Zum Jubiläumsjahr 2020

Beethovenjahr soll mehr Touristen nach Bonn ziehen

Bonn. Die Tourismus- und Congress-GmbH rechnet 2020 in Bonn mit fünf Prozent mehr Gästen. Das Beethovenjahr soll dabei ein Zugpferd werden.

Vom Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 erhofft sich die Tourismus und Congress GmbH (T&C) fünf Prozent mehr Gäste in der Stadt im Vergleich zu 2019. Diese Erwartung äußerte Geschäftsführer Udo Schäfer im Gespräch mit dem General-Anzeiger.

Ziel müsse es sein, auch darüber hinaus neben dem boomenden Geschäftsreiseverkehr in die Bundesstadt verstärkt Touristen anzusprechen. Diese sollen helfen, die Auslastung der hiesigen Hotels zwischen Freitag und Montag zu steigern. „Wenn wir auch den Anteil der Freizeittouristen mittelfristig um fünf Prozentpunkte steigern könnten, wäre das ein toller Erfolg“, sagte Schäfer.

Seit nunmehr zehn Jahren lässt T&C das Tagungsgeschäft jährlich vom Institut für Tourismusforschung erfassen. Etwa vier von fünf Bonn-Besuchern kommen demnach aus geschäftlichem Anlass – und zwar wiederum zu 70 Prozent aus einem Umkreis von 200 Kilometern aus NRW, dem südlichen Niedersachsen und aus Rheinland-Pfalz. Diese Quote sei laut Schäfer vergleichbar mit anderen Großstädten.

Im Ergebnis zeigen die Vergleichswerte stark nach oben: „Von 2009 bis 2018 stieg die Zahl der Veranstaltungen von rund 23.400 auf 32.370. Die Zahl der Teilnehmer wuchs von 1,6 Millionen auf 2,39 Millionen an“, so T&C-Vertriebsleiter Ulrich W. Jünger. Enthalten in diesen Zahlen sind Großveranstaltungen wie die Hauptversammlungen von Post und Telekom ebenso wie kleine Workshops oder Seminare von Verbänden oder wissenschaftlichen Instituten mit bis zu 50 Teilnehmern.

Aus Sicht der Touristiker ist deshalb ein entscheidender Standortvorteil, dass Bonn nicht nur das hochwertige World Conference Center Bonn (WCCB) zu bieten hat, sondern auch günstigere Alternativen wie die Stadthalle Bad Godesberg oder die größeren und kleineren Tagungsräume zahlreicher Hotels.

Beethoven-Jubiläum soll auch langfristig Schub bringen

Die Kurven zeigen eindeutig: In den Jahren 2009 bis 2013 startete Bonn nach Bekanntwerden des WCCB-Skandals und in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise zunächst mit einem kräftigen Abschwung. Die Stadt büßte bundesweit ihren guten Ruf ein. Das Bild hat sich inzwischen umgekehrt. 2018 gab es ein Plus bei den Tagungsteilnehmern von 5,9 Prozent. Auch für 2019 rechnet T&C mit Wachstum, auch wenn die Halbjahreszahlen noch nicht auf dem Tisch liegen. „Und 64 Prozent aller Veranstalter kommen wieder“, freut sich Schäfer, „das heißt, wir haben offenbar vieles richtig gemacht“.

Allerdings gibt Schäfer auch zu: Die Ministerien und Institutionen des Bundes sind neben der UN der Haupttreiber der Entwicklung. Ein Komplettabzug der Ministerien würde auch Gastgewerbe und Tagungsgeschäft empfindlich treffen. In der Wirtschaft stammen die Gäste aus den Geschäftsbereichen IT und Telekommunikation, Medizin und Pharma sowie Banken und Versicherungen.

Die Zahl der Übernachtungen stieg im selben Zeitraum weniger sprunghaft, aber dafür neun Jahre in Folge. Sie wuchs um insgesamt 40 Prozent von 1,14 Millionen 2009 auf 1,59 Millionen 2018. Bonn liegt damit elf Prozent über der NRW-weiten Entwicklung. Obwohl zusätzliche Hotelbetten das Angebot bereichert haben, ist die Auslastung aller Beherbergungsbetriebe so von 42 auf 48,8 Prozent im vergangenen Jahr angestiegen. Im Vergleich: In Köln lag die Auslastung 2018 bei 44,5, in Düsseldorf bei 48,3 Prozent.

„Von Dienstag bis Donnerstag sind die meisten Häuser oft nahezu ausgelastet“, sagt Schäfer. Gerade mit Blick auf den internationalen Markt will er deshalb verstärkt längere Veranstaltungen akquirieren, die auch ein Wochenende einschließen. Schon heute bleibe der Geschäftsreisende im Schnitt 1,7 Tage in der Stadt, NRW-weit lediglich 1,4 Tage.

Die Zahl der Übernachtungen steigt

Neun von zehn Besuchern erscheine die Stadt attraktiver als Einheimischen, glaubt Bonns Chef-Touristiker. Allerdings habe sich Bonn in vielen Köpfen nach dem Umzug von Regierung und Parlament in die Bedeutungslosigkeit verflüchtigt. „Das Beethoven-Jubiläum ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, das zu ändern“, glaubt Schäfer.

Er will das Erlebnis der Geburtsstadt des Komponisten mit anderen Vorzügen wie der Lage am Rhein und der Nähe zum Siebengebirge verzahnen. China, Japan, die USA und die Benelux-Länder seien dafür neben dem Inlandstourismus die größten Zielmärkte. So werden die Inhalte auf der Homepage von bonn-region.de bereits auf Chinesisch und Japanisch angeboten.