Kommentar zum Finanzskandal am Bonner Münster

Eine Nummer zu groß

Das Bonner Münster in der Innenstadt.

Das Bonner Münster in der Innenstadt.

Architektonisch durchaus gelungen, verbindet das Münster-Carré Kirche und Kreuzgang mit dem Münster-Laden. Das Ganze war aber offenbar eine Nummer zu groß für eine alternde Innenstadtgemeinde, kommentiert Bettina Köhl.

Ob freiwilliger Verzicht oder aus Köln erzwungener Rücktritt: Der plötzliche Abschied von Stadtdechant Wilfried Schumacher erschüttert die Bonner Münsterpfarrei bis ins Mark. Der Monsignore war bestens vernetzt, ein echter Bonner, nah am Leben in der Stadt. Er war aber auch streitbar, was besonders beim Erzbischof nicht gut angekommen sein soll, und unter den Bonner Katholiken nicht unumstritten. Er war auch nicht der Dechant aller Bonner – je weiter vom Zentrum entfernt, desto geringer war sein Einfluss spürbar.

Beim aktuellen Finanzskandal fühlt man sich unweigerlich an Limburg erinnert, doch nach den ersten Informationen ist Bonn damit nicht vergleichbar. Hier ging es nicht um persönlichen Luxus, das wissen alle, die Schumacher schon einmal in seinem Domizil am Fuße des Münsters besucht haben. Luxus war, in der Innenstadt Präsenz in Form einer modernen Anlaufstelle zu zeigen und dem kirchlichen Leben neue Facetten zu geben.

Architektonisch durchaus gelungen, verbindet das Münster-Carré Kirche und Kreuzgang mit dem Münster-Laden. Das Ganze war aber offenbar eine Nummer zu groß für eine alternde Innenstadtgemeinde, die auch daran krankt, dass in vielen Geschäftshäusern heute die Wohnungen leerstehen. Gleichzeitig muss die Citypastoral für Menschen aus ganz Bonn da sein.

Die beiden erfahrenen und beliebten Bonner Pfarrer Alfons Adelkamp und Bernd Kemmerling sind sicher die Richtigen, um der Gemeinde in der Krise beizustehen. Und Schumacher wird sich auf sein krisenerprobtes Bonner Netzwerk verlassen können.