Weitem nicht die erste oder einzige Stadt, in der es Schwimmangebote für muslimische Frauen gibt. Und anders als beispielsweise in Hannover oder Freiburg, wo im vergangenen Jahr Konflikte ums Frauenschwimmen für Moslems aus unterschiedlichen Gründen eskalierten, sind solche Auseinandersetzungen in Bonn bislang ausgeblieben. Gleichwohl gibt es auch hier Stimmen, die das Angebot grundsätzlich kritisch sehen.

Ausgangspunkt ist dabei die Frage, inwieweit die Geschlechtertrennung in ein westliches Land des frühen 21. Jahrhunderts passt. Die Abgrenzung der Frauen hinter verschlossenen Vorhängen widerspreche dem Grundsatz der Gleichberechtigung, sei ein indirektes Zeichen der Unterdrückung und ein Zugeständnis gegenüber der konservativen Auslegung des Islam und damit scharia-konformen Strukturen; falsch verstandene Toleranz trage zur Spaltung der Gesellschaft bei, so Argumente der Kritiker.

Interesse an Schwimmkursen groß

Auch die Absenderin der Einwohnerfrage, eine Bonnerin aus der Nordstadt, hält es für möglich, dass das Angebot in Bonn zum Anziehungspunkt für strenggläubige Moslems aus dem gesamten Umland werden könnte, denn längst nicht jedes Bad sei baulich dazu geeignet. „Ich sehe darin eher ein Parallelangebot als gelebte Integration. Schließlich nutzen auch sehr viele Muslime das reguläre Badeangebot“, sagt sie. Die Sichtweise des Sportvereins Al Hilal ist eine andere: Man stehe insofern für Integration, als man mit dem zielgruppenspezifischen Angebot für viele Bonner mit Migrationsgeschichte „eine Alternative zu den vorhandenen sportlichen Strukturen“ biete, so der Verein.

Damit berührt er ein weiteres Argument, das von den Befürwortern des Frauenschwimmens ins Feld geführt wird – dass nämlich das Angebot ein Beitrag zu Teilhabe und Emanzipation sei. Bonns Integrationsbeauftragte Coletta Manemann formuliert es so: „Vorteil dieser Kurse ist, dass religiöse Frauen teilnehmen können, die ohne dieses Angebot kein Schwimmbad aufsuchen würden.“ Der Integration schadeten diese Schwimmangebote aber nicht. „Im Gegenteil“, sagt Manemann, die darauf verweist, dass das Interesse an Schwimmkursen unter muslimischen Frauen groß sei. Und: „Ich erlebe oft, dass Frauen, die sich aktiv ums Schwimmen kümmern, auch sonst großes Interesse an gesellschaftlicher Teilhabe zeigen, gerade auch für ihre Kinder und Familien. Diese Angebote sollten daher nach Möglichkeit erhalten bleiben.“

Ganz anders hingegen sieht es die Soziologin und Frauenrechtlerin Necla Kelek. Gerade muslimische Mädchen und Frauen sollten sich das Recht nehmen, schwimmen zu lernen – denn Schwimmen sei Teil der Freiheit, sagt die Kritikerin des politischen Islam gegenüber dem General-Anzeiger. Spezielle Schwimmzeiten nur für muslimische Frauen einzurichten, lehnt sie jedoch strikt ab: Das, so Kelek, sei „Apartheid und eine Idee der konservativen Islamverbände, die die Herrschaft der Männer über Frauen wahren“.

Mit demselben Argument, dass die Reize der Frau nur dem eigenen Mann gehörten, werde das Verhüllen der Frau in der Öffentlichkeit vertreten. Man wolle die Gesellschaft Schritt für Schritt spalten in Gläubige und Ungläubige. Für Necla Kelek ist das nicht hinnehmbar: Das sei der politische Islam, der sich in Frauen im Burkini ebenso manifestiere wie die Ächtung von Schweinefleisch. Eine Aussage, die zeigt, wie tief der Graben zwischen den unterschiedlichen Positionen weiter ist.