Hicog-Siedlungen in Tannenbusch und Muffendorf: 75 Wohnungen stehen seit Jahren leer

Hicog-Siedlungen in Tannenbusch und Muffendorf : 75 Wohnungen stehen seit Jahren leer

Die Sanierung der Hicog-Siedlungen in Tannenbusch und Muffendorf kommt nur schleppend voran. Die Mieter kritisieren daher jetzt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima).

In ganz Bonn herrscht Wohnraummangel. Doch gerade die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) lässt seit Jahren Wohnungen in den Hicog-Siedlungen in Tannenbusch und Muffendorf leer stehen – aktuell insgesamt 75 Wohneinheiten. Die Bima gibt als Grund an, dass die Gebäude und Räume vorher saniert werden müssten. Zudem machten bleihaltige Trinkwasserleitungen Probleme. In den kommenden zwei Jahren will sie zusätzlich 20 Millionen Euro in Umbauten der beiden Siedlungen investieren.

Wenn Klara Geilenkirchen von der Hicog-Siedlung Tannenbusch spricht, hat sie nur Positives zu berichten: „Sie liegt unmittelbar am Naturschutzgebiet Düne. Mit dem Fahrrad bin ich in circa 15 Minuten in der Innenstadt. Die Bahnen der Linien 63 und 16 halten vor der Haustür.“ Sie fragt sich, warum es seit Jahren einen großen Leerstand in den Wohnungen gibt, die in den 1950er Jahren für die Mitarbeiter der US-amerikanischen Hochkommission errichtet wurden – obwohl der Wohnraum in der Stadt knapp ist.

Tatsächlich sind in Tannenbusch 34 Wohneinheiten unvermietet, in Muffendorf stehen 41 Wohnungen leer. An der Düne entspricht das einem Leerstand von rund zehn Prozent. Blickt man auf die vergangenen Jahre zurück, hat sich aber einiges getan. Die Quote lag mal bei knapp 20 Prozent. „Um die Vermietungsfähigkeit der Bonner Hicog-Siedlungen zu verbessern und sie baulich und energetisch an heutige Standards heranzuführen, bauen wir seit einigen Jahren verstärkt“, sagt Bima-Sprecher Thorsten Grützner. Seit 2013 sind rund 15 Millionen Euro investiert worden; in Tannenbusch sieben, in Muffendorf acht Millionen Euro. So seien Fensterfronten, Notfalltreppenhäuser und Garagenhöfe saniert, Balkone nach Vorgaben des Denkmalschutzes erneuert sowie Malerarbeiten an verschiedenen kleinen Gebäuden erledigt worden.

Trinkwasserleitungen verzögern Sanierung

Dass es dennoch nur schleppend vorangeht, liegt laut Grützner an den alten, bleihaltigen Trinkwasserleitungen. „Die haben unsere Planung durchkreuzt. Wir können sie nur im Strang sanieren, alles andere wäre unwirtschaftlich“, erklärt er. Das bedeutet: Erst wenn mehrere Wohnungen, die über dasselbe Leitungssystem angebunden sind, leer stehen, können die Rohre getauscht werden. „Würde also nur eine Wohnung vorab renoviert, reißen wir für die spätere Leitungssanierung ein zweites Mal die Kacheln heraus.“

Außerdem brauche man Ausweichquartiere, weil wahrscheinlich nie alle Wohnungen an einem Strang frei seien. „Für mehrere Wochen hätten die Bewohner dann kein Wasser. Deshalb ist es komfortabler, wenn sie kurzzeitig in umliegende Wohnungen umziehen.“ Ende 2018 will die Bima nacheinander mit den Sanierungen in Tannenbusch, Muffendorf und an der Arminiusstraße beginnen. Nach anderthalb Jahren sollen sie abgeschlossen sein. Dafür wird zusätzlich ein zweistelliger Millionenbetrag eingeplant.

Der Unmut ist bei einigen Bewohnern der Hicog-Siedlungen dennoch groß. „Es entsteht der Eindruck, dass kein Interesse daran besteht, das hier zu erneuern“, sagt Thomas Faßbender, der in Tannenbusch lebt. In den vergangenen Jahren habe es immer wieder Sanierungspläne gegeben, die dann doch nicht komplett umgesetzt worden seien. Das Gebäude, in dem in Tannenbusch Flüchtlinge lebten, sei in einem extrem schlechten Zustand. Die Dormitories, die alten Schlafsäle, hätten Schimmel im Keller. Auf Fragen an die Baugrund Immobilien Management GmbH, die die Liegenschaften für die Bima verwaltet, bekomme man spärliche oder gar keine Antworten. Ideen und Wohnkonzepte, die man vorbringe, fänden kein Gehör.

„Nach wie vor zählt Tannenbusch in der Wahrnehmung der Bonner Bevölkerung leider nicht zu den attraktivsten Wohngegenden Bonns“, entgegnet Grützner und versichert, dass man die Siedlung nicht verkaufen oder gar abreißen wolle. Zwar gab es vor einigen Jahren Gespräche, um Wohnungen für Studenten anzumieten. Aus wirtschaftlichen Gründen machte das Studentenwerk aber einen Rückzieher – die Mieten waren nicht erschwinglich.

40 Interessenten, aber keiner sagt zu

Die kleinsten Wohnungen kosten in Tannenbusch und Muffendorf zwischen 400 und 500 Euro warm, Zweizimmerwohnungen sogar an die 700 Euro. „Der Preis ist doch etwas hoch“, so Achim Könen von der Nachbarschaftsinitiative Dünenfüchse. Es sei vorgekommen, dass 40 Leute eine Wohnung besichtigt hätten, dann aber nicht zugesagt hätten, weil der Zustand der Wohnung für die geforderte Miete zu schlecht gewesen sei.

Bis 2020 sollen die Siedlungen attraktiver werden. „Neben weiteren Fassadenanstrichen, insbesondere an den kleineren Gebäuden, wird es umfangreiche Maßnahmen an den Laubenganggebäuden geben“, sagt Bima-Sprecher Grützner. Beispielsweise will man Fenster erneuern. „Durch die Umgestaltung von Wohnungsgrundrissen wollen wir die Räume marktgängiger machen.“ Zusätzlich plane man, im Frühjahr mit dem Bau eines außen liegenden Aufzugs zu beginnen.

Die Sanierung der Dormitories in beiden Siedlungen, in denen Flüchtlinge untergebracht seien, werde noch dauern. Dort könne die Bima erst beginnen, wenn die Flüchtlinge ausgezogen seien.

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