Fridays for Future

Bonner Studenten engagieren sich für Klimaschutz

Treffen mit Klimaaktivist Luca Samlidis im Foyer des WCCB.

Treffen mit Klimaaktivist Luca Samlidis im Foyer des WCCB.

Bonn. Luca Samlidis und Phillip Hübenthal engagieren sich für den Klimaschutz. Die beiden Studenten haben sich auf der Klimakonferenz mit UN-Vertretern getroffen.

Im World Conference Center Bonn (WCCB), wo noch bis diesen Donnerstag rund 3000 Experten über den Klimaschutz diskutieren, wollen Luca Samlidis (19) und Phillip Hübenthal (24) nicht fehlen. Die beiden Studenten engagieren sich in der Bewegung „Fridays for Future“ und haben am vorigen Freitag an vorderster Stelle in Aachen mit demonstriert. „Jetzt ist der Zeitpunkt, wo wir noch etwas bewegen können“, sagt Luca in einer Pause zwischen zwei Veranstaltungen, die er mit Phillip auf der Konferenz besucht.

Luca ist mittlerweile einer der Hauptorganisatoren der „Fridays for Future“-Bewegung in Bonn. Der Funke ist bei der ersten Demonstration im Januar auf dem Münsterplatz übergesprungen, sagt er. Seither ist der 19-Jährige mit vollem Einsatz dabei. „Es ist ein Vollzeitjob“, gesteht er, aber er schaffe es immer noch, fürs Studium zu lernen und auch seinen Studentenjob beim Institut der Deutschen Wirtschaft auszufüllen. „Ich schlafe dafür wenig“, sagt der ziemlich ausgeschlafen wirkende junge Mann mit Einser-Abitur, der in Bonn im zweiten Semester Politik, Soziologe und Internationale Kommunikation studiert. Reden kann er wie ein Wasserfall: Wenn ihn jemand frage, ob Bildung nicht wichtiger sei als freitags zu demonstrieren, antwortet der frühere Landesschülersprecher: „Was nützt uns die Bildung, wenn die Welt zugrunde geht?“ Und für ihn sei der Einsatz für den Klimaschutz ohnehin auch Bildung.

Phillip nickt. Ja, das sehe er genauso. Der angehende Geowissenschaftler studiert ebenfalls in Bonn und ist ein nachdenklicher Mensch. Er gehört der Bonner Hochschulgruppe „Fridays for Future“ an und engagiert sich bei „Extinction Rebellion“, einer weltweiten Bewegung gegen das Massenaussterben von Tieren und Pflanzen. „Ich weiß, man kann nicht von heute auf morgen die Welt verändern. Aber wir müssen endlich mehr tun. Wenn Tausende Seesterne am Strand liegen, ich würde versuchen, einen nach dem anderen ins Meer zurückzuwerfen, auch wenn ich weiß, dass ich nicht alle retten kann.“

Persönlicher Austausch ist wichtig

Die Studenten kommen aus politisch interessierten und diskussionsfreudigen Elternhäusern, merkt man, parteilich binden wollen sie sich aber nicht. „Unser Platz ist die Straße“, sagt Luca. Und: „Wir wollen keine feste Strukturen, wir wollen unseren Protest so niederschwellig wie möglich halten.“ Die wachsende Zahl der demonstrierenden Schüler und Studenten an den Freitagen zeigten ihm, dass dieser Weg richtig sei. „Es werden immer mehr. In Aachen letzten Freitag waren wir rund 40.000, ich habe es selbst kaum fassen können.“ Luca und Phillip sehen die Grünen kritisch: „Die waren doch auch mal in der Regierungsverantwortung, sind damals aber viel zu viele Kompromisse eingegangen“, so Luca. Dass die Partei jetzt ernsthaft etwas ändern wolle, „glaube ich erst, wenn ich es sehe“.

Zum Auftakt der Klimakonferenz, die den Weltklimagipfel im Dezember in Chile vorbereitet, hat Luca auch Patricia Espinosa getroffen und mit der Exekutivsekretärin des in Bonn ansässigen Klimasekretariats ein paar Worte wechseln können. „Sie hatte vorher in ihrer Rede schon sehr scharfe Worte gewählt. Aber es waren eben wieder nur Worte. Das habe ich ihr natürlich so nicht gesagt. Da bin ich natürlich diplomatisch“, sagt Luca und lacht. Mit Phillip ist er sich einig: Auch wenn viele zur Klimakonferenz mit dem Flugzeug anreisten, so sei es doch wichtig, sich auch persönlich auszutauschen. „Aber innerhalb Deutschlands zu fliegen, das geht gar nicht“, meint Phillip und regt sich zudem darüber auf, dass Bahnfahren so teuer sei. Schließlich haben weder er noch Luca einen Führerschein. Während der 19-Jährige „ganz selten“ Fleisch isst, ist der 24-Jährige inzwischen Vegetarier. Andere Menschen in dieser Hinsicht missionieren, das wollen sie aber nicht. „Jeder Mensch trifft seine eigene Entscheidung – so, wie er kann.“

Was hat sich seit ihrem Engagement für den Klimaschutz für sie verändert? „Der Freundeskreis ändert sich“, sagt Luca. Er hat Glück: Seine Freundin, eine Abiturientin, ist wie er mit ganzem Herzen bei der „Fridays for Future“-Bewegung dabei. Phillip ist zurzeit solo und arbeitet nebenher in Köln, wo er auch wohnt, als Sporttrainer mit Kindern. „Das ist sowieso das Beste, was man machen kann: Man muss Kinder frühzeitig für den Klimaschutz interessieren.“