Aus nach 42 Jahren

Deutsche Post schließt den Bonner Presseclub

Der Presseclub an der Heinrich-Brüning-Straße: Er steht seit fast 20 Jahren unter Denkmalschutz.

Der Presseclub an der Heinrich-Brüning-Straße: Er steht seit fast 20 Jahren unter Denkmalschutz.

Bonn. Der legendäre Presseclub im Bonner Bundesviertel steht vor einem tiefgreifenden Einschnitt: Die Deutsche Post will ihre auch für andere Gäste zugängliche Kantine schließen. Was aus dem denkmalgeschützten Gebäude wird, ist offen.

Die Deutsche Post DHL schließt zum Monatsende ihre auch für andere Gäste zugängliche Kantine im Presseclub. Damit geht dem Bundesviertel in der Heinrich-Brüning-Straße 20 eine weitere traditionsreiche Institution verloren. „Wir hatten den Presseclub bisher angemietet, haben uns jedoch aus betriebswirtschaftlichen Gründen dazu entschieden, den Mietvertrag nicht zu verlängern“, bestätigt Post-Sprecherin Hannah Braselmann auf Anfrage entsprechende GA-Informationen.

Das Gebäude war 1909 als Teil der Villenkolonie Gronau errichtet worden. Nachdem in Hauptstadtzeiten hier unter anderem der Bundesverlag seinen Sitz hatte, zog 1977 der Deutsche Presseclub ein und nutzte das Haus als Begegnungsstätte für in- und ausländische Journalisten, Bundespolitiker, Diplomaten und Wirtschaftsvertreter.

Verwunderung über Zeitpunkt

Mit dem Regierungsumzug übergab der Bund die Immobilie an die Stadt Bonn. Das Gebäude, so die Maßgabe, sollte weiter als Treffpunkt für Medienvertreter dienen. Nachdem allerdings zwei Betriebsversuche gescheitert waren, verkaufte die Stadt das Baudenkmal an den Immobilienunternehmer Marc Asbeck und steckte den Erlös in die Rücklage für das World Conference Center (WCCB). Asbeck konnte 2010 die Post als Mieter gewinnen, die in der Nachbarschaft weitere Immobilien nutzt.

In Belegschaftskreisen stößt der Zeitpunkt auf Verwunderung. Schließlich sei das Casino im Posttower in Stoßzeiten häufig überbelegt. Rund 2200 Beschäftigte arbeiten in dem Bürohochhaus. Sprecherin Braselmann beruhigt: „Für unsere Mitarbeiter werden wir das Angebot ersetzen, indem wir die Auswahl in den bestehenden betriebsgastronomischen Einrichtungen erweitern.“ Das kulinarische Angebot auf dem Post Campus sei in den letzten Jahren immer vielfältiger geworden. Das Casino im Posttower, das World Café Mississippi, das Bistro Nil sowie die Cafés in der Johanniter Straße und im Pakethaus auf dem Post Campus böten abwechslungsreiche Speisekarten. Ab kommender Woche werde den Mitarbeitern ein weiteres Mittagsangebot in der Post Tower Lounge zur Verfügung stehen. Dort soll ein Asia-Bistro einziehen.

Folgenutzung noch unklar

Ob und welche Folgenutzung es für die Presseclub-Villa mit ihren 1300 Quadratmetern Bürofläche geben könnte, bleibt unklar. Eigentümer Asbeck hat eine Anfrage des General-Anzeigers unbeantwortet gelassen.

Asbeck plant in unmittelbarer Umgebung im Bundesviertel drei spektakuläre verglaste Bürohochhäuser. Auf dem Gelände der ehemaligen niedersächsischen Landesvertretung an der Kurt-Schumacher-Straße soll das Projekt Greengate mit einer Nutzfläche von über 14 000 Quadratmetern entstehen. 2020 solle es bezugsfertig sein, heißt es auf Asbecks Homepage. Der Post-eigene Kindergarten wurde dazu abgerissen. Das Gebäude der Landesvertretung steht indessen noch. Von Bauarbeiten ist bislang nichts zu sehen.

Ursprünglich wollte hier die Post als Mieterin rund 1000 ihrer Beschäftigten aus verschiedenen im Stadtgebiet verteilten Gebäuden zusammenziehen. Auf Asbecks Homepage wird derzeit allerdings kein künftiger Mieter genannt. Bei der Post heißt es dazu lediglich, man sei „derzeit mitten im Prozess vielfältiger Abstimmungen“ und werde sich „gegenwärtig nicht äußern“.