Abschied von Pitt Müller: 1975: Ein Original-Bonner und Bildhauer

Abschied von Pitt Müller : 1975: Ein Original-Bonner und Bildhauer

"Pitt – das war ein bißchen Boheme, ein bißchen Nostalgie, ein bißchen Romantik und fast nicht zu bremsende Lebensfreude", schreibt Lothar SchmidtMühlisch im General-Anzeiger vom 17. März 1975 im zweiten Künstler-Nachruf des Tages. Der Bonner Bildhauer starb im Alter von 69 Jahren im Wohnstift Augustinum.

Pitt, so schreibt Schmidt-Mühlisch liebevoll, "das war auch für Neu-Bonner immer so etwas wie ein Stück Alt-Bonn, das man sich so plastisch vorstellen konnte, wenn man ihn erlebte, wenn man seine nie endenden Geschichten von gestern und vorgestern hörte." Statt Bonner Original wollte er lieber "Original-Bonner" genannt werden. Und das war er laut Lothar Schmidt-Mühlisch wohl auch nicht nur dem Taufschein nach: "Immer zu fröhlichen Festen aufgelegt, stets mit der Gitarre und einem flotten Liedchen zur Hand, einem guten Tropfen zugetan und ein begeisterter Segler – so kannte man ihn. In seinem Kelleratelier, das er bis vor kurzem bewohnte, gaben sich die jungen Leute die Klinke in die Hand."

Pitt Müller wurde 1905 als Sohn eines Orgelbauers geboren. Die Eltern wollten aus ihm einen Kupferschmied machen, doch ihn drängte es zur Kunst. 1924 besuchte er die Kölner Werkkunstschulen und kam von der Formgestaltung und der Innenarchitektur zur Bildhauerei. In Hamburg und Amsterdam vollendete er seine Ausbildung und kehrte 1931 nach Bonn zurück. In der Gangolfstraße begründete er die Ausstellungs-Reihe "Junge Kunst".

1933 jedoch erhielt Pitt Müller Berufsverbot, und die Galerie wurde geschlossen. Doch der Künstler ließ sich nicht unterkriegen und produzierte Lampen: Mit den "Pitt-Leuchten" errang er 1936 auf der Pariser Weltausstellung internationale Anerkennung. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete er 1945 in Villich eine private Kunstschule, die allerdings der Währungsreform zum Opfer fiel. Auch der Expansion der Lampenfabrik war Pitt Müller kaufmännisch nicht gewachsen. Als Werklehrer an der Freiherr-vonStein-Schule fand er bis 1970 dann aber doch noch ein gesichertes Auskommen.

Der Bildhauer Pitt Müller zeigte vor allem als Porträtist sein Können, seine weichen, torsohaften Plastiken wurden nicht nur in Bonn gezeigt, sondern auch in Amsterdam, Hamburg, Hannover und Wiesbaden. Lothar Schmidt Mühlisch endet mit dem schönen Satz: "Mit seinem Tod ist die Bonner Kunstpalette um einen liebenswürdigen Farbtupfer ärmer geworden."

Mehr von GA BONN