Frauenstreik: 250 Menschen demonstrieren am Weltfrauentag in Bonn

Frauenstreik : 250 Menschen demonstrieren am Weltfrauentag in Bonn

Am Weltfrauentag demonstrierten rund 250 Menschen in Bonn gegen Ungleichbehandlung. Organisiert wurde der Frauenstreik von der gleichnamigen Bonner Initiative.

Genau 100 Sekunden lang wurde es laut auf dem Bonner Marktplatz. Hunderte Frauen brüllten, jubelten und klatschten. 100 Sekunden für 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland. Zum Weltfrauentag machten zahlreiche Menschen durch ihren sogenannten „globalen Schrei“ auf die noch immer herrschende Ungleichbehandlung aufmerksam.

Im Dezember hat sich in Bonn eine Initiative zusammengeschlossen, die den Frauenstreik organisiert hat. Zu den Gründerinnen gehört Carlotta Grohmann. Die Studentin ist schon länger feministisch aktiv. Nach einem deutschlandweiten Treffen in Göttingen beschloss die 23-Jährige, eine Initiative in Bonn zu gründen. „Mich hat beeindruckt, wie viele unterschiedliche Frauen dort zusammengekommen sind“, so Grohmann. „Trotz unserer Unterschiede, waren wir uns über die Probleme einig.“

Diese Probleme sind unter anderem: Unterbezahlung typischer „Frauenberufe“ und zu hohe Steuern auf Monatshygiene. „Frauen gehören in die Parlamente“, fügt Julia Schenkel, Mitglied der Initiative, hinzu. Dieser Meinung schließt sich auch die Stadtverordnete der Linksfraktion, Lea Brandes, an. Sie hofft, dass sich mehr Frauen dazu entscheiden, bei den Kommunalwahlen anzutreten. „Das wäre gut für politische Entscheidungen. Bonn benötigt zum Beispiel dringend Frauenhausplätze“, so Brandes.

In Bonn verdienen Frauen 16 Prozent weniger als Männer

„Wir haben in den 100 Jahren schon viel erreicht, aber wir dürfen uns nicht ausruhen. Wir brauchen eine Bewegung“, sagt Schenkel. Daran beteiligten sich am Freitag rund 250 Demonstranten und forderten unter anderem gleichen Lohn für gleiche Arbeit.

In Bonn verdienen Frauen, die in Vollzeit arbeiten, 16 Prozent weniger als Männer. Das geht aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor. „Hinzu kommt, dass viele Frauen im Hintergrund tätig sind“, sagt Schenkel. „Die unbezahlte Arbeit im Haushalt wird kaum wertgeschätzt.“ Dabei zwinge die Hausarbeit einige Frauen dazu, weniger zu arbeiten. Das spiegeln auch die Zahlen der Agentur für Arbeit wieder: 69 Prozent aller Teilzeitstellen in Bonn werden von Frauen ausgefüllt. „Wir Frauen leisten auch emotionale Arbeit, wir sind permanent auf Zack“, sagt Schenkel. Die 26-Jährige hat über Mundpropaganda im vergangenen Jahr von der Idee zur Gründung der Bonner Initiative erfahren. „Ich war sofort begeistert“, sagt sie. „Ich habe mein Leben lang gekellnert und ständig sexistische Sprüche gehört. Dagegen möchte ich etwas unternehmen.“

Zum ersten Treffen im Frauenmuseum erschienen rund 15 Frauen. Diese hatten über verschiedene Facebook-Gruppen und E-Mail-Verteiler von dem Treffen erfahren. „Wir hatten sofort ein bunt gemischtes Publikum und beschlossen, wöchentliche Treffen zu organisieren“, so Schenkel. „Jeder ist bei uns willkommen.“

Seit Januar planen die Frauen das Programm für den Weltfrauentag. Neben der Demonstration, die am Abend durch die Bonner Innenstadt zog, beteiligten sich auch weitere Institutionen, wie das Frauenmuseum, das Institut Francais oder die Organisation „ENDviolence“ mit diversen Aktionen am Weltfrauentag. Die Initiative stellte am Weltfrauentag ein Streikcafé auf dem Marktplatz auf. “Es soll eine Anlaufstelle für Frauen sein“, erklärt Grohmann. Für die Kinderbetreuung sorgten ausschließlich Männer.

Die Streikbewegung und die Idee Männer einzubinden, stammt aus Spanien. Im vergangenen Jahr gingen dort fast sechs Millionen Frauen auf die Straße. Auch wenn sich die Mitglieder der Initiative bewusst sind, dass das in Deutschland kaum möglich ist, nehmen sie sich die Aktion in Spanien als Vorbild. „Wir können dafür sorgen, dass die Bewegung wächst“, sagt Grohmann. „Wenn Frauen zusammenhalten, können wir die Welt verändern. Denn wenn wir streiken, steht die Welt still.“

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