Empfehlung der Stadt

70 Millionen für 26 neue Bahnen in Bonn

Eine Niederflurbahn der Linie 61 vor dem Hauptbahnhof.

Eine Niederflurbahn der Linie 61 vor dem Hauptbahnhof.

Bonn. Die Stadtwerke Bus und Bahn (SWB) sollen 26 neue Niederflurbahnen für rund 65 bis 70 Millionen Euro kaufen, um die maroden alten zu ersetzen.

Zusätzlich gibt es noch eine Option zum Kauf neun weiterer Bahnen. Eine entsprechende Ausschreibung empfiehlt die Verwaltung der Politik.

Das wären zwei Bahnen mehr als derzeit, aber drei weniger als notwendig, um dem vorausgesagten Pendleranstieg gerecht zu werden. Im Planungsausschuss kommende Woche wird dieser Vorschlag erstmals auf der Tagesordnung stehen. Er umfasst nicht nur die Neuanschaffung, sondern auch Zukunftsprojekte, um das Nahverkehrsnetz in Bonn auszubauen.

23 Jahre im Dienst: Die Niederflurbahnen verkehren überwiegend auf den Straßenbahnlinien 61 (Auerberg bis Dottendorf), 62 (Oberkassel bis Dottendorf), seltener auf der 65 (Auerberg bis Ramersdorf) und brauchen im Gegensatz zu Hochflurbahnen keinen hohen Bahnsteig, um ein barrierefreies Einsteigen zu ermöglichen. Die 1994 angeschafften Altbahnen stellen nach einem Gutachten des Tüv Rheinland zwar „keine unmittelbare Gefahr dar”, sind aber in einem schlechten Zustand und müssten aufgrund verrosteter Böden und Querträger, Materialschwund und Lochfraß an vielen Stellen entweder bis 2020 saniert oder ersetzt werden.

Der Tüv hatte im Auftrag der SWB-Tochter Bus und Bahn einen Vergleich verschiedener Handlungsoptionen durchgerechnet. Ergebnis: Der Kapitalwert für den Neuankauf von 26 Bahnen liegt mit rund 87 Millionen Euro eine Million Euro günstiger als die nächstbeste Option. Eine Zweiterstellung, also eine komplette Aufarbeitung wie bei den Hochflurbahnen sei deshalb „nicht sinnvoll“. Dass es nun nach Schätzung von SWB und Stadt deutlich billiger kommen soll, begründet SWB-Sprecher Werner Schui mit eigenen Berechnungen und Markteinschätzungen. Die Investition hatte in den vergangenen Wochen für Diskussionen gesorgt. Dass die SWB neue Bahnen brauchen, ist zwar lange bekannt. Erst kurz vor Ende des Bürgerentscheids zum Schicksal des Kurfürstenbads wurde allerdings öffentlich, dass diese Ausgaben möglicherweise Steuervorteile für das neue Bad in Dottendorf gefährden könnten. Im Gegensatz zur Koalition sieht die Opposition einen Zusammenhang zwischen ÖPNV-Ausbau und dem Neubadprojekt.

Neufahrzeuge werden aufgestockt

Neue Bahnen: Nach Vorstellung von SWB und Stadt sollen sie in etwa denen der heutigen Niederflurbahnen mit rund 30 Metern Länge und 2,40 Metern Breite entsprechen. Der Nahverkehrsplan von 2002 sah deutlich längere Bahnen zwischen 42 und 53 Metern vor. Laut Verwaltungsvorlage hält die Stadt solche Fahrzeuge erst bei der übernächsten Fahrzeuggeneration für notwendig. Um den steigenden Bedarf decken zu können, wollen sie die Zahl der Bahnen von derzeit 24 auf 26 Neufahrzeuge aufstocken. Notwendig wären allerdings 29 Bahnen, um in einigen Jahren das Fahrgastaufkommen bewältigen zu können. Aus der Verwaltungsvorlage geht auch hervor, dass mehr Flächen für Kinderwagen und Rollstühle gewünscht sind. Die Wirtschaftlichkeit einer Klimaanlage soll im Rahmen der Ausschreibung zumindest geprüft werden.

Ausbau der Trassen: Ein weiterer Grund, warum längere und breitere Fahrzeuge für die SWB derzeit nicht infrage kommen, ist die Infrastruktur: Viele Haltestellen sind zu kurz, an einigen Stellen zwischen Auerberg und Dottendorf kämen breitere Bahnen nicht aneinander vorbei. Die kommenden Jahre wollen die Stadtwerke nutzen, um die Trassen entsprechend umzubauen. Als nächstes ist die Umgestaltung des Bonner Talwegs dran. Sofern der Stadtrat am 6. Juli der Verwaltungsvorlage zustimmt, können die SWB auch den Ausbau der Wendestellen am Hauptbahnhof (Quantiusstraße), am Heinrich-Hertz-Berufskolleg (Herseler Straße), am Quirinusplatz in Dottendorf und den Ausbau der Haltestelle Wilhelmsplatz weiter planen. Die Verkehrsbetriebe versprechen sich davon einen flüssiger laufenden Verkehr, wenn die Bahnen für den Wendevorgang nicht mehr so lange die Fahrtrasse blockieren.

Straßenbahnnetz soll ausgeweitet werden

Umstrukturierung der Buslinien: Zwei zusätzliche Bahnen werden nicht reichen. Schon heute fahren viele Pendler zu Spitzenzeiten in sehr vollen Bahnen. Das betrifft laut Verwaltung weniger die Linie 62 als die 61. Der im Bonner Nahverkehrsplan festgehaltene Qualitätsstandard nennt eine Auslastung in der Spitzenstunde von höchstens 65 Prozent bei Sitz- und Stehplätzen als Richtwert. Richtung Auerberg wird er heute bereits zwischen 7 und 8 Uhr um 15 Prozent überschritten. Deshalb soll durch geschickte Führung der Buslinien der Busverkehr attraktiver gestaltet werden. In den Bussen gebe es „größere freie Kapazitäten“. Die Stadt nennt die Buslinien 551, 602 und 604/605 beispielhaft.

Weitere Projekte: Angedacht ist eine Ausdehnung des Straßenbahnnetzes. Im ÖPNV-Bedarfsplan sind nach Ratsbeschluss und Votum des Regionalrats vor allem die Hardtbergbahn und eine Straßenbahnverlängerung nach Buschdorf mit Priorität angemeldet. In beiden Fällen erwartet die Stadt ein Gutachten in diesem Jahr. Die Hardtbergbahn hält sie aufgrund der Projektgröße bis 2030 nicht für realisierbar.