Grundstein für Bürokomplex gelegt

"Neuer Kanzlerplatz" in Bonn wächst auf 101 Meter

Bonn. Art-Invest hat den Grundstein für den Neubau auf dem Areal des ehemaligen Bonn-Centers gelegt. Am "Neuen Kanzlerplatz" entsteht ein dreiteiliger Komplex mit einem 101 Meter hohen Hochhaus.

Auf dem Gelände des ehemaligen Bonn-Centers zwischen Reuterbrücke, B 9 und Straßburger Weg wächst Bonns derzeit wohl größte gewerbliche Baustelle. Am Freitag war Grundsteinlegung für den Bürokomplex auf dem Areal des im März 2017 gesprengten Hochhauses. Keine 500 Meter Luftlinie entfernt feierte zur selben Zeit Angela Merkel den 25. Geburtstag des Hauses der Geschichte. Die Kanzlerin hätte der Projektentwickler Art-Invest Real Estate als Ehrengast gern dabei gehabt, wie Geschäftsführer Arne Hilbert augenzwinkernd verriet. Schließlich firmieren die künftigen Mieter der Neubauten doch an feinster Adresse: Am Bundeskanzlerplatz.

So lag es auf der Hand, das dreiteilige Neubau-Ensemble samt einem 101 Meter hohen Hochhaus mit 28 Etagen „Neuer Kanzlerplatz“ zu nennen. Gut zwölf Meter ist die Baugrube tief, die mit rund 140.000 Kubikmetern eindrucksvolle Ausmaße einnimmt. „Hier würden 37 olympische Schwimmbecken Platz finden“, hat Hilbert ausgerechnet. Die Bodenplatte mit rund 5000 Tonnen Bewehrungsstahl ist schon gegossen. Erste Wände sind auch schon hochgezogen, die später zur Tiefgarage mit 950 Stellplätzen gehören werden.

Wer von den vielen Gästen, darunter Bürgermeister Reinhard Limbach, einen Gesamteindruck von der imposanten Baustelle gewinnen wollte, durfte in einen Heißluftballonkorb klettern, den einer der Kräne in die Höhe zog. Diesen Spaß ließen sich Gäste, die ohne Höhenangst und schwindelfrei waren, nicht entgehen.

Mit dabei auch Vertreter der Postbank, die Hauptmieterin des Büroquartiers sein wird. Mit der Fertigstellung rechnet Hilbert im Laufe des Jahres 2022. Die Postbank will dort, wie berichtet, ihre neun Standorte in Bonn zusammenziehen und hat dann am geografischen Mittelpunkt Bonns mehr als 3000 Arbeitsplätze zu bieten. Zweiter großer Mieter ist „Design Offices“, ein Unternehmen, das auf rund 8000 Quadratmetern unter anderem Büros, Konferenz- und Veranstaltungsräume anbieten will. Damit seien rund 80 Prozent der gut 60 000 Quadratmeter Nutzflächen vermietet, sagte Hilbert. Weitere Mieter stünden derzeit noch nicht fest. Erworben hat das gesamte Neubauprojekt inzwischen die Union Investment. Was die Neubauten am Bundeskanzlerplatz kosten, dazu machte der Projektentwickler keine Angaben.

Rund 4000 neue Arbeitsplätze am Bundeskanzlerplatz

In den Erdgeschossen der Neubauten sollen verschiedene Gastronomiebetriebe Platz finden. Denn bei rund 4000 Arbeitsplätzen gibt es auch viele hungrige Mitarbeiter, die mittags versorgt sein wollen, sagte Projektleiter Thomas Leise mit einem Lachen. Er kennt allerdings auch die Sorgen der Anlieger, wie diese vielen Menschen ihren Weg zu den neuen Büros finden werden. „Wir entwickeln ein Mobilitätskonzept und werden unter anderem eine neue Bushaltestelle vor dem Komplex bauen.“

Was Art-Invest bisher verschwiegen hat: Beim Aushub der Baugrube stießen die Arbeiter auf Mauerreste und Gräber aus der Römerzeit. „Wir wollten abwarten, bis die Archäologen ihr Arbeit abgeschlossen haben“, erklärte Leise. Ein Relikt aus der neueren Vergangenheit fanden er und sein Team nach der Sprengung dank eines Hinweises von Architekt Joachim Kaiser: den Grundstein des Bonn-Centers, bei dem Kaiser damals Bauleiter war. Natürlich war der 77-Jährige auch bei dieser Grundsteinlegung dabei, bei der der alte Stein samt Zeitkapsel gleich wieder mitversenkt wurde.