Bald Tempo 30

Chaos nach Sperrung auf der Reuterstraße

Eine Baustelle an der Ecke Hausdorffstraße führt zu langen Staus auf der Reuterstraße - und zu Schleichverkehr in den Nebenstraßen.

Eine Baustelle an der Ecke Hausdorffstraße führt zu langen Staus auf der Reuterstraße - und zu Schleichverkehr in den Nebenstraßen.

Bonn. Eine Baustelle auf der Reuterstraße führt derzeit zu massiven Beeinträchtigung des Verkehrs. Nicht die einzige Diskussion rund um die vielbefahrene Straße. Auf den Luftreinhalteplan und die damit verbundene Tempo-30-Zone gibt es unterschiedliche Reaktionen.

Die Reuterstraße beschäftigt zurzeit Autofahrer aus nah und fern. Nicht nur wegen einer angedachten dauerhaften Reduzierung auf Tempo 30 zwecks Verbesserung der Luftqualität, sondern auch, weil es dort und in den Nebenstraßen seit Freitagmorgen wegen Bauarbeiten und einer Umleitung nur schleppend bis gar nicht vorangeht. Daran wird sich bis kommenden Montag auch nichts ändern.

Grund für das Verkehrschaos ist eine Teilsperrung wegen Bauarbeiten am Gleisbogen an der Ecke Hausdorff-/Reuterstraße. Für Autofahrer ist eine Umleitung eingerichtet. In Richtung Bad Godesberg wird der Verkehr an der Ecke Bonner Talweg in Richtung Kessenich über die Eduard-Otto-Straße abgeleitet. Entsprechende Schilder sind aufgestellt.

Wann Tempo 30 auf der Reuterstraße gelten wird, hängt davon ab, wie schnell sich Stadt Bonn, Straßen NRW und die Bezirksregierung Köln im Zuge des neu aufgelegten Luftreinhalteplans für Bonn auf eine eng mit dem Tempolimit verknüpfte neue Beschilderung auf den Autobahnen um Bonn herum einigen können. Wie berichtet, sollen vor allem ortsunkundige Autofahrer, die in Richtung Bad Godesberg wollen, weiträumig umgeleitet werden, damit der Verkehr auf der Reuterstraße reduziert wird. Es ist eine der Maßnahmen, um im Luftreinhalteplan ohne Fahrverbote auf der Reuterstraße auszukommen.

Die Reaktionen aus Politik, Wirtschaft und Umweltverbänden auf den neuen Luftreinhalteplan fallen unterschiedlich aus. Christian Gold (CDU) begrüßte, dass es keine Fahrverbote geben soll. Diese hätten lediglich zu Ausweichverkehr auf andere Straßen geführt. „Dies zeigt, dass wir mit den Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität in Bonn auf dem richtigen Weg sind.“ Allerdings dürften Politik und Verwaltung die Hände nicht in den Schoß legen, sondern müssten sich weiter um eine kontinuierliche Verbesserung der Luftqualität bemühen.

"Gesundheit steht an erster Stelle"

„Für uns steht die Gesundheit aller Bonnerinnen und Bonner an erster Stelle. Dass wir Tempo 30 auch in anderen Straßen bevorzugen würden, haben wir bereits oft genug betont“, erklärte Grünen-Ratsherr Rolf Beu. Daher begrüße seine Fraktion die Temporeduzierung auf der Reuterstraße. Die Änderung der Autobahnbeschilderung sei dagegen „teuer und überflüssig“. Hans-Dieter Weber, früher Leiter der Bonner Lokalredaktion des General-Anzeigers , erinnerte daran, eine Umleitung der Autofahrer von der A 555 aus Köln kommend über die Nord- und Südbrücke in Richtung des damaligen Regierungsviertels habe es schon einmal vor Jahrzehnten gegeben. Die Beschilderung sei dann wieder verschwunden. „Das hat wohl nicht funktioniert“, schreibt er.

SPD-Fraktionschefin Angelika Esch sagte, mit dem Luftreinhalteplan würden Maßnahmen auf den Weg gebracht, die die SPD schon lange fordere. Ihr Fraktionskollege Stephan Eickschen weist allerdings daraufhin, dass die Maßnahmen lediglich auf der Basis von Rechenmodellen als erfolgversprechend ausgewählt wurden. „Bei allem Verständnis für normierte Rechenverfahren muss sich in der Praxis erweisen, ob Tempo 30 auf einer vierspurigen Ein- und Ausfallstraße eher ein Verzweiflungsakt ist oder tatsächlich zu besserer Luft führt.“

Viele offene Fragen

Für Marcel Schmitt (BBB) enthält der Luftreinhalteplan dagegen zu viele offene Fragen, vor allem hinsichtlich der tatsächlichen Wirksamkeit der Maßnahmen. Der Bürger Bund Bonn hat deshalb eine gemeinsame Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses beantragt. Die Handwerkskammer zu Köln lobt den neuen Luftreinhalteplan für Bonn, weil er ohne Fahrverbote auskomme. Allerdings spricht sie sich gegen Tempo 30 auf der Reuterstraße aus.

Vernichtend fällt das Urteil des BUND aus. Laut Manfred Roth seien die im Luftreinhalteplan enthaltenen Prognosen für die Reduzierung der Stickstoffoxide „bewusst schöngeredet“, um Fahrverbote für Bonn zu vermeiden. Die Stadt Bonn und die Bezirksregierung hätten „ihre Hausaufgaben“ nicht gemacht.

Mit Behinderungen rechnen müssen Autofahrer ab kommendem Montag auch im Bonner Zentrum. Das Tiefbauamt lässt an der vielbefahrenen Kreuzung Berliner Platz/ Bornheimer Straße/Am Alten Friedhof die abgesackte Fahrbahndecke sanieren. Die Arbeiten sollen voraussichtlich acht Werktage dauern und bedeuten eine Vollsperrung in Fahrtrichtung Thomastraße. Eine Umleitung erfolgt über die Bornheimer und Ellerstraße.

Mit Behinderungen rechnen müssen Autofahrer ab kommendem Montag auch im Bonner Zentrum. Das Tiefbauamt lässt an der vielbefahrenen Kreuzung Berliner Platz/ Bornheimer Straße/Am Alten Friedhof die abgesackte Fahrbahndecke sanieren. Die Arbeiten sollen voraussichtlich acht Werktage dauern und bedeuten eine Vollsperrung in Fahrtrichtung Thomastraße. Eine Umleitung erfolgt über die Bornheimer und Ellerstraße.