Baustellen am Hauptbahnhof

Kranführer leisten Zentimeterarbeit über den Dächern Bonns

Bonn. Sechs Kräne stehen derzeit auf den Baustellen rund um den Hauptbahnhof, die Kranführer arbeiten an einer Höhe von 31 bis 55 Metern. Vorfahrtsregelungen, Schwenksperren und Windstärkemesser gehören zu ihrem Arbeitsalltag.

Sechs Kräne schwenken ihre Ausleger auf dem Areal am Bonner Hauptbahnhof und heben Lasten von bis zu sechs Tonnen. Einen Kran hat Ten Brinke im südlichen Bereich für den Bau des Maximiliancenters in Betrieb, vier weitere Kräne nutzt derzeit Zechbau für das Projekt Urban Soul - jeweils zwei auf der Baustelle an der Rabinstraße und zwei auf dem Nordfeld. Ein weiterer, deutlich kleinerer Kran steht direkt an Gleis 1 für die Dachsanierung des Hauptbahnhofs.

Im Oktober stellt Zechbau einen weiteren Kran an der Ecke der Baustelle gegenüber dem Eingang zum Hauptbahnhof auf. Mitte September will Ten Brinke die Rohbauarbeiten des Maximiliancenters bereits abgeschlossen haben. Ende September, Anfang Oktober wird die niederländische Baufirma ihren Kran abbauen, der mitten im wachsenden Neubau steht. Die restlichen Bauarbeiten sollen mit mobilen Kränen erfolgen.

Für die beteiligten Firmen ist die Großbaustelle eine besondere Herausforderung: Innenstadtlage, Bahnhofsnähe und eine Straße, die Autos, Straßenbahnen und Busse passieren müssen. Bei der Planung der Baustelle ist Zentimeterarbeit gefragt. Im vergangenen Sommer kam es bei den Abrissarbeiten zu einem Unfall mit einem Baukran. Dabei war ein mobiler Kran umgekippt und hatte das Dach des Hauptbahnhofs durchschlagen. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand, Zug- und Straßenbahnverkehr mussten für Stunden unterbrochen und ein Teil der Oberleitung erneuert werden.

Vorsichtsmaßnahme für Bahnen

Im Gegensatz dazu sind die aktuellen Kräne alle fest installiert. Damit keiner der Ausleger die Oberleitung der Deutschen Bahn beschädigt, gibt es eine vorgegebene Begrenzung des Arbeitsbereichs. "Das ist eine Auflage der Deutschen Bahn", erklärt Alexander Schonert, stellvertretender Bauleiter bei Zechbau. Er deutet auf die Fläche zwischen Rabinstraße und den Bahnschienen. Auf dem schmalen Grundstück mit einer Breite von rund 40 Metern heben zwei Kräne Baumaterialien für das spätere Büro- und Parkhaus empor. Links rollen die Züge der DB vorbei, rechts der Autoverkehr.

Der freie Bereich, in dem der Kranführer seinen Ausleger schwenken kann, wurde Zentimeter für Zentimeter abgefahren und einprogrammiert. Sobald er in den verbotenen Bereich schwenkt, blockiert das System. Auf dem anderen Teil der Baustelle hat das Team diese Vorsichtsmaßnahme auch für die Straßenbahnen der Stadtwerke eingerichtet.

Vorfahrtregelung in der Luft

Damit sich die Kräne nicht untereinander in die Quere kommen, gibt es laut Schonert in der Luft eine Vorfahrtsregelung. Die wird vor Beginn der Arbeiten mit allen beteiligten Baufirmen und Kranführern festgelegt. Auf der Bonner Baustelle hat der kleinere Vorrang - von oben haben die größeren Kräne schlichtweg den besseren Überblick über das Geschehen und müssen sich auf die niedrigeren abstimmen. Aus der Vogelperspektive geben die Kranführer auch die Reihenfolge der Arbeiten vor. Sie entscheiden, welche Bauteile wann gehoben werden müssen. Die Abstimmung mit den Kollegen am Boden läuft jeweils über Funk.

Täglich um 7 Uhr klettern die Mitarbeiter die schmalen Metallleitern zu ihrem Arbeitsplatz in einer Höhe zwischen 31 und 55 Metern hinauf. "Von dem Kran kann man bis nach Köln schauen", sagt ein Bauarbeiter und schaut mit sehnsüchtigem Blick nach oben. Nur Kran Nummer drei agiert derzeit ohne Kranführer in der Luft. Er wird per Fernbedienung gesteuert. Sobald die Hochbauarbeiten anstehen, wird aber auch dort ein Kranführer seinen Arbeitsplatz über den Dächern von Bonn einnehmen.

"Lifestylehaus" um den Kran herum

Jede Kabine ist mit einer Klimaanlage und einem Windmesser ausgestattet. Letztere gibt ein akustisches Signal, sobald gefährliche Windverhältnisse gemessen werden. Bevor es nach Feierabend wieder auf den Boden geht, wird jeder Kran "windfrei" gestellt. Das bedeutet, der Ausleger kann sich mit dem Wind bewegen und bietet damit kaum Angriffsfläche.

Bis so ein gelber Koloss steht, vergehen bis zu zwei Tage. "Die kommen in Einzelteilen und werden vor Ort zusammengebaut", erklärt Schonert. Der zusätzliche Kran wird im Herbst mit Hilfe der bestehenden Kräne aufgebaut. Die Wahl des richtigen Standortes ist für die späteren Arbeiten entscheidend. Nummer zwei steht auf dem Tunnel der Südüberbauung, Nummer drei auf der Tiefgarage. "Wir versuchen, die Kräne außerhalb des Gebäudes aufzustellen", sagt der Bauleiter. Das lässt sich nicht in jedem Fall umsetzen. Das geplante "Lifestylehaus" wird daher um den Kran herum in die Höhe wachsen. Der Kran werde später entfernt, und die Decken würden nachträglich geschlossen. Bisher haben die Bonner nur wenig von der Arbeit der Kranführer gesehen - das wird sich in den kommenden Monaten ändern. Mit dem Hochbau beginnt rund um den Hauptbahnhof die Hochphase der gelben Kolosse.