Opfer erzählt von Nachstellungen

65-jähriger Bonner erhält Kontaktverbot nach jahrelangem Stalken

Symbolbild

Das Verfahren gegen den 65-jährigen Akademiker wurde eingestellt. (Symbolbild)

Bonn. Ein 65-jähriger Akademiker aus Bonn terrorisierte seine Ex-Freundin nach der Trennung im Jahr 2011 jahrelang. Immer wieder lauerte er ihr auf und bedrohte sie. Jetzt erzählt die 68-Jährige von den unzähligen Drohbriefen und Observierungen.

„Ich wünsche mir nur eines: dass ich endlich wieder ein freies und unbeschwertes Leben führen kann“, sagt die Frau im Zeugenstand. Was der Mann auf der Anklagebank der 68-Jährigen jahrelang angetan hat, hat ihr Leben massiv und nachhaltig beeinträchtigt. Nach der Trennung von ihm im Jahr 2011 verfolgte er sie ständig, lauerte ihr überall auf, schrieb ihr unzählige Briefe mit Drohungen. Seitdem fühlt die Frau sich nirgends mehr sicher.

Am Dienstag sitzt der 65-jährige promovierte Akademiker wegen Stalking vor der Strafrichterin und gibt die Nachstellungen zu – zumindest grundsätzlich. Er ist nicht mit jedem der zahlreichen Fälle einverstanden, die ihm die Anklage vorwirft. Und auch bei den Schilderungen seines Opfers schüttelt er immer wieder den Kopf und verzieht das Gesicht. Er gibt seine Missbilligung, wenn auch wortlos, so deutlich zu erkennen, dass die Staatsanwältin ihn mit Nachdruck auffordert, das zu unterlassen.

Die Frau aber lässt sich nicht beirren und berichtet mit bewundernswerter Fassung, wie der Angeklagte mit seinen Nachstellungen in ihr Leben eingriff. Nach der Trennung 2011 habe er angefangen, ihr überall aufzulauern und sie zu observieren und zu verfolgen. 2012 habe sie Strafanzeige erstattet und eine Anordnung nach dem Gewaltschutzgesetz beantragt, das ihrem Verfolger den Kontakt verboten hätte. „Doch beides wurde abgelehnt“, sagt sie. Man habe ihr gesagt, das sei ein beziehungstypisches Verhalten nach einer Trennung. Der 65-Jährige habe nur eine Gefährderansprache durch die Polizei erhalten.

„Er wusste immer, wo ich mich gerade aufhalte"

Doch die habe nicht sehr lange gewirkt. Er habe ihr wieder aufgelauert, sie verfolgt und ihr ständig Briefe geschickt oder selbst in den Kasten gesteckt: „90 Schriftstücke habe ich erhalten, den letzten im Mai 2017“, sagt sie. Und darin habe er massive Drohungen ausgestoßen wie: „Ich werde deinen Ruf ruinieren.“ Oder: „Wer nicht hören will, muss fühlen. Du wirst dein blaues Wunder erleben.“ Anderen gegenüber bezeichnete er sie als schwer gestörte Person. „Er wusste immer, wo ich mich gerade aufhalte, lauerte hinter Mauern, Ecken und Mülltonnen“, berichtet die 68-Jährige. Sie habe nicht mehr schlafen können, sei nur noch im Dunkeln durch das Treppenhaus geschlichen, damit er sie nicht sieht.

„Wenn jemand auf der Straße hinter mir ging, habe ich mich an die Wand gedrückt und gewartet, bis derjenige vorbei war.“ Sie habe sich ständig umgesehen, ihre Wege und Zeiten geändert. „Ich hatte das Gefühl, dass sich mein Leben in einen Alptraum entwickelt hat, aus dem ich nicht mehr aufwachte“, schildert sie. Nach einem besonders massiven Vorfall im Juli 2017, wo er ihr auflauerte und sie in die Enge trieb, erwirkte sie endlich ein Kontaktverbot für zwei Jahre und zeigte ihn an. Diesmal wurde gegen den 65-Jährigen ermittelt, und als er versuchte, Zeugen zu beeinflussen, kam er für drei Wochen in U-Haft.

Am Ende hat er nun Glück: Weil er Einsicht zeigt und mit 65 Jahren bisher unbestraft ist, wird das Verfahren gegen ihn eingestellt – gegen die Auflage, an sein Opfer 2000 Euro zu zahlen und keinen Kontakt mehr zu ihr aufzunehmen. Und weil die 68-Jährige darauf besteht, ringt er sich eine Entschuldigung ab: „Es tut mir leid, dass es so weit gekommen ist. Ich wünsche dir alles Gute.“ Die 68-Jährige erklärt anschließend: „Ich hoffe, er hält sich an das Kontaktverbot und verfolgt mich nicht mehr.“