Fall Niklas Pöhler

Neuer Tatverdächtiger sitzt bereits in Haft

Walid S. (blaues Hemd) und Roman W. (schwarze Jacke) mit ihren Verteidigern beim Prozessauftakt.

Roman W. (rechts) rückt weiter in den Fokus der Ermittlungen, Walid S. (2.v.l.) könnte entlastet werden.

Bonn. Überraschung am 13. Verhandlungstag im Fall des getöteten Niklas Pöhler: Eine 19-jährige Zeugin entlastete den Hauptangeklagten Walid S.. Ein anderer Tatverdächtiger könnte nun in den Fokus geraten.

Am Freitagmorgen, dem 13. Verhandlungstag im Prozess um den gewaltsamen Tod des 17-jährigen Niklas Pöhler, sorgte die Aussage einer 19-jährigen Zeugin für eine große Überraschung. Sie entlastete Walid S. und benannte stattdessen einen 22-Jährigen als Haupttäter. Die 19-jährige sagte am Freitag aus, vor wenigen Tagen mit einem 26-jährigen Bekannten gesprochen zu haben, der im Verlaufe des Prozesses schon als Zeuge gehört wurde.

Dieser habe ihr berichtet, dass er vor Gericht nicht die Wahrheit gesagt habe. Er habe den tätlichen Angriff auf Niklas Pöhler beobachtet und auch die Angreifer erkannt. Walid S. habe nicht dazu gehört. Der Mitangeklagte Roman W. sei jedoch am Angriff beteiligt gewesen. Der Haupttäter ist nach seiner Schilderung, so die 19-jährige Zeugin am Freitag, ein 22-Jähriger, der zu Beginn der Ermittlungen schon einmal im Fokus stand.

Warum der Zeuge vor Gericht falsch aussagte, erklärte die 19-Jährige ebenfalls: Demnach habe der 22-jährige, neue Tatverdächtige den Zeugen im Vorfeld seiner Aussage massiv bedroht. "Er sagte, dass er meinem Bekannten bei einer Aussage gegen ihn eine Kugel zwischen die Augen verpassen würde", so die 19-Jährige, die in keinerlei Verbindung zu Walid S. steht.

Die Zeugin hatte sich beim Anwalt des Hauptangeklagten gemeldet. Sie war aber nach eigener Aussage nicht am Tatort, als der 17 Jahre alte Niklas Pöhler im Mai 2016 angegriffen wurde. Auch der Mann, den die 19-Jährige für schuldig hält, hatte schon im Zeugenstand gesessen. Er hatte seine Aussage damals jedoch verweigert. Der 22-Jährige sitzt aktuell in Strafhaft. Er sollte eigentlich im Sommer 2016 vor Ende seiner regulären Haft in seine Heimat Tunesien abgeschoben werden. Doch da er nach wie vor als möglicher Beschuldigter im Fall Niklas galt, hat die Bonner Staatsanwaltschaft bisher die Genehmigung zu dessen Abschiebung noch nicht erteilt – und wird sie erst mal auch nicht erteilen.

Im Anschluss an die überraschende Aussage der 19-jährigen Zeugin hat das Gericht die Polizei beauftragt, den 26-jährigen mutmaßlichen Augenzeugen der Tat zu suchen und unverzüglich ins Gericht zu bringen, um ihn erneut zu vernehmen. Doch nach mehreren Stunden kommt die Nachricht: Die Polizei hat den 26-jährigen mutmaßlichen Augenzeugen nicht aufspüren können.  Er war vom Jugendschwurgericht bereits am 22. Februar als Zeuge gehört worden und hatte damals erklärt, die Tat selbst nicht gesehen zu haben. Allerdings hatte er auch da schon geschildert, dass er den Mitangeklagten Roman W. und den nun als möglichen Haupttäter ins Visier geratenen 22-Jährigen in Tatortnähe gesehen habe, und Roman W. ihn gewarnt habe: Er solle nicht zum Rondell gehen, da komme gleich die Polizei.

Nun soll der 26-Jährige so bald wie möglich vernommen werden.