Bonner Künstler starb vor 40 Jahren

Leo Breuer: Poet des Konstruktivismus

Mit der ewigen Gauloise im Rheinischen Landesmuseum: Leo Breuer trifft bei einer Ausstellung Bonner Galerien im Oktober 1974 auf Marianne Pitzen und Bundespräsident Walter Scheel.

BONN. Die Betroffenheit über den Tod des Künstlers Leo Breuer ist dem Schreiber anzumerken. Lothar Schmidt-Mühlisch spricht in seinem Nachruf für den GeneralAnzeiger vom 17. März 1975 von einem großen Verlust und einer großen Lücke, die der Künstler hinterlassen wird, der drei Tage zuvor im Alter von 81 Jahren nach langer, schwerer Krankheit gestorben ist.

"Man kann nicht glauben, das immer freundliche, jugendliche Gesicht unter der schräg sitzenden Baskenmütze nun entbehren zu müssen", schreibt Schmidt-Mühlisch. "Die ewig brennende Gauloise zwischen den Lippen, die liebenswürdige Einladung zu einem Gläschen des geliebten Beaujolais – persönliche Erinnerungen an einen ungewöhnlichen Menschen, gewiß; aber auch Charakteristiken eines Mannes, der uns nun noch in seinen Werken lebendig geblieben ist."

Leo Breuer galt als bedeutender Künstler. Sein Name wurde auch international mit der Entwicklung des Konstruktivismus verbunden, und zwar mit einer besonderen Spielart des Konstruktivismus, die in beeindruckenden Bildern und Werken das Mathematische und Technologische mit dem Poetischen und Individuellen verband.

Schmidt-Mühlisch zitiert aus Horst Richters Monografie über Leo Breuer: "Jedes Nachkriegswerk ist ein Stück Konstruktivismus mit poetischer Dimension. Hierin wird der ureigenste Beitrag Breuers zur künstlerischen Entwicklung um die Jahrhundertmitte zu sehen sein." Leo Breuer selbst bekannte: "Ich habe um die Ausdrucksmöglichkeiten des Romantischen und des Konstruktiven gerungen. Aber schließlich wußte ich, daß ich der geborene Konstruktivist bin."

Breuer war schon mehr als 50 Jahre alt, als er 1946 in Paris seine ersten großen Erfolge erzielte. Und erst mit mehr als 60 Jahren gelang ihm der internationale Durchbruch. Schon vor seiner Hinwendung zum Konstruktivismus hatte der 1893 in Bonn geborene Sohn eines Baumeisters erfolgreich ein Werk im Stil der neuen Sachlichkeit geschaffen. Doch erst sein Spätwerk ermöglichte ihm eine auskömmliche Existenz und ungestörtes Arbeiten. Zuvor hatte er sich als Bühnenbildner in Bad Godesberg, Neuss und Koblenz, als Werbegrafiker in Bonn, als Restaurator in Brüssel, als Küchenchef im Internierungslager sowie als freier, aber unbekannter Künstler in Paris durchschlagen müssen.

Frankreich hatte für Breuer eine besondere Bedeutung, schreibt Lothar Schmidt-Mühlisch. "Hier, wo ihn das Dritte Reich und der Weltkrieg hingetrieben hatten, fand er seine entscheidenden Begegnungen und Impulse." Hans Hartung, Michel Seuphor und Auguste Herbin zählte er zu seinen Freunden. Zwar schuf er in Paris seine wichtigsten Werke, doch ließ er die Verbindung zu Bonn nie abreißen. Breuer sagte einmal: "Frankreich ist meine zweite Heimat geworden, ohne daß ich die erste verloren hätte."