Kommentar zum Thema Gleichstellung

Es bleibt genug zu tun

Seit 35 Jahren engagiert sich Brigitte Rubarth bei der Stadt Bonn beim Thema Gleichstellung.

Seit 35 Jahren engagiert sich Brigitte Rubarth bei der Stadt Bonn beim Thema Gleichstellung.

Bonn. Vor 70 Jahren fand der Gleichberechtigungsgedanke von Mann und Frau Eingang ins Grundgesetz. Gleichstellungsbeauftragte in Behörden und Firmen sorgten für die Umsetzung der Theorie in die Praxis. Und doch, so meint GA-Redakteur Philipp Königs, bleibt noch viel zu tun.

Die Gesamtschule in Bad Godesberg trägt den Namen von Elisabeth Selbert. Zum 70-jährigen Bestehen des Grundgesetzes in diesem Jahr darf, ja muss man an die Verdienste dieser SPD-Politikerin und Juristin um die Gleichberechtigung erinnern. Sie war es, die gemeinsam mit drei anderen Frauen im Parlamentarischen Rat maßgeblich dafür Sorge trug, dass der revolutionäre Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ vor sieben Jahrzehnten Eingang in die Verfassung fand. Und weil dieser Satz zu Beginn einfach so dastand und die Frau sich nach Auffassung vieler Herren doch bitte wieder dem Haushalt widmen sollte, waren Gleichstellungsbeauftragte in den Verwaltungen und Behörden so bitter notwendig. In Bonn sind die Fortschritte der Gleichberechtigung von Frau und Mann an den Zahlen durchaus ablesbar. Das spiegelt sich nicht nur in den fünf Verwaltungsdezernaten wider, von denen drei unter weiblicher Führung stehen. Auch im höheren Dienst ist die Geschlechterverteilung fast gleich.

Doch die scheidende Gleichstellungsbeauftragte Brigitte Rubarth (die auch für die Gleichstellung von Männern verantwortlich ist) wies zu Recht daraufhin, dass die Arbeit noch nicht erledigt ist. Die größeren Elternzeitkontingente nehmen weiterhin Frauen in Anspruch. Nun bedeutet Gleichstellung in einer liberalen Gesellschaft nicht Gleichheit. Und dennoch gilt es, Antworten auf folgende Fragen zu finden: Wie kann die Stadt, wie können Unternehmen ihre Arbeitsmodelle so anpassen, dass sie familienfreundlich sind? Wie kann die Stadt die Zahl der Kinderbetreuungsplätze so ausbauen, dass gerade Alleinerziehende genug für ein würdevolles Leben verdienen?