Pneumologie der Uni-Klinik erweitert

Immer mehr Frauen in Bonn werden lungenkrank

BONN. Dass Rauchen Lungenerkrankungen begünstigt, ist nicht neu. Allerdings trifft es immer mehr Frauen, wie eine Studie der IKK Classic belegt. Die Bonner Uni-Klinik hat deshalb sogar die Kapazitäten der Pneumologie erweitert.

Die Zahl der stationär im Krankenhaus behandelten Raucher ist in Bonn in jüngster Zeit deutlich angestiegen. Laut einer aktuellen Studie der Krankenkasse IKK classic nehmen Krankenhäuser in Bonn immer mehr Patienten auf, die aufgrund von raucherspezifischen Erkrankungen behandelt werden müssen. Deutlich wird dieser Trend derzeit an der Uniklinik Bonn: Hier wird gerade ein neues Herz-Zentrum für die vielen Herz- und Lungenpatienten gebaut; die pneumologische Abteilung der Uniklinik muss erweitert werden, da sich die Zahl der Patienten mit Lungenerkrankungen stark erhöht hat.

„Am vergangenen Wochenende hatte ich auf der internistischen Intensivstation vier neue Patienten mit Herzinfarkt, zwei mit akuter Verschlechterung der COPD und einen Patienten mit Lungenkrebs“, berichtet Professor Dirk Skowasch, Leiter der Pneumologie an der Uniklinik Bonn. Alle sieben Patienten seien Raucher oder ehemalige Raucher. COPD steht für chronisch obstruktive Lungenerkrankung; die Vorstufe zu COPD ist eine chronische Bronchitis.

Während sich die Zahl der Raucher bei den Jugendlichen bis 17 Jahren laut IKK classic mit zehn Prozent auf einem historischen Tiefstand befindet, liegt das Durchschnittsalter der Patienten, die derzeit wegen Raucher-Erkrankungen behandelt werden, bei 60 bis 70 Jahren. Viele von ihnen sind, so die Studie, womöglich seit langem nicht mehr nikotinsüchtig: „Ein langjähriger Raucher hat auch noch 20 Jahre, nachdem er das Rauchen aufgegeben hat, ein doppelt so hohes Lungenkrebsrisiko wie ein Nichtraucher“, sagt Wolfgang Schulte, Chefarzt des Lungenzentrums der GFO Kliniken Bonn im Marien-Hospital.

Zahl der rauchenden Männer rückläufig

Während die Zahl der Raucher bei den Männern rückläufig sei, nehme sie bei den Frauen zu. Entsprechend seien auch immer mehr Frauen von Lungenkrebs betroffen. Die Zahl der Krankenhausbehandlungen von Frauen aufgrund von Rauchererkrankungen stieg in Bonn innerhalb von zehn Jahren um 40 Prozent, berichtet die IKK classic. „Die Generation, die jetzt an Raucherkrankheiten leidet, hat vor etwa 30 bis 40 Jahren mit dem Rauchen begonnen, die Folgen sehen wir jetzt“, erklärt Michael Lobscheid von der IKK classic. „Früher war Frauen das Rauchen untersagt oder es galt als unschicklich.

Mit der Emanzipation rauchten immer mehr Frauen und entsprechend litt eine steigende Zahl von ihnen unter den Folgekrankheiten“, sagt Chefarzt Schulte. Den Trend können auch andere Krankenhäuser bestätigen: „Höchst auffällig ist die Zunahme der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) sowie bösartiger Veränderungen der Lunge bei Frauen. Diese haben sich inzwischen den Erkrankungshäufigkeiten der Männer angeglichen“, sagt Markus Menzen, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin am Gemeinschaftskrankenhaus Bonn. Hinzu komme, dass die Lunge der Frau anfälliger sei als die des Mannes. Das liege an den hormonellen Unterschieden und einer kleineren Lunge bei Frauen, erklärt Skowasch. Lungenkrebs sei bei Frauen mittlerweile die zweithäufigste Todesursache.

Häufigste Diagnose bei Rauchern ist die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, gefolgt von Lungen-, Bronchial-, Kehlkopf- oder Luftröhrenkrebs. Zu den weiteren Krebserscheinungen, die vom Rauchen kommen, zählen Speiseröhrenkrebs, Magen-, Kehlkopf-, Zungen- oder Mundbodenkrebs. „Generell treten alle Krebserscheinungen und Gefäßerkrankungen sowie viele Lungenkrankheiten bei Rauchern häufiger auf als bei Nichtrauchern. Raucher sterben daher im Schnitt zwölf Jahre früher als Nichtraucher“, sagt Wolfgang Schulte. Generell gilt: Je früher die Diagnose, desto größer die Aussichten auf Heilung. Auch die Behandlungsmethoden sind fortgeschritten: „Heute bekommen fast 50 Prozent der Lungenkrebs-Patienten eine zielgerichtete Therapie statt einer klassischen Chemotherapie“, sagt Skowasch. Dabei gibt es verschiedene Wege, mit dem Rauchen aufzuhören – von Nikotin-Ersatzpräparaten bis hin zu Raucher-Entwöhnungsprogrammen.