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Betrüger vor Gericht: 40-jähriger Bonner Arzt als Heiratsschwindler angeklagt

Betrüger vor Gericht : 40-jähriger Bonner Arzt als Heiratsschwindler angeklagt

Vor dem Landgericht werden einem 40-jährigen Arzt und Heiratsschwindler aus Bonn 73 Taten in 18 Anklagen vorgeworfen. Es soll ein Schaden von 750.000 Euro entstanden sein.

In Handschellen wird der Mann mit dem langen schwarzen Bart in den Gerichtssaal gebracht. Der Arzt, spezialisiert auf Psychiatrie und Neurologie, sitzt seit August in Untersuchungshaft. Und was die Staatsanwaltschaft dem 40-Jährigen vorwirft, ist kaum zu fassen: Seit Jahren soll der Mediziner, der in Bonn studierte, promovierte und arbeitete und sowohl hier als auch in Siegburg ein Haus hat, deutschlandweit mit gefälschten Attesten und Dokumenten Krankengeld erschlichen haben. Und nicht nur das: Er soll, obwohl verheiratet, anderen Frauen die Ehe versprochen und sie um ihr Vermögen gebracht haben. Aber auch das ist noch nicht alles.

18 Anklagen haben sich gegen den Arzt angesammelt, die nun alle gebündelt vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts verhandelt werden. 73 Taten wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor – von gewerbsmäßigem Betrug über Urkundenfälschung, Nötigung, Bedrohung, falsche Verdächtigung bis hin zu falscher Titelführung. Gesamtschaden: mehr als 750 000 Euro.

Auch Versicherungsbetrug ein Tatvorwurf

Mehr als 75 Minuten braucht die Staatsanwältin, um alle Taten aufzulisten. „Das war schon ein ganzes Stück Arbeit“, kommentiert Kammervorsitzender Jens Rauch anschließend. 2012 begann der Mediziner laut Anklage mit den Betrugsmanövern, indem er als Honorararzt einer Klinik überhöhte Rechnungen ausstellte. Außerdem schloss er bei zig Krankenversicherungen auf seinen Namen oder den einer Ärztin, die er damit auch in Verdacht brachte, Verträge ab und kassierte mit gefälschten Attesten über angeblich psychische Krankheiten Krankentagegeld. Manche Versicherungen zahlten, andere erkannten den Schwindel. Aber der Arzt ließ sich noch mehr einfallen, um an Geld zu kommen.

Obwohl er Ehefrau und Kind hatte, machte er sich laut Anklage an mehrere Frauen heran, versprach ihnen die Ehe und brachte sie – notfalls mit Todesdrohungen – dazu, ihm ihr Geld zu geben, angeblich zur lukrativen Anlage. Eine Ärztin brachte er so um 273 000 Euro, eine andere Geliebte um 200 000 Euro. Eine dritte Freundin, die er mit dubiosen Methoden behandelt hatte, verklagte er sogar auf Bezahlung der Rechnung. Mit gefälschten Gesundheitszeugnissen beantragte er überdies für die Frauen die Betreuung wegen schwerer geistiger Erkrankungen. Genau das versuchte er auch mit seiner Ex-Frau, die er mit dem Tode bedrohte, und seinen Schwiegereltern. Tatsächlich setzte das zuständige Amtsgericht psychiatrische Gutachter auf die Betroffenen an. Außerdem gab er sich immer wieder bei Gerichten als Anwalt aus. Auch Handwerkern spielte er laut Anklage übel mit: In mindestens acht Fällen beauftragte er für seine Häuser Arbeiten für Tausende Euro, und wenn die Handwerker ihr Geld forderten, zeigte er sie wegen Betruges an.

Vor Prozessbeginn erklärte er sich selbst für verhandlungsunfähig. Grund: Er leide an paranoider Schizophrenie. Doch die beauftragte Sachverständige sieht das anders. Am ersten Prozesstag ist der Angeklagte erst einmal zur Aussage bereit. Und erklärt überraschend, aber sehr eloquent: Auch seine Eltern und ein Bruder litten an Schizophrenie. Das Gericht richtet sich auf einen längeren Prozess ein.