Zukunft der Schwimmbäder

Neue Bürgerbeteiligung zu Bonner Bädern

Die Beueler Bütt war in diesem Jahr monatelang geschlossen, um dringende Reparaturen zu erledigen.

Die Beueler Bütt war in diesem Jahr monatelang geschlossen, um dringende Reparaturen zu erledigen.

Bonn. Die Stadt startet das umstrittene Bürgerbeteilungsverfahren zur Zukunft der Schwimmbäder. Mit der Durchführung wird sie für rund 200.000 Euro ein externes Büro beauftragen.

Die Stadt startet das umstrittene Bürgerbeteilungsverfahren zur Zukunft der Schwimmbäder. Das hat die Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP am Dienstagabend gegen das Votum der Ratsopposition beschlossen. Bis Ende 2019 soll eine Entscheidung fallen, welche Bäder saniert, umgenutzt oder womöglich neu gebaut werden.

Nach den beiden Bürgerentscheiden gegen die Rettung des Kurfürstenbads und den geplanten Neubau im Wasserland steht bisher nur eins fest: Im Doppelhaushalt 2019/2020 sind 26 Millionen Euro eingestellt, mit denen frühestens ab 2020 das Hardtbergbad saniert werden soll. Für die ebenfalls geplante Modernisierung der Beueler Bütt dürfte danach nicht mehr viel übrig sein. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus-Peter Gilles bekannte sich in der Ratssitzung zum Hardtbergbad und verwies auf die Alternative, die Beueler Bütt durch einen Neubau am Ennertbad zu ersetzen – sofern das später im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten sei. In der Beteiligung gelte es nun, Lösungen für das Frankenbad (Sanierungsbedarf: mindestens 20 Millionen Euro) und für Godesberg zu finden.

Vorwürfe der Opposition

Die Opposition warf der Koalition schlichte Verzögerungstaktik vor. „Die Bonner warten seit Jahrzehnten, während die Probleme beim Schulschwimmen immer schlimmer werden“, kritisierte Helmut Redeker (SPD). Man dürfe nicht länger vertagen. Die Genossen fordern, die Stadtteilbäder zu erhalten. Auch Carsten Euwens erklärte das Verfahren für überflüssig. „Die Bürgerentscheide haben gezeigt, dass die Leute es wohnortnah wollen“, sagte der Sozialliberale. Gewohnt angriffslustig hielt Jürgen Repschläger (Linke) den Koalitionären vor, den „Bürgerwillen durch Zudrehen des Geldhahns abwürgen“ zu wollen. Da die zweijährige Bindungsfrist des ersten Bürgerentscheids bald ablaufe, könne man sehr wohl das Kurfürstenbad sanieren oder an selber Stelle einen Neubau errichten.

Für Florian Bräuer wäre das allerdings „eine Farce“: „Das stünde doch im Widerspruch zum ersten Bürgerentscheid“, konterte der FDP-Mann, der das Beteiligungsverfahren verteidigte. Dabei könne auch ein „zentrales Bad eine Option“ sein, so Breuer in Richtung Marcel Schmitt (Bürger Bund Bonn). Dieser hatte der Ratsmehrheit vorgeworfen, durch die Hintertür doch noch ein „Zentralbad“ durchdrücken zu wollen. Rolf Beu (Grüne) sprach sich für das Beteiligungsverfahren aus, das vor allem von seiner Fraktion vorangetrieben worden war. „Jetzt so zu tun, als wüsste man, was die Bonner Bürger wirklich wollen, wäre vermessen“, betonte er.

Stadt plant mit 2,8 Millionen Euro

Für das Projekt „Gestaltung der Bäderlandschaft“ sieht die Stadt ab 2021 jährlich 2,8 Millionen Euro vor: Die Summe soll Betriebsausgaben, Kreditkosten und Abschreibungen abdecken. Sie entspricht dem Betrag, den das Wasserland-Bad im Jahr kosten sollte – allerdings unter der Maßgabe, dass dafür sowohl Kurfürsten- als auch Frankenbad aufgegeben würden. Bleibe das Baudenkmal in der Nordstadt ein Schwimmband, müsse man die 2,8 Millionen also „gedanklich um die aktuellen Kosten des Frankenbads reduzieren“, erklärte Kämmerin Margarete Heidler im Rat. Die Betriebskosten im Frankenbad lägen derzeit bei mehr als einer Million Euro im Jahr.