Wohnungseinbrüche in der Region

Bonn - Die Hauptstadt der Einbrecher

Kontrollpunkt Niederbachem: Auf der Konrad-Adenauer-Straße überprüfen Beamte im vergangenen Dezember auf der Suche nach Einbrechern zahlreiche Fahrzeuge. Archivfoto: Axel Vogel

BONN/RHEIN-SIEG-KREIS. Bonn ist zu einer Art "Hauptstadt der Einbrecher" geworden - das will Udo Schott, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Bonn, nicht bestreiten: "Zwischen 2004 und 2013 haben die Einbrüche um rund 50 Prozent zugenommen. Das ist schon erheblich."

Daher müsse die Polizei mehr jüngeres Personal einsetzen, zudem eine bessere Präsenz auf den Straßen zeigen sowie für eine schnellere Auswertung von DNA-Spuren nach Einbrüchen sorgen: "Oft muss man monatelang auf ein Untersuchungsergebnis warten."

Bonn ist bundesweit Spitze, was die Zahl der Wohnungseinbrüche angeht. Das geht laut einem Medienbericht aus der Kriminalstatistik 2013 des Bundes hervor. Demnach wurden in Bonn 563 Einbrüche pro 100.000 Einwohner registriert. Den Bericht wollte die Bonner Polizei gestern nicht kommentieren. Sprecher Frank Piontek verweist auf die im März vorgestellte Kriminalitätsstatistik der Bonner Polizei. Danach wurden in der Stadt Bonn 529 Einbrüche pro 100.000 Einwohner registriert. Dass selbst diese Zahlen bundesweit ihresgleichen suchen, dementierte gestern im Ramersdorfer Polizeipräsidium niemand.

Dass Wohnungseinbrüche nach wie vor "ein großes Problem in Bonn und der Region sind", will Kriminalrat Dirk Schuster, Leiter der zuständigen Kriminaldirektion, nicht leugnen. Daher setze man gerade in diesem Bereich so viel Personal ein wie in keinem anderen Bereich. Ermutigend findet Schuster, dass der starke Anstieg der Einbruchszahlen aus dem Jahr 2012 gestoppt werden konnte: "Im zweiten Halbjahr 2013 verzeichnen wir einen deutlichen Rückgang der Wohnungseinbrüche um 25,4 Prozent.

Interaktive Karte: Hier schlagen Einbrecher besonders häufig zu

 

Dieser Trend setzt sich auch in den ersten Monaten dieses Jahres fort." Laut Schuster "bietet die innerstädtisch gut ausgeprägte Infrastruktur, zu der auch ein gutes Verkehrsnetz mit entsprechender Autobahnanbindung gehört, insbesondere für überörtlich agierende Banden, aber auch ortsansässige Täter Anreize".

Hermann-Josef Borjans, Mitglied im Bundesvorstand des Bundes Deutscher Kriminalbeamten, sagt: "Die Kripo muss dauerhaft mit mehr Personal und intensiven Ermittlungen mithalten." Schließlich sei es erforderlich, die Hehler zu finden und die Orte zu kennen, wo das Diebesgut umgesetzt wird. "Das erfordert Spezialisten", so Borjans. Hinzu komme: "Die Fahnder finden oft im Internet das Diebesgut, können aber wegen fehlender Vorratsdaten bei den Providern die Anbieter nicht ermitteln."

Auch aus Sicht von Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch sind die Zahlen beunruhigend: "Aus kontinuierlichen Gesprächen mit der Polizeipräsidentin weiß ich, dass die Bekämpfung der Einbruchskriminalität ein Schwerpunkt ihrer Behörde ist", sagte Nimptsch: "Ich habe vollstes Vertrauen in die Polizei, dass sie das ihr Mögliche tut, um die Situation zu entschärfen, und appelliere an unsere Bürger, auch das Ihre für einen guten Einbruchsschutz in der eigenen Wohnung zu tun. "

Die SPD-Landtagsabgeordneten Renate Hendricks und Bernhard von Grünberg betonen: "Darum werden wir uns weiterhin besonders kümmern müssen." Schließlich hätten Umfragen bestätigt, "dass die Sicherheitslage vor Ort als eines der drängendsten Probleme wahrgenommen" werde.

Versicherer zahlen 480 Millionen Euro

150.000 versicherte Wohnungseinbrüche gab es 2013 in Deutschland. Das ist der höchste Stand seit 2004 in der Bilanz der Hausratversicherer. Innerhalb der vergangenen vier Jahre hat die Zahl der Schäden um rund 35 Prozent zugenommen.

Nach den vorläufigen Auswertungen zahlten die Versicherer im vergangenen Jahr 480 Millionen Euro und damit 20 Millionen mehr als noch im Jahr zuvor. Diese Zahlen hat gestern der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft in Berlin veröffentlicht. "Die Kosten für Einbruchschäden bewegen sich auf Rekordniveau", sagt Jörg von Fürstenwerth vom GDV. Der durchschnittliche Schaden nach einem Einbruch liege bei 3300 Euro.

Daten: Entwicklung der Einbruchszahlen in der Region