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Karnevalstradition in Bonn: 2500 Jecke bei Bürgersitzung der Bonner Ehrengarde im Maritim Hotel

Karnevalstradition in Bonn : 2500 Jecke bei Bürgersitzung der Bonner Ehrengarde im Maritim Hotel

2500 Menschen haben am Samstag den großen Saal im Maritim Hotel bei der Bürgersitzung der Bonner Ehrengarde gefüllt. Querbeat heizten den Bonner Jecken ein, während Guido Cantz wegen Krankheit kurzfristig abgesagt hatte.

Josephine wurde es schon kurz nach dem Einmarsch der Bonner Ehrengarde zu laut im Saal Maritim, aber die großen Ohrschützer wollte sie auch nicht tragen. Also ging ihre Mutter mit dem Töchterchen raus, das mit einem Jahr und vier Monaten auf jeden Fall zu den jüngsten Besuchern der Ehrengarde-Bürgersitzung am Samstag im Maritim Hotel gehörte. Halb so wild – auch wenn sie so den Tanzauftritt ihres Papas verpasste.

Ihre Eltern hatten für sie keinen Babysitter gefunden, also durfte das Mädchen im süßen Tiger-Outfit mal für ein Stündchen mit auf die große Sitzung. Vielleicht waren Josephine auch die vielen kostümierten Menschen um sie herum nicht geheuer. 2500 Jecke waren im Saal, ausverkauft, die Flanierkarten noch nicht eingerechnet. Für Uli Dahl war das eine Ehrensache – nachdem er schon die Prinzenproklamation und die Sitzung seiner KG Wiesse Müüs, deren Präsident er acht Jahre lang war, krankheitsbedingt verpasst hatte. „Ich bin gerne dabei, solange eine Sitzung noch Karneval ist.“ Die Party-Events sind nichts für ihn.

Auch auf der Bürgersitzung der Ehrengarde kam aber schnell Partystimmung auf. Nachdem die Gastgeber mit voller Mannstärke und dem Bonner Kinderprinzenpaar den Auftakt gemacht hatten, ließen Querbeat keinen Zweifel daran, dass auch diese Sitzung keine reine Traditionsveranstaltung ist. Danach kam nicht Guido Cantz, wie ursprünglich geplant. Er hatte kurzfristig abgesagt, weil er krank ist, und für ihn wurde spontan ne Knallkopp Dieter Röder angeheuert.

Es folgten die Klüngelköpp, die Tanzgarde Höppemötzjer, die Köbesse und Prinz und Bonna mit Gefolge. Auf dem Programm standen weiterhin Miljö, Kempes Feinest, die Kölsch Fraktion und die Stattgarde Colonia Ahoj. Dazwischen gab es eine Überraschung, die aber schon die Besucher der Ehrengarde-Prunksitzung im November gesehen hatten: Da hatten die großen und kleinen Tanzgarden ein Mary-Poppins-Musical aufgeführt, das ursprünglich als Juxtanz gedacht. Das kam damals so gut an, dass man es jetzt noch mal ins Programm genommen hatte. Das Finale der Sitzung bestritt Mitsing-Musiker Björn Heuser, bevor im Foyer Tanzmusik aufgelegt wurde.

Einige Gäste ganz hinten unter der Galerie sahen von ihren Plätzen aus wenig vom Bühnengeschehen, denn einige Tische waren so gestellt, dass zum Beispiel Dieter Blum nur auf einen Pfeiler blickte. Der störe schon, sagte er. Aber als selbsternannter Hardcore-Karnevalist kannte er das Programm der meisten Gruppen ohnehin schon von anderen Veranstaltungen. Er schätze diese Sitzung: „Ich finde die Eintrittspreise richtig gut, das Programm ist auch immer gut, und hier ist es nicht so offiziell.“

Dass sie nichts sehen konnten, störte Florian Deres, Anna Güster und Karl-Heinz „Justav“ Schmitz nicht. Sie hatten nur Flanierkarten gekauft und hielten sich im Foyer auf, Bier trinken, Leute treffen, klönen. Vor dem Saal höre man auch genug von der Musik. „Sollen doch die einen Sitzplatz bekommen, die sich für das Programm interessieren“, sagte Schmitz. Auch so könne man die Tradition des Bonner Karnevals pflegen, meinte Güster.

Für die nächste Bürgersitzung am 23. Januar 2021 kann man ab Samstag, 1. Februar, Karten reservieren, ausschließlich über www.ehrengarde-bonn.de.