Nahverkehr

Ein-Euro-Ticket in Bonn kommt - aber nicht für alle

Der Verkehrsverbund gibt für die jecken Tage ein günstiges Sonderticket raus, das es allerdings nicht am Automaten gibt.

Vielleicht gibt es bald ein Jahresticket für Busse und Bahnen in Bonn, das nur einen Euro pro Tag kostet.

BONN. Die Stadt Bonn stellt Vorschläge im Projekt "Lead City" für saubere Luft vor. Darin enthalten ist ein Jahresticket für Busse und Bahnen, das nur einen Euro pro Tag kostet. Es ist aber nur für manche Personen erhältlich.

Offenbar mit heißer Nadel gestrickt haben die zuständigen Ministerien für Umwelt und Verkehr das Förderprogramm „Lead City“ des Bundes. Die enge Zeitschiene für Planung und Durchführung der Maßnahmen für saubere Luft in fünf Modellstädten, zu denen auch Bonn gehört, bringt die Bonner Planungsabteilung in arge Bedrängnis. Eilends hat das Dezernat von Stadtbaurat Helmut Wiesner für die Sitzung des Stadtrats am Dienstagabend eine Tischvorlage verfasst. Aus der geht hervor, was der Bund erwartet – und was die Stadt zu tun gedenkt.

Das Umweltministerium hatte bei einem Treffen am 29. Juni erläutert, welche Maßnahmen es aus dem von der Stadt vorgestellten Katalog für umsetzbar hält. Vor allem drängte das Ministerium laut Wiesner auf die Umsetzung des „Wiener Modells“. In der österreichischen Hauptstadt fahren Pendler Bus oder Bahn für einen Euro pro Tag. Bonn will in Anlehnung an diesen Preis ein Klimaticket für 365 Euro im Jahr einführen. Allerdings soll ein solches Schnupperticket für die Dauer von einem Jahr nur für Neukunden ins Angebot, um Anreize für Autofahrer zu schaffen. Für diese Änderung stünden rund 22 Millionen Euro im Förderzeitraum bis 2020 zur Verfügung. Wenn jeder es kaufen könnte, wäre mit einem Umstieg der Dauerkartenbesitzer zu rechnen, alleine das würde nach Berechnungen der Stadt 26 Millionen Euro kosten.

Insgesamt hat der Bund der Stadt Fördermittel von knapp 38 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Der Eigenanteil der Stadt läge bei durchschnittlich fünf Prozent, also etwa 1,9 Millionen Euro. Von den verbleibenden 16 Millionen Euro Fördergeld will die Stadt Taktverdichtungen finanzieren. Beispiel: der im Nahverkehrsplan ohnehin vorgeschlagene testweise Ausbau der Buslinie 632 zu einer neuen Tangentiallinie zwischen Venusberg, Nordstadt, Bertha-von-Suttner-Platz und Beueler Bahnhof zur Entlastung der Innenstadtlinien. Dieser Betrieb ist zum Fahrplanwechsel im Dezember geplant. In Absprache mit dem Rhein-Sieg-Kreis und dem Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) soll es drei Posten geben, um das betriebliche Mobilitätsmanagement zu verbessern. Die drei Mitarbeiter sollen Analysen erstellen, Konzepte erarbeiten und Arbeitgeber beraten.

Neben „Lead City“ existiert das Landesprogramm „Emissionsfreie Innenstadt“, das ein ähnliches Ziel verfolgt. Die Stadt kündigte an, dass für die Umsetzungen dieser Förderprogramme aus ihrer Sicht mehr Personal in der Verwaltung benötigt werde. Was „Lead City“ betrifft, muss die Verwaltung die konkreteren Pläne der Stadt bis zum 20. August beim Ministerium einreichen. Der Stadtrat stimmte der Tischvorlage letztlich einstimmig zu, auch wenn die Politiker wenig begeistert waren, dass die zeitlich engen Vorgaben der Ministerien ein kommunalpolitisches Mitwirken praktisch nicht möglich machen.