Kommentar zur Kriminalstatistik für Bonn

Die Richtung stimmt

Symbolbild

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Bonn. Die Zahl der Straftaten geht in Bonn zurück. Das ist die gute Nachricht der nun vorgestellten Kriminalstatistik. Die Kehrseite dieser erfreulichen Nachricht ist die Belastung für die Beamten, meint unser Autor.

Den Einbrechern scheint allmählich die Lust an Bonn zu vergehen. Das ist die wesentliche gute Nachricht der aktuellen Kriminalstatistik, die vor vier Jahren noch doppelt so viele Wohnungseinbrüche registrierte. Dass die Hälfte aller Einbruchsversuche erfolglos abgebrochen wird, zeugt zudem von stabileren Fenstern und Türen, aufmerksameren Nachbarn, schnelleren Polizisten oder konsequenteren Hunden. Unterm Strich scheint die Region jedenfalls deutlich besser gegen Langfinger gewappnet als vor Jahren. Pech hat weiterhin nur derjenige, dessen Besitz es dann doch erwischt: Denn nur für jeder Zehnten erfüllt sich derzeit die Hoffnung darauf, dass der Griff nach seinem Hab und Gut aufgeklärt und geahndet wird. Dieser negative Wert dürfte die Achillesferse der ansonsten durchweg erfreulichen Statistik sein. Immerhin kann die kürzlich erfolgte Festnahme eines 34-jährigen Intensivtäters den Wert wieder ein wenig zurechtrücken.

Monatelang hatte sich die Ermittlungsgruppe „Scheibe“ an die Fersen des Profis geheftet. Da ahnt man schon, welchen Personalaufwand das bedeutet hat. Der Einwand eines Gewerkschafters, liegengebliebene Arbeit und zahllose Überstunden seien die Kehrseite der erfreulichen Statistik, erscheint somit plausibel. Dass die Bonner Polizei überdies – gegen den Willen vieler Kollegen – mit einer gesetzlich vorgeschriebenen Neustrukturierung der Wechseldienste kämpft, macht die Lage nicht besser. Umso bemerkenswerter, dass die Motivation bei den Bonner Ordnungshütern zu stimmen scheint – soweit dies von außen bewertet werden kann. Der Dank der Polizeipräsidentin an die Kollegen ist jedenfalls folgerichtig.

Auch strategisch scheint die Behörde auf dem rechten Weg zu sein. Steigende Fallzahlen bei Rauschgiftdelikten sind erfreulich, denn sie zeugen von stärkerer Präsenz. Einen „Görlitzer Park“ wie in Berlin, wo die Polizei mit den Dealern „kooperiert“, gibt es in Bonn nicht. Das soll nach dem Willen der meisten Bonner auch so bleiben. Nicht nur in Bad Godesberg und Tannenbusch wünscht man sich sichtbare Polizeipräsenz. Robuste, abendliche Fußstreifen rund um Hofgarten oder Suttner-Platz wären ein weiterer Schritt. Sie würden sich lohnen.