Bonner Original in Kessenich beerdigt

Abschied vom Alle-mal-malen-Mann

Bonn. Der Alle-mal-malen-Mann ist auf dem Kessenicher Friedhof am Buchenhang beerdigt worden. Bei der Trauerfeier wurde auch ein Geheimnis um den Verstorbenen gelüftet.

Abschied von einem Bonner Original. Rund 60 Menschen waren am Samstagvormittag auf den Kessenicher Bergfriedhof zur Trauerfeier und Beerdigung für Jan Loh alias Alle-mal-malen-Mann gekommen. Der 86-Jährige, der über viele Jahre allabendlich Menschen in Bonner Kneipen zeichnete, war Anfang März gestorben. Bei der Beerdigung wurde auch Jan Lohs richtiger Name bekannt: Ferdinand Johannes Gödde.

In der Kapelle war neben der Urne ein Bild von Loh aufgestellt, vor dem Gebäude konnten Menschen auf Blättern mit den Lebensdaten des Zeichners letzte Grüße hinterlassen. „Jeder hat dich gekannt, keiner wusste, wer du bist“, hatte jemand geschrieben.

Man habe sich eine Nacht in Bonn nicht ohne Jan Loh vorstellen können, sagte Diplom-Theologe Alexander Kirfel, Trauerredner beim Bestattungshaus Muss: „Er fehlt in den Kneipen und Biergärten.“

Als Symbol für Leben und Tod hatte Kirfel eine Sanduhr dabei. Sie zeige, dass die Zeit vergeht und ein Ende habe. „Die Sanduhr von Jan Loh ist abgelaufen“, sagte Kirfel. Lohs Tod erinnere daran, wie zerbrechlich das Leben ist. Kirfel ermunterte die Trauergemeinde, jeden Augenblick des Lebens als Geschenk anzusehen. Weiter bekundete er: „Mit einem Schmunzeln im Gesicht stelle ich mir vor, dass Jan Loh, da wo er jetzt ist, auch seine Frage „Alle mal malen hier?“ stellt und dann zu malen beginnt.

Begleitet wurde die Trauerfeier vom Trompetenspiel von Jürgen Krause. Er habe sich spontan gemeldet, um zu spielen, weil ihm Freundschaft und Gemeinschaft wichtig seien, sagte das Mitglied des Posaunenchors „Greenhorns“ der Evangelischen Kirchengemeinde am Kottenforst.

So kannte und liebte man das Bonner Original: Der Alle-mal-malen-Mann beim Zeichnen.

Nach Kirfels Rede zogen die Menschen aus der Kapelle hinter der Urne her zum Grab. Darunter war auch Uwe Hartig. Er verbinde viele schöne Augenblicke mit dem Alle-mal-malen-Mann, sagte er. Für ihn sei es wichtig, einem Bonner Original die letzte Ehre zu erweisen. „Jan Loh war eine Bonner Figur“, meinte Askan Schmeißer. Er sei ein Beispiel für das Leben der Stadt gewesen.

 

Auch für Thomas Scherrer gehörte der Alle-mal-Malen-Mann wie selbstverständlich zur Bonner Kneipenlandschaft: „Auch wenn er mich nie gemalt hat – leider“, fügte er hinzu. Weiter freute sich Scherrer, dass genug Spenden für die Beerdigung zusammengekommen waren. In der Tat war Loh mittellos. Auch ermittelte Angehörige hätten die Bestattungskosten laut Stadt nicht bezahlen können. Eine Spende von rund 5000 Euro der Zurich-Versicherung sowie weitere kleine Spenden verhinderten eine sogenannte ordnungsbehördliche Bestattung. Mit dem Geld sollen ein Grabstein und die Grabpflege bezahlt werden. Das Bestattungshaus Muss übernahm seine Kosten selbst.

Nachdem die Urne in die Erde gelassen worden war und die Trauergäste mit Blumen Abschied genommen hatten, standen nicht wenige noch beieinander, um sich an den Alle-mal-malen-Mann zu erinnern. Eva, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen wollte, hatte eine Flasche Schnaps mitgebracht, um mit anderen Männern und Frauen auf Jan Loh anzustoßen. Das passe, meinte sie. Schließlich habe sie Loh immer in Kneipen getroffen: „Außerdem hilft ein Schnaps nach einer Beerdigung.“