Kultur in Bad Godesberg

Kleines Theater verliert seine Investoren

Bonn. Der frühere Bonner Generalintendant Klaus Weise trennt sich von der Käufergruppe für das Kleine Theater. OB Sridharan spricht von einer "unerfreulichen Nachricht".

Der Montag begann für Oberbürgermeister Ashok Sridharan und den Stadtrat mit einer Hiobsbotschaft: Die in trockenen Tüchern geglaubten Pläne für das Kleine Theater in Bad Godesberg sind geplatzt. Der frühere Bonner Generalintendant Klaus Weise und der Godesberger Immobilienberater Pitt Hoffmann sind aus der Investorengruppe ausgestiegen, die das Gebäude an der Koblenzer Straße für 410.000 Euro kaufen und es weiter für kulturelle Zwecke nutzen wollte. Weise sollte die künstlerische Leitung übernehmen. All das hatte der Stadtrat nach monatelangem Ringen um die Zukunft des Kleinen Theaters – der bisherige Intendant Walter Ullrich will im Sommer nach mehr als 60 Jahren aufhören – in der Sitzung im Dezember beschlossen.

Dem Vernehmen soll Weise nun vorgeschlagen haben, die ehemalige Bürgermeistervilla zunächst zu pachten, um das Gebäude auf jeden Fall ab der kommenden Spielzeit noch bespielen zu können.

Dagegen wollen die anderen aus der Käufergruppe, die Bad Godesbergerin Eva Sewing und Ingenieur Stephan Heinze, am Kaufvertrag weiterhin festhalten. „Und zwar nach der vom Rat beschlossenen Konstellation und den Modalitäten“, sagte Sewing auf Anfrage. Zu den Gründen für die Trennung schwieg sie ebenso wie Weise. Nach GA-Informationen soll es um Honorarforderungen Streit gegeben haben. In einer gemeinsamen E-Mail erklären Sewing und Heinze lediglich, die Gruppe habe das wirtschaftliche und ideelle Engagement für das Kleine Theater noch einmal überprüft. „Diese Prüfung (...) hat zur Erkenntnis geführt, dass (...) die Voraussetzungen für ein Betreiben des Theaters unter den in der ursprünglichen Investorengruppe realisierbaren Bedingungen wirtschaftlich nicht darstellbar waren.“

Auf Nachfrage bestätigte Sewing, dass sie und Heinze zwischenzeitlich Kontakt mit dem Euro Theater Central aufgenommen hätten, das möglicherweise das Kleine Theater nutzen könnte. Im bisherigen Domizil des Theater Central am Mauspfad gehen Ende des Jahres die Lichter aus, denn dann fallen die jährlichen städtischen Zuschüsse von 144.000 Euro weg. Euro Theater Central-Intendantin Ulrike Fischer sagte zur möglichen Option, im Kleinen Theater spielen zu können: „Ja, ich bin angesprochen worden, Details kenne ich aber noch nicht.“ Sie werde sich alle Optionen genau anschauen, sagte sie weiter.

"Ein Aus wäre dramatisch"

Auf die Frage, wie denn nun seine Pläne aussehen, verwies Weise ebenfalls an eine Mail an den GA, die er mit Hoffmann gemeinsam verfasst hatte. Darin heißt es unter anderem: „Wir, Klaus Weise und Pitt Hoffmann, haben heute der Stadt Bonn Vorschläge unterbreitet, wie das Kleine Theater in neuer Konstellation für sein Publikum erhalten und mit einem interessanten Programm bespielt werden kann.“ Doch bevor es soweit sei, müssten jetzt Verträge mit den Beteiligten geschlossen werden, damit ab Februar die Abonnentinnen und Abonnenten, die Theatergemeinde, die Volksbühne und das Publikum im freien Verkauf die Theaterkarten erwerben könnten. Am Telefon erklärte Weise dem GA, die Zeit dränge, wenn das Theater weiter Zukunft haben solle. Weise weiter: „Die Frage ist jetzt, wie wir das hinkriegen.“

„Das ist eine unerfreuliche Nachricht“, kommentierte OB Sridharan die jüngste Entwicklung um das Kleine Theater. „Das inhaltliche Konzept der Investorengruppe war überzeugend, auch die Wirtschaftsplanung schien auf sicheren Füßen zu stehen. Umso bedauerlicher ist es, dass sich dies nun im weiteren Verlauf der Planungen als falsch herausgestellt hat.“ Es sei von allen Seiten viel Arbeit investiert worden, um den Betrieb im Kleinen Theater dauerhaft zu sichern. Noch hat der OB aber Hoffnung: Ihm sei übermittelt worden, dass es weitere Bemühungen der Mitglieder der Investorengruppe gibt, doch noch eine Lösung zu finden. „Ich würde mich freuen, wenn das gelänge. Die Stadt steht mit den Beteiligten in Kontakt.“ Am Nachmittag informierte Sridharan die Ratsfraktionen zum Sachverhalt.

Theatermann Frank Oppermann, der sich ebenfalls um das Kleine Theater beworben hatte, aber leer ausgegangen war, zeigte sich überrascht über diese Entwicklung: „Ich fände es dramatisch, wenn das das Aus für das Theater bedeuten würde.“ Mehr könne er vorerst nicht dazu sagen.