"Emissionsfreie Innenstadt"

Die Rheinaue in Bonn bekommt breitere Radwege

Die Radwege in der Rheinaue, wie hier im Linksrheinischen, sollen auf bis zu vier Meter verbreitert werden.

Die Radwege in der Rheinaue, wie hier im Linksrheinischen, sollen auf bis zu vier Meter verbreitert werden.

BONN. Der Bonner Planungsausschuss hat dem Projekt „Emissionsfreie Innenstadt“ zugestimmt. Die Stadt baut auf hohe Millionenförderung durch das Land.

Die Stadt Bonn möchte die bestehenden Radwege durch die links- und rechtsrheinische Rheinaue auf drei bis vier Meter verbreitern und damit für Pendler attraktiver gestalten. Der Planungsausschuss hat diesem Eingriff sowie dem gesamten Maßnahmenpaket für das Landesprojekt „Emissionsfreie Innenstadt“ mit breiter Mehrheit zugestimmt. Das letzte Wort hat der Stadtrat am kommenden Donnerstag.

Im Linksrheinischen geht es um den Ausbau auf einer Gesamtlänge von 3,5 Kilometern, im Rechtsrheinischen um 1,75 Kilometer samt zusätzlicher Beleuchtung. Die bestehenden Radwege haben teilweise nur eine Breite von 1,80 Metern. Beispiel für einen schmalen Weg ist südlich der Rheinaue der Abschnitt zwischen Hardtstraße und dem Haus Carstanjen. Kurz vor der Konrad-Adenauer-Brücke (Südbrücke) würde die linksrheinische Radschnellroute auf den bestehenden Radweg am Rhein geführt, der bis zur Einmündung an der Hermann-Ehlers-Straße auf vier Meter verbreitert würde.

Im Rechtsrheinischen gedenkt die Stadt, den Weg von derzeit 1,80 bis zwei Metern auf drei Meter zu erweitern und zu beleuchten. In beiden Fällen verlaufen parallel Fußwege. Die Radler hätten also weitgehend freie Fahrt. Die Verwaltung plant, all diese Maßnahmen als Bestandteil des Projekts „Emissionsfreie Innenstadt“ der NRW-Landesregierung umzusetzen. Sie will Förderanträge mit einem Gesamtvolumen von 14,3 Millionen Euro bei der zuständigen Kölner Bezirksregierung beantragen und hofft auf Landeszuschüsse von 12,4 Millionen Euro.

Der Umstieg auf alternative Verkehrsmittel zum Auto und damit bessere Luft ist erklärtes Ziel, allerdings bedeute der Ausbau auch, dass einige Bäume gefällt werden müssten. Mit einer Mehrheit im Rat ist ebenfalls zu rechnen. „Die breiteren Wege wären endlich eine wichtige Nord-Süd-Route für Fahrradfahrer“, sagte Henriette Reinsberg, planungspolitische Sprecherin der CDU, gegenüber dem GA. Es wäre der Beginn eines notwendigen Ausbaus von Radschnellrouten. Auch diejenige von Bornheim über Alfter soll aus dem Geldtopf ausgebaut werden. Grüne und FDP kündigten ihre Zustimmung an. Hartwig Lohmeyer, Fraktionssprecher der Grünen, merkte im Planungsausschuss allerdings an, „dass die Anregungen des Naturschutzbeirats zur Beleuchtung berücksichtig werden“. Der Naturschutzbeirat hat zwar der Radwegverbreiterung zugestimmt, doch betonte dessen Vorsitzender Wolfgang Kehren, man müsse bei der Gestaltung genau hinschauen. Sollten beispielsweise besonders schützenswerte Fledermäuse dort einen Lebensraum haben, müsste mit spezieller Beleuchtung darauf reagiert werden, um deren Bestand nicht zu gefährden.

Abstimmung mit der Bezirksregierung

Die SPD-Fraktion begrüßte die Ausbaupläne. „Diese Strecke verbindet die Stadtbezirke Bonn und Bad Godesberg und wird insbesondere im Sommer stark genutzt“, sagte Gabi Mayer dem GA. Damit stelle sie eine potenzielle zukünftige Hauptverkehrsader für den Radverkehr dar, die ausreichend breit und gut beleuchtet sein sollte. Holger Schmidt, planungspolitischer Sprecher der Linksfraktion, hält den Ausbau der Radinfrastruktur prinzipiell für richtig, hat aber Vorbehalte in der Rheinaue. Dort sei unter anderem fraglich, „ob in diesem Abschnitt mehr Aufkommen mit erhöhter Geschwindigkeit wünschenswert ist“. Die Zahl von E-Bikes nehme schließlich zu. Eile ist geboten, weil die Förderanträge einen Tag nach der Ratssitzung in Köln vorliegen müssen.

Skeptisch sind die beiden Bad Godesberger FDP-Bezirksverordneten Wolfgang Heedt und Achim Schröder. Sie „regen eine gänzlich andere Trassenführung an, bei der die sinnvolle Verknüpfung von Arbeitsplätzen und die kostengünstige Mitnutzung von bestehender Infrastruktur im Vordergrund stehen sollte“. Aus ihrer Sicht dürfe es keine Vermischung von Radschnellrouten und Erholungs- und Freizeitflächen geben, um Spaziergänger, Jogger oder Skater nicht zu verdrängen.

(Dieses Video gehört zu einer Kooperation von GA und WDR)

Die beiden Liberalen finden, man müsse dem Autoverkehr Raum wegnehmen statt die Rheinaue zu durchschneiden. Daraus leitet sich ab, dass Ludwig-Erhard-Allee und Petra-Kelly-Allee als Umfahrung der Rheinaue für Radpendler attraktiver gestaltet werden müssten. Ähnlich sieht das die Linksfraktion.

Der Denkmalschutz, unter dem die Rheinaue steht, scheint dem Projekt Wegeverbreiterung nicht zu widersprechen. Das geht aus der Verwaltungsvorlage hervor. Die obere Aufsichtsbehörde der Kölner Bezirksregierung bestätigte, dass sie in die Planungen involviert sei. Behördensprecher Dirk Schneemann teilte auf Anfrage mit: „Es gab mehrere Ortstermine und Besprechungen, in denen wir Tipps und Hinweise gegeben haben.“ Die Planung werde derzeit überarbeitet. „Wir sind optimistisch, dass – sofern unsere Beratung umgesetzt wird – wir eine denkmalfachlich tragbare Umplanung erhalten“, sagte Schneemann.