Kommentar zum ehemaligen Schlachthof-Gelände

Chance auf großen Wurf

Der alte Schlachthof an der Immenburgstraße ist verlassen und verwahrlost.

Der alte Schlachthof an der Immenburgstraße ist verlassen und verwahrlost.

Bonn. Sowohl Stadtwerke als auch private Investoren wollen der Stadt das ehemalige Schlachthof-Gelände abkaufen. Die Verkaufsentscheidung trifft am Ende der Bonner Stadtrat. Ein Kommentar.

Im Jahr 2012 mussten auf Druck der Stadtverwaltung die letzten Gewerbetreibenden aus dem ehemaligen Schlachthof an der Immenburgstraße weichen. Ihr Frust wäre wohl noch viel größer gewesen, wenn sie gewusst hätten, dass in der Weststadt eine der berüchtigten Bonner Hängepartien begonnen hatte. Denn seitdem passiert auf dem Gelände in zentraler Lage nur noch eins: Die alten Gebäude verfallen immer mehr und werden zum Sicherheitsrisiko. Die schöne Idee einiger Kulturmacher, auf dem Areal eine Konzerthalle zu bauen, versandet seit sechs Jahren.

Dabei hat diese städtische Immobilie großes Potenzial. Zwar dürften die Kosten für Abriss und Erdreichsanierung über dem Bodenwert von 3,3 Millionen Euro liegen. Aber das, was man auf diesem Grundstück errichten und vermarkten kann, verspricht immer noch üppige Gewinne für den Bauherren. Kein Wunder also, dass der Bonner Unternehmer Detlev Klaudt und seine Partner diese Chance nutzen wollen – zumal sie das Gelände zusammen mit benachbarten Flächen entwickeln könnten.

Doch warum sollte die Kommune dieses Potenzial nicht selbst nutzen? Perfekt wäre dafür die Stadtentwicklungsgesellschaft geeignet, die sich die Ratskoalition wünscht. Der Prüfantrag an die Stadtverwaltung allerdings läuft seit sechs Monaten. Und läuft. Und läuft. Deshalb ist das Kaufangebot der Stadtwerke für das Schlachthofgelände wahrscheinlich der schnellste Weg, das Trauerspiel an der Immenburgstraße zu beenden. Was den Stadtwerken nützt, ist zum Wohl der ganzen Stadt und ihrer Bürger. Mögliche Interessenkonflikte mit der benachbarten Müllverbrennungsanlage, die bisher wohl auch das Projekt Konzerthalle ausgebremst haben, würden innerhalb des städtischen Konzerns geregelt.

Und die Stadtwerke sind offenbar auch bereit, neben eigenen Bauvorhaben auf dem Gelände weiter über den Westwerk-Plan zu verhandeln. Ein solches Veranstaltungszentrum für populäre Musik wäre eine Bereicherung für Bonn, ein urbaner Anziehungspunkt in einer bisher eher unattraktiven Gegend. Wenn es den Stadtwerken gelingen würde, mit dem Eigentümer der Nachbargrundstücke eine Flächenarrondierung zu vereinbaren, könnte in der Weststadt ein wirklich großer Wurf gelingen.