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Angeklagter gibt Gewaltfantasien zu: 52-Jähriger gesteht Mord von Meßdorf nach 26 Jahren

Angeklagter gibt Gewaltfantasien zu : 52-Jähriger gesteht Mord von Meßdorf nach 26 Jahren

Am 11. November 1991 ist die 38-jährige Monika F. in ihrem Haus in Bonn-Meßdorf ermordet worden. Zum Prozessbeginn legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab. Unter anderem habe er schon früh Gewaltfantasien gehabt.

Der Mann, der in Handschellen in den Gerichtssaal gebracht wird, versteckt sich nicht vor den vielen Kameras, die auf ihn gerichtet sind. Olaf S. will sich, wie er erklärt, von der Last befreien, die seit 26 Jahren auf ihm lastet. Am 11. November 1991 tötete er Monika F. in deren Haus im Bonner Ortsteil Meßdorf. 70 Mal stach er auf die 38-Jährige ein. In seinem überraschenden Geständnis im Februar erklärte er: „Ich hatte schon lange Gewalt- und Tötungsfantasien, die ich ausleben wollte.“ Nun steht der 52-Jährige wegen Mordes zur Verdeckung einer Straftat vor dem Schwurgericht.

Lange Zeit suchte die Polizei vergeblich nach dem Täter, der sein Opfer mit Handschellen gefesselt und einen Nylonstrumpf am Tatort zurückgelassen hatte. Die Tat wäre wohl nie aufgeklärt worden, wäre der Täter nicht am 20. Februar bei Wolfenbüttel betrunken am Steuer erwischt worden. Auf der Wache nahm ihm die Polizei den Autoschlüssel ab und schickte ihn heim. Doch mit einem Zweitschlüssel kam er zurück, um sein Auto zu holen – und wurde erneut erwischt. Als einer der Polizisten ihm vorhielt, so was habe er ja noch nie erlebt, antwortete er: Was jetzt passiere, habe er bestimmt auch noch nie erlebt. Und er gestand den Mord von 1991.

Gewaltfantasien bis zur Tat unterdrückt

„Die Vorwürfe sind grundsätzlich zutreffend“, erklärt er am Dienstag durch seinen Anwalt Michael Kurth. Er habe Monika F. getötet, sie sei ein Zufallsopfer gewesen. Er habe als Student in ihrer Nähe gewohnt, sie aber nicht gekannt. Am Tattag sei er gegen 17 Uhr zu einem Spaziergang aufgebrochen, im Gepäck Messer, Handschellen und den Nylonstrumpf seiner schwangeren Frau. Dann habe er Monika F. durchs Küchenfenster gesehen. „Ich weiß nicht, was mich geritten hat“, erklärt er. „Ich habe zwar seit meiner Jugend Gewaltfantasien“, aber da sei es nie um Tötung gegangen. Und bis zu diesem Tag habe er sie unterdrückt.

„Es ging mir immer nur um die totale Kontrolle über den Körper einer Frau“, sagt er. Er habe geklingelt, Monika F. habe aufgemacht, und dann sei alles sehr schnell gegangen. Er habe sie in den Flur geschubst, und als er ihr die Handschellen angelegt habe, habe sie geschrien und ihn in den Finger gebissen. Da habe er zugestochen aus Angst, jemand würde sie hören. „Ich war wie von Sinnen“, erklärt er, „wie ferngesteuert. Aber der gewünschte Effekt trat nicht ein.“ Er sei nur geschockt gewesen: „Ich habe mich vor mir selbst geekelt.“ Nach einem kurzen Gang durchs Haus sei er heimgegangen, habe das Blut aus seinem Pullover gewaschen und sei in die Uni gegangen. Den Ausweis von Monika F., den er mitgenommen hatte, warf er hinter dem Bahnhof weg, wo er später gefunden wurde. Das Messer schmiss er in den Rhein.

In den folgenden 25 Jahren habe er, beteuert er, nie wieder eine solche Tat begangen, obwohl ihn die Gewaltfantasien verfolgt hätten. Bereits im Alter von sieben Jahren habe er davon geträumt, eine Frau von hinten zu überwältigen und zu fesseln. „Aber dann brechen die Fantasien ab“, behauptet er. Mit zwölf sei es fast passiert, als er hinter einer Frau hergegangen sei. Vielleicht, sagt er, wäre das besser gewesen. Dann wäre er aufgefallen und sein Leben anders verlaufen. Tatsächlich bekam der Polizistensohn sein Leben nicht mehr hin: Er brach das Studium ab, arbeitete als Wachmann, seine Ehe mit der Mutter seiner drei Kinder scheiterte wie auch die Folgebeziehung. Wie er zugibt, hatte er ein Alkoholproblem und wurde „erheblich gewalttätig gegen die beiden Frauen. Seine Kinder wollen seit Jahren mit ihm nichts mehr zu tun haben. Warum, weiß er angeblich nicht.

Gewissheit für die Angehörigen als schwacher Trost

Und trotz skeptischer Nachfragen von Kammervorsitzendem Josef Janßen beteuert er immer wieder: In seinen Gewaltfantasien sei Tötung nie vorgekommen. Das aber hatte er bei der Polizei noch gestanden. Auch versichert er, nie mehr jemanden getötet zu haben, denn die furchtbare Erinnerung an die Bluttat von 1991 habe jeden Gewaltimpuls unterdrückt. Tatsächlich kam der Verdacht nach Durchsuchung seiner Wohnung im Februar auf: Die Polizei fand nicht nur jede Menge Handschellen und Messer, sondern auch eine Unmenge an Ausweispapieren von Frauen. Doch die Ermittlungen ergaben: Alle leben noch. Warum er die Ausweise, die er vor allem als Wachmann bei der Müllverbrennungsanlage in Bonn sammelte, jahrzehntelang aufhob, weiß er angeblich auch nicht. Bei der psychiatrischen Gutachterin hatte er in Erwägung gezogen, dabei ein „Gefühl der Macht durch Wissen“ über diese Personen gehabt zu haben.

Nun also will er reinen Tisch machen und damit auch dafür sorgen, „dass die Angehörigen – ein schwacher Trost – endlich Gewissheit haben“. Die damals zwölfjährige Tochter, die ihre tote Mutter zusammen mit einem Onkel fand, und der Ehemann des Opfers sind Nebenkläger in dem Prozess. Auch sie werden als Zeugen gehört.

Die Pressekonferenz der Polizei im März:

Der General-Anzeiger berichtete am 13. November 1991 wie folgt:

Am 5. Dezember 1991 gab es neue Erkenntnisse bei der Polizei. Hier der damalige Bericht im General-Anzeiger